Wie laut darf die Kerb sein?

Tradition ist wichtig, Nachtruhe erst recht

Egelsbach - „Die Elschbächer Kerb ist do – was sin’ die Leut’ so froh!“ Ab heute Abend hallen dieser Gesang, weitere Lieder und Schlachtrufe durch den Ortskern, fünf Tage lang, ehe am Dienstag wieder alles zu Ende gehen wird. Von Holger Borchard

Schon am Abend vor dem offiziellen Programmstart glühen in den Heckenwirtschaften die Zapfhähne, treffen die Elschbächer sich zum Klönen und Feiern, so ist es Tradition. Sei es bei „Friedas Kerwetreff“, der seit 25 Jahren am Start ist, oder im Parrehof, wo heute um 19 Uhr Bürgermeister Tobias Wilbrand und Pfarrer Martin Diehl gemeinsam das erste Fass aufmachen wollen.

Fünf Tage feiern – das ist für die einen fröhliche Pflicht, Ehrensache, Ausdauersport und Urlaubsgrund. Es gibt aber auch noch die anderen, denen der Partymarathon zusetzt. Gemeint sind Lärmgeplagte, vornehmlich also die Anwohner am Berliner Platz und die Nachbarn der Heckenwirtschaften, die – aus welchen Gründen auch immer – nicht permanent in Feierlaune sind, schon gar nicht bis in die Puppen, und Einhaltung der Nachtruhe erwarten. Ein Konflikt, der gerade erst vor vier Wochen beim Weinfest diskutiert wurde, nachdem Anwohner sich über zu laute Musik bis weit nach Mitternacht und Feierei bis in die Morgenstunden bei Bürgermeister Tobias Wilbrand beklagt hatten. In der Folge entspann sich eine vornehmlich über die (un-)sozialen Medien geführte Debatte, die auch und gerade unter dem Eindruck der Beiträge des eifrig mitdiskutierenden Rathauschefs für die heute beginnenden „Nationalfeiertage“ Reglementierungen befürchten ließ.

Um es vorwegzunehmen: Die Elschbächer Kerb 2018 wird wie gewohnt über die Bühne gehen. Will sagen: Die über die vergangenen Jahrzehnte gehandhabten, ohnehin großzügigen Regelungen stecken auch dieses Jahr den Rahmen ab. „Sie sind vorab an alle Betreiber von Kerbhöfen – dieses Jahr sind es acht – in Form eines Bescheids verschickt worden“, berichtet der Bürgermeister. In den Anschreiben steht unter anderem zu lesen:

  • Die Höfe sind um 3 Uhr zu schließen, am Montag um 20 Uhr.
  • Musikalische Darbietungen sind ab 23 Uhr in der Lautstärke um ein Drittel zu reduzieren, ab 1 Uhr einzustellen.
  • Auch weiterer Lärm wie Gesang, Gegröle, Trampeln, lautes Reden vor dem Hof ist ab 1 Uhr zu unterbinden.

Die Inhalte der Bescheide für die Heckenwirte basieren auf einem rechtlichen Vergleich aus dem Jahr 1999. Seinerzeit hatten Anwohner der Gemeinde wegen des nächtlichen Lärms mit juristischen Klagen gedroht. Das Ergebnis war der Kompromiss zu Zeiten und Geräuschpegeln. Dieser schiebt ausgiebigem Feiern keineswegs einen Riegel vor und hat sich seither im Grundsatz Jahr für Jahr bewährt – sofern man bei obligatorischen Einzelausfällen als Momentaufnahmen beide Augen zudrückt.

Vor diesem Hintergrund sieht der Bürgermeister die Kerb und alle Kerbmacher innerhalb des rechtlichen Rahmens bestens aufgehoben, sodass ihm mit Blick auf die heute startenden Partytage nicht bange ums Miteinander ist. Das unterstreicht Wilbrand in einer weiteren Videobotschaft (siehe unten). Sein Appell an alle Nachtschwärmer: „Bitte achtet beim Nachhausegehen ein bisschen auf die Anwohner. Dann können wir alle zusammen die Kerb genießen.“

Bilder: Egelsbacher feiern auf der Kerb

Über die fünf Egelsbacher Nationalfeiertage hinaus möchte der Rathauschef dem Prinzip: „Es gibt eine Zeit fürs Feiern und eine für die Erholung“ durch eine ordnungsbehördliche Neuerung Nachdruck verleihen: „Ich werde in Zukunft für alle öffentlichen Veranstaltungen einen Schließdienst zur festen Auflage machen“, kündigt Tobias Wilbrand an. Das klinge erst mal strenger, als es tatsächlich gemeint sei, merkt er an. „Ich möchte einfach, dass ein Veranstalter der Verwaltung mindestens eine Person benennt, die jederzeit per Telefon erreichbar ist und dafür sorgt, dass 30 Minuten nach Ende einer Veranstaltung alle öffentlich zugänglichen Bewirtungen geschlossen und eine Stunde nach Ende der Veranstaltung der Platz geräumt ist. Wenn das Probleme bereitet, muss die Polizei eingeschaltet werden.“ Nur wer in Zukunft diese Auflage erfülle, könne weiter mit Genehmigungen rechnen – „ein simples Gebot der Rücksichtnahme“, betont Wilbrand.

Rubriklistenbild: © Archiv: Strohfeldt

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare