Pauli & Co. als Lehrer in Heimatkunde

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„Ahoi!“ Mit Maulwurf Pauli lernen schon die Kleinsten spielerisch Tschechisch.

Egelsbach - Die Globalisierung schreitet voran und macht die Welt kleiner. Menschen reisen in ferne Länder und würden sich am liebsten überall verständigen können. Daher ist es mittlerweile der Normalfall, mehrere Sprachen zu beherrschen. Von Daniel Untch

Besonders leicht geht das, wenn man diese schon von Kindesbeinen an in der Familie lernt. Noch besser aber, wenn die Kinder nicht nur in ihren Familien, sondern auch in professionellem Unterricht unter Gleichaltrigen regelmäßig die zweite Sprache sprechen. Eltern, die sich wie auch immer mit der Tschechischen Republik verbunden fühlen und deren Sprache ihren Kindern mitgeben möchten, bietet die Tschechische Schule in Frankfurt Unterstützung. Schulleiterin ist Katerina Spieß, die seit 2002 in Deutschland und seit mittlerweile fünf Jahren in Egelsbach lebt. Die 35-jährige Pädagogin erklärt das Konzept: „Wir sind eine Ergänzungsschule, um den Kindern die Sprache, Literatur und Geschichte Tschechiens näher zu bringen. “.

Mit sieben ausgebildeten Lehrkräften kommt die im Februar 2011 gegründete Schule dieser Aufgabe nach. Jeden Samstag treffen sich etwa 80 Kinder in Frankfurt-Hausen, um dort von 9.30 Uhr bis 13.30 Uhr zu lernen. Die Jüngsten sind gerade mal 18 Monate, die Ältesten 15 Jahre alt; ihre Eltern nehmen zum Teil mehrstündige Anfahrten in Kauf. „Das Einzugsgebiet unserer Schule reicht von Nordhessen bis zur Bergstraße, vom Main-Kinzig-Kreis bis Eltville“, sagt Katerina Spieß.

Eltern nehmen mehrere Stunden Anfahrt in Kauf

In der Frankfurter Schule – ähnliche Schulen gibt es in Deutschland in Berlin, München oder Dresden sowie weltweit in London, Paris, Washington oder Sydney – lernt der Nachwuchs in acht Altersklassen Unterrichtsstoff, der mit tschechischen Lehrplänen abgestimmt ist. Ein Elternteil der Kinder ist häufig mit Deutschen verheiratet oder es handelt sich um tschechische Paare, die für eine gewisse Zeit in Deutschland leben. „Es kommen aber auch Eltern, die mittlerweile in der dritten oder vierten Generation in Deutschland leben und möchten, dass ihre Kinder die Sprache sprechen und schreiben lernen“, berichtet die Schulleiterin.

Die Egelsbacherin Katerina Spieß leitet die 2011 gegründete Tschechische Schule.

Neben den Kindern zählen auch zehn Erwachsene, meist deutsche Väter, die ebenfalls die Sprache lernen möchten, zum Kreis der Schüler. „Das führt zu lustigen Situationen, wenn Väter und Kinder zusammen Hausaufgaben machen“, erzählt Spieß. Um den Kindern auch die Lebensart und die Traditionen des Landes näher zu bringen, gehören Feste, Theateraufführungen oder Nikolausfeiern ebenso dazu wie der bloße Unterricht. Dabei steht alles im Kontext zu Deutschland. Spieß erläutert: „Wenn wir den Kindern etwas über Karl den Vierten beibringen, lernen sie auch, dass er zum Beispiel viel zur Geschichte des Frankfurter Doms beigetragen hat.“ Neben den Lehrkräften spielen Maskottchen eine wichtige Rolle in der Schule. Das sind zum Beispiel verschiedene Filmfiguren wie der bekannte Maulwurf Pauli oder eine Puppe namens Käfer. „Mit den Maskottchen dürfen die Kinder nur tschechisch sprechen“, betont Spieß die Wichtigkeit von Ritualen.

Größte tschechische Schule weltweit 

Entstanden ist die Schule aus dem Wunsch nach einer tschechischen Mutter-Kind-Lerngruppe. Da diese aber meist mit Beginn des Schulbesuchs enden, suchte die Schulleiterin nach einer Möglichkeit, den Unterricht weiterzuführen. Nach einjähriger Vorarbeit gründete sie die Schule, die zurzeit im Gebäude der Lehrerkooperative Nordwest (Im Vogelsgesang 4, Haus 3) untergebracht ist. Unterstützt wurde sie vom Projekt „Tschechische Schulen ohne Grenzen“ sowie vom tschechischen Botschafter Dr. Rudolf Jindrak, der als Schirmherr der Schule und ihres Trägervereins Vita Bohemica fungiert.

Gut ein Jahr nach der Gründung ist die Schule weithin bekannt und mit ihrer Schülerzahl die größte tschechische Schule weltweit. Freilich bringt solch rasantes Wachstum auch Probleme mit sich. „Ein eigenes Gebäude wäre ideal“, konstatiert Spieß. „Deshalb sind wir auf der Suche nach größeren Räumlichkeiten und Sponsoren.“ Bis dahin kommen die Kinder gerne weiter in das Haus in Reichweite des Nordwestzentrums, um spielerisch über die Wurzeln ihrer Heimat zu lernen und diese zu bewahren. Kontraproduktiv im Hinblick auf die deutschen Wurzeln sei das Ganze im Übrigen nicht, merkt Katerina Spieß an. „Schließlich gehen die älteren Kinder von Montag bis Freitag ganz normal zur deutschen Schule. Wir integrieren dazu einmal die Woche weitere Beziehungspunkte.“

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