Egelsbacher Joshua Wannemacher gründet Konzertagentur

Ein Zuhause für die Livemusik

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Joshua Wannemacher (23) steckt sich und seiner jungen Agentur H.O.L.M. hohe Ziele.

Langen/Egelsbach - Joshua Wannemacher hat seine eigene Agentur für Konzerte und Künstlermanagement gegründet und damit ein Herzensprojekt in die Tat umgesetzt. Der Jungunternehmer aus Egelsbach steckt sich und seinem Unternehmen hohe Ziele. Von Tobias Alarcon 

„Geht mehr auf Konzerte!“ heißt es immer so schön von einigen bekannten Künstlern. Doch wohin soll man – und vor allem die Jugend – gehen, wenn das Ticket für den großen Superstar mindestens 50 Euro kostet und die lokale Musikszene, geprägt von talentierten Newcomern, längst nicht mehr so belebt ist, wie sie es früher einmal war?

Genau dort setzt Joshua Wannemacher an. Mit einer eigenen Agentur will er die Musikszene für Künstler wie Besucher wiederbeleben und aktiv mitgestalten. H.O.L.M. – Home of Live Musik – heißt die Agentur. Wannemacher blickt auf eine längere Vorgeschichte zurück. „Die Idee entstand schon vor einigen Jahren aus einem anderen Projekt, in dem das ‚L‘ noch für local stand. Leider ist dieses eingeschlafen, doch jetzt wollen wir H.O.L.M. größer und professioneller aufziehen.“ „Wir“ bedeutet nur eine Handvoll freiwillige Helfer, die das Projekt unterstützen, sei es durch Livemitschnitte der Konzerte, Gestaltung der Flyer und Plakate oder Unterstützung des Bookings. Alle kennen sie die Szene gut, auch Wannemacher. Der 23-Jährige bringt die passende Vergangenheit mit: Mit seiner Band Watch me Rise spielte er schon oft auf den verschiedensten Bühnen der Republik. Im Jugendzentrum Langen ist er seit zweieinhalb Jahren federführend beim Booking der Bands dabei.

Mehrere Jahre arbeitete der gelernte Speditionskaufmann schon in Festanstellung bei einem großen Eventticketvertrieb, bevor er sein Studium im Musik- und Eventmanagement begann. Beste Voraussetzungen, um etwas Eigenes in diesem Bereich auf die Beine zu stellen, meint Wannemacher. „Im Studium lerne ich, was ich direkt beim Aufbau und bei der Organisation von H.O.L.M. brauche und umgekehrt kann ich schon viel Wissen aus der Praxis ins Studium einbringen.“

Der Jungunternehmer hat viel vor und steckt sich und seiner Agentur hohe Ziele: „Nach den ersten Konzerten, die momentan noch im Jugendzentrum und in Kooperation mit diesem stattfinden, wollen wir natürlich mittel- und langfristig unser Einzugsgebiet erweitern. Nächstes Jahr werden schon Konzerte in Frankfurt und Darmstadt stattfinden.“ Für den Weg, den seine Agentur nehmen soll, hat Wannemacher einen Zehnjahresplan erstellt. Er hofft, dank seines bereits umfangreichen Netzwerks schnell wachsen zu können. „Es gibt so viele junge Talente, aber so wenige Leute, die wirklich noch oft auf Konzerte gehen und daher auch immer weniger Möglichkeiten für die Musiker, ihre Kunst zu präsentieren“, meint der motivierte Veranstalter. H.O.L.M. soll das Interesse an Livemusik wieder wachsen lassen und Künstler sollen irgendwann die Möglichkeit bekommen, über H.O.L.M. Touren zu planen, Alben aufzunehmen und Marketing zu betreiben.

Bis dahin ist es noch ein langer Weg, das weiß auch Wannemacher. Dennoch ist er überzeugt davon, dass schon jetzt alle, die am Projekt mitarbeiten, nur davon profitieren können. „Was auch immer gemacht werden muss, sei es Booking, Grafiken erstellen, Texte schreiben, Filmmaterial produzieren oder mit Bands in Kontakt treten: Jeder lernt dabei weiter dazu und bereichert so sich selbst und die Agentur. Davon profitieren letztlich auch die Künstler, die mit uns zusammenarbeiten.“

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Zwei Bands hat Wannemacher schon unter Vertrag. „Das sind Handschlag-Verträge. Trotzdem verlassen die Bands sich auf uns und wir buchen für sie die Konzerte für ihre Touren.“ Die Gruppe Nautilus ist eine dieser Bands; sie stammt aus der lokalen Musikszene. Die zweite Band will Wannemacher schon bald bekannt geben. „Es handelt sich um eine Gruppe aus England“, verrät er vorab.

Nachwuchsförderung ist ebenfalls ein wichtiger Punkt, den H.O.L.M. abdecken möchte. Die Kooperation mit dem Jugendzentrum steht, bald sollen weitere Projekte mit Musikschulen und Musikklassen von Schulen entstehen. „Wir wollen auch Kindern und Jugendlichen die Musik näherbringen und ihnen Gelegenheit geben, selbst Bands zu formieren.“

Wannemacher ist von seinem Konzept überzeugt. Für die Konzertpremiere unter dem Namen H.O.L.M. lud er freilich keine lokalen Musiker ins Juz ein. „Das mag komisch klingen, aber man muss auch darauf achten, dass nicht jeden Monat die gleichen Bands spielen, sonst ist schnell wieder die Luft raus.“ Ende Oktober spielte daher beim groß angekündigten ersten Konzert der Agentur auch eine Band aus Italien. „Der Plan ist, lokale Newcomer und Bekanntheiten zusammen mit größeren Bands auftreten zu lassen. Nächstes Jahr werden wir sogar eine Band aus Kanada zu Gast haben“, erzählt Wannemacher stolz. Abende mit Offenen Bühnen und Konzerte verschiedener Genres sollen folgen. Wichtig sei ihm, sich stets nach frischer Musik umzuhören und die Konzerte der weniger Bekannten zu besuchen. „Das lohnt sich. Es reicht nicht, immer nur die Musik der alten Legenden aufzuwärmen, mag sie noch so gut sein – irgendwann gibt es auch keine Möglichkeit mehr, diese Künstler live zu sehen.“

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