Fragwürdiger Kreuz-Kompromiss

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Egelsbach - Die seit Monaten umstrittene Aufstellung dreier großer Holzkreuze im öffentlichen Raum durch die evangelische Kirchengemeinde endet mit einem Kompromiss – zumindest, wenn es nach Gemeindeverwaltung und evangelischer Gemeinde geht. Von Holger Borchard

Demnach werden die Kreuze auf dem Rodelhügel im Brühl und am Bruchsee abgebaut, ihre Halterungen jedoch vor Ort belassen (und mit Bänken überbaut), um die Kreuze jederzeit zu besonderen kirchlichen Anlässen aufbauen zu können. Nummer drei am Waldrand nahe des Lauftreffs soll als Wegkreuz erhalten bleiben.

„Das ist das Ergebnis des Gesprächs, das Beigeordnete Irmgard Bettermann am 22. März mit dem Vorstand der Kirchengemeinde geführt hat“, betont Bürgermeister Rudi Moritz. „Ich hoffe, wir können uns jetzt wieder mit wichtigen Sachen befassen.“

„Das erfahre ich aus der Zeitung“

Die Hoffnung hat der Rathaus-Chef wohl exklusiv – der Grund liegt auf der Hand: Der Mann, der die ganze Debatte auslöste, spielt bei der vermeintlichen Konsensbildung nicht die geringste Rolle. „Das erfahre ich aus der Zeitung“, stellt Peter Radebach-Opitz fest und fügt hinzu: „Das kann nicht das letzte Wort sein, das ist ein fauler Kompromiss. Die Kirche wird darüber kaum froh sein. Und Leute wie ich, die sich nicht mit der Besetzung öffentlicher Flächen durch die Kirche abfinden wollen, fühlen sich alles andere als von der Politik ernst genommen.“

Schlimmer noch als das „Ergebnis“ stößt Radebach-Opitz die Art auf, in der die Gemeindespitze mit ihm verfährt, sprich ihn mehr oder minder ignoriert. „Am 1. Juli hat mein Schreiben Jahrestag“, merkt er an. Auf seine Aufforderung, die Genehmigung zur Aufstellung der Kirchenkreuze zurückzuziehen, erhielt er zunächst keine Antwort und ging daher ein paar Monate später an die Öffentlichkeit. „Seither zieht sich die Angelegenheit hin, so intransparent wie es eben nur geht“, klagt Radebach-Opitz. „Aber das Bild, das sich aus meinen Recherchen und Hinweisen aus informierten Kreisen ergibt, ist sehr klar.“

Hinweise auf fehlende Baugenehmigung

So gebe es Hinweise, dass mindestens für das Kreuz auf dem Rodelhügel die erforderliche Baugenehmigung des Kreises fehle, die für mehr als zwei Meter große Objekte nötig sei. „Inzwischen glaube ich auch, guten Gewissens sagen zu können, dass es nie einen Beschluss des Gemeindevorstands zur Kreuz-Aufstellung gab und alles auf Zuruf des Bürgermeisters geschah“, sagt Radebach-Opitz. „Und wo es keinen Beschluss gibt, tut man sich mit einer Rücknahme nun mal schwer.“

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„Für die Kreuze gibt es keine Baugenehmigung, wenn man so will, sind sie illegal“, bestätigt Rudi Moritz auf Anfrage unserer Zeitung. „Aber wir sind ja auch immer davon ausgegangen, dass sie nicht lange stehen bleiben würden. Es gibt sehr wohl einen Genehmigungsbeschluss, bloß ohne Frist – das war der Fehler.“ Freilich sei man im Gemeindevorstand alles andere als in der Sache einig. Und warum wurde Radebach-Opitz nun in Sachen „Kompromiss“ weder beteiligt noch informiert? „Weil ich keine Lust habe, nach der Pfeife eines einzelnen Mannes zu tanzen“, nimmt Moritz kein Blatt vor den Mund.

„Das ist doof“, kommentiert der evangelische Pfarrer Martin Diehl nicht minder deutlich Informationspolitik und Äußerungen des Rathaus-Chefs. „Und es stimmt. In unseren Reihen war der Kompromiss schwer zu vermitteln. Kirche, die ihren Glauben nicht nach außen geben kann, hat ein Auftrags- und Identitätsproblem. Trotzdem wollen wir der Deeskalation den Vorrang geben.“

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