Kirchengemeinde steht hinter Bürgerbegehren

Egelsbach - Die Enttäuschung gleich vorneweg: Ob der Vertreter der Gemeinde heute Ja oder Nein zum Verkauf der Egelsbacher Flugplatz-Anteile sagt, weiß auch die Heimatzeitung erst, nachdem das Votum in der Gesellschafterversammlung der Hessischen Flugplatz GmbH abgegeben worden ist. Von Holger Borchard

Der Gemeindevorstand zog es vor, die gestern Nachmittag beschlossene Weisung für Christian Jaensch bis heute als „geheim“ zu deklarieren. Nicht im Trüben fischen müssen dafür alle Egelsbacher, die wissen wollen, wie es mit dem Bürgerbegehren weiter geht: Das Begehren gegen den Verkauf der Egelsbacher Flugplatz-Anteile läuft seit gestern. Die erste Unterschriftensammlung des Vereins FLAG-E findet am Samstag, 31. Januar, von 9 bis 13 Uhr auf dem Wochenmarkt am Kirchplatz statt.

Wie angekündigt hat der Vorstand der Flug-Lärm-Abwehr-Gemeinschaft-Egelsbach am Dienstagvormittag die nötigen Unterlagen zur Einleitung des Bürgerbegehrens im Rathaus an Bürgermeister Rudi Moritz übergeben. „Das war ein unspektakulärer Vorgang, der allerdings von langer Hand vorbereitet war, um alle Formalien zu erfüllen“, sagt FLAG-E-Vorsitzender Günther de las Heras.

Bei der Sammlung der Unterschriften werde der Verein dreigleisig fahren: „Erstens werden wir am 31. und an den vier Februar-Samstagen auf dem Wochenmarkt sein und zweitens werden wir über ganz Egelsbach verteilt Abgabestellen für die Formulare zum Bürgerbegehren einrichten.“ Dritte Plattform schließlich sei die Internetseite der Fluglärmgegener.

Unterstützung erhält FLAG-E ab sofort seitens der evangelischen Kirchengemeinde. „Bei der Gemeindeversammlung am Montag haben Kirchenvorsteher und Gemeindeglieder einstimmig beschlossen, das Bürgerbegehren aktiv zu unterstützen“, sagt Pfarrer Martin Diehl.

Eigentlich sollte sich die Tagesordnung auf die Vorstellung der Kandidaten zur Kirchenvorstandswahl beschränken. „Aber Egelsbach ist in großer Sorge. Deshalb haben die Vorsitzende des Kirchenvorstands, Brigitte Lehmann, und ich kurzerhand zugestimmt, die Tagesordnung zu erweitern“, so Diehl.

„Die Stimmung war ruhig und sachlich, aber vollkommen entschlossen: Auf keinen Fall verkaufen“, fasst Diehl die Diskussion zusammen. „Wenn ab Samstag Unterschriften gesammelt werden, liegen entsprechende Listen in unserer Kirche, im Gemeindehaus und im Gemeindebüro aus.“

Dass Egelsbach mit seiner Furcht vor den Expansions- und Privatisierungsplänen am Flugplatz nicht alleine da steht, hat Rudi Moritz inzwischen schriftlich: „Rödermark beobachtet die Entwicklung mit Sorge“, schreibt dessen Bürgermeister Roland Kern. „Die Auswirkungen, insbesondere erheblich zunehmende Lärmbelastungen, blieben keineswegs auf Egelsbach beschränkt. Schon heute fühlen sich nicht wenige Einwohner der Rödermärker Stadtteile Ober-Roden/Breidert und Urberach durch zunehmende Bewegungen größerer Flugzeuge, die seit der letzten Flugplatzerweiterung und Änderung der Flugrouten vermehrt diese Stadtteile überfliegen, erheblich belästigt.“ Die Gremien der Stadt Rödermark hätten deshalb um Aufnahme in die Fluglärmkommission ersucht.

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