Seniorengruppe „Montagskreis

Jede Woche ein neues Programm

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Zu 40 Jahren ununterbrochener Leitung gibt’s Blümchen von der Gemeinde: Amtsleiter Manfred Kraus und Bürgermeister Sieling gratulieren Uschi Meichsner (links) und Ute Rinner-Chromik.

Egelsbach - „Oh, wie schön, dass Ihr alle hier seid!“ steht auf den Servietten, die zusammen mit einem Schoko-Marienkäfer auf den liebevoll gedeckten Tischen in der Gud Stubb liegen. An der frühlingshaft verzierten Tafel haben die Senioren des Montagskreises Platz genommen. Von Julia Radgen 

Die Frauen zwischen Mitte 60 und Mitte 90 freuen sich darauf, an diesem Montag wieder gemeinsam zu spielen, zu basteln oder beim Kaffee zu plaudern.

Seit 40 Jahren richtet die Gemeinde den Montagskreis für Senioren aus. Er ist mittlerweile eine feste Institution – und nach wie vor unter derselben Leitung. Während über die Jahre viele Senioren an den Tischen Platz genommen haben, sind Uschi Meichsner und Ute Rinner-Chromik immer noch dabei. Als sie die Seniorengruppe 1978 gründeten, war Meichsner erst 29, Rinner-Chromik 39 Jahre alt. Die Sozialarbeiterin Meichsner hatte gerade im Egelsbacher Rathaus in der frisch gegründeten Abteilung Seniorenarbeit angefangen. Die Diplompädagogin Rinner-Chromik arbeitete als Biologie- und Kunstlehrerin. Nebenbei leiteten sie über all die Jahre die wöchentlichen Treffen für Senioren. „Heute sind wir alle Rentnerinnen“, sagen die beiden lachend.

Viel habe sich in den vergangenen 40 Jahren verändert. In den Anfangsjahren sei die älteste Besucherin 1895 geboren. „Diese Generation war kaum gereist und wollte vor allem Ausflüge unternehmen oder Vorträge besuchen“, erzählt Meichsner, die 33 Jahre lang hauptamtlich die Seniorenarbeit der Gemeinde leitete. Heute sind Basteleien und Spiele beliebt. Etwa 150 Menschen besuchten die Gruppe, die sich anfangs in der Altenwohnanlage an der Dresdner Straße traf, in den vergangenen 40 Jahren. Der Zulauf blieb all die Jahre stabil: 20 bis 25 kommen im Schnitt jeden Montag zum Treffen. „Erst voriges Jahr sind vier neue hinzugekommen – ohne dass wir Werbung gemacht hätten“, sagt Rinner-Chromik.

Diesmal sind es durchweg Frauen, die in der Gud Stubb Platz genommen haben. Die meisten von ihnen treffen sich seit Jahren hier. Viele haben ihre Männer verloren, sind Witwen. Die 93-jährige Martha Greff zählt zu den ältesten Besucherinnen. Der Montagskreis ist für die Seniorin im Rollstuhl nach wie vor ein fester Termin. Das weiß auch die Familie, die von ihr öfters den Satz gehört hat: „Montags kann ich nicht, da muss ich zum Montagskreis.“ Sie ist zusammen mit der 91-jährigen Lieselotte Hanlon am längsten dabei – seit fast 30 Jahren. „1991 bin ich dazugekommen“, weiß Hanlon ganz genau. Man kenne sich mittlerweile untereinander, das sei das schöne am Montagskreis. „Alle Bilder, die hier hängen, haben wir gemalt“, betont sie.

Ein festes Programm gibt es beim Montagskreis nicht. Die Leiterinnen entscheiden zusammen mit den Teilnehmern, was gemacht wird. „Sie sollen ihre Vorstellungen und Wünsche ruhig mit einbringen“, sagt Rinner-Chromik, die gerne Kunstausstellungen besucht und dort Anregungen für den Montagskreis findet. Wenn die Beschäftigung gefunden ist, macht nur mit, wer möchte – ganz ohne Druck. „Wer keine Lust hat, lässt es eben bleiben.“

Aber die Damen lassen sich selbst auf Gymnastikübungen und Gehirnjogging ein. Ein Vertrauen, über das sich Meichsner und Rinner-Chromik freuen. Sie lassen sich immer wieder etwas Neues einfallen. „Wir sind sehr verschieden und ergänzen uns gut“, sagt die 79-jährige Rinner-Chromik. Während sie sich eher um Gymnastik und Gehirntraining kümmere, sei Meichsners Sphäre das Basteln. So verzierten die Montagskreis-Damen schon Kerzengläser mit getrockneten Blüten oder bastelten Gestecke. Auch die Salate, die an diesem Mittag auf die Teller kommen, haben die Besucherinnen selbst gemacht. Sogar die rüstigste Teilnehmerin lässt sich das nicht nehmen.

Schlaue Technik im Haus für Ältere

Das Wichtigste für die beiden Leiterinnen – und das schätzen auch die Teilnehmer am meisten – ist die Gemeinschaft, die sich über die Jahre im Montagskreis gebildet hat. „Es ist eine Form von Lebensbewältigung, man versteht einander“, sagen die beiden. Der Verlust von Partnern oder Freunden sei immer wieder Thema. Der Umgang im Montagskreis ist vertraut, es wird gescherzt und gelacht, sogar Freundschaften haben sich gebildet. „Es geht darum, wie wir alle das Alter bewältigen“, erklärt Meichsner. Die regelmäßigen Treffen ermöglichen den Austausch und zeigen den Teilnehmern, dass sie nicht allein sind mit Problemen oder Gebrechen. „Wir konzentrieren uns darauf, was wir noch tun können – nicht, was wir nicht mehr können“, so die Leiterinnen.

Ob sie den Wunsch von Bürgermeister Jürgen Sieling erfüllen können, dass „noch zehn Jahre draufkommen“, wissen die beiden nicht. „Wir machen so lange weiter, wie wir können und es uns Spaß macht“, betont Rinner-Chromik. Ideen für die kommenden Montage habe sie genug.

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