„Bloß nicht noch mehr Verkehr“

Egelsbach - „Wir haben nichts gegen weitere Kita-Plätze – aber wir wehren uns vehement gegen noch mehr Verkehr vor unserer Haustür. Von Holger Borchard

Bernhard Bauder, der Vorsitzende des Gewerbevereins, wohnt in der Straße Unterm Dorf und bringt die Befürchtungen der dortigen Anwohner auf den Punkt. Seit Bekanntwerden der Planung für den Neubau eines Familienzentrums auf dem Brühl-Bolzplatz in Nachbarschaft zu Sporthalle und Container-Kita Tausendfüßler schwant dem guten Dutzend Hausbesitzern Böses. Ihren Fragen und Einwendungen Rechnung tragen sollte am Montagabend eine Gesprächsrunde mit Vertretern der Verwaltung und dem zuständigen Planer, zu der Gemeindevorstandsmitglied Jörg Leinberger eingeladen hatte.

Um es vorwegzunehmen: Obwohl die Diskussion in der Altentagesstätte Gud Stubb nach knapp anderthalb Stunden in „wildes“ Argumentieren abdriftete und sehr abrupt von Jörg Leinberger beendet wurde, dürften die Positionen beider Seiten bei den Gegenübern angekommen sein. „Was Sie heute hier sehen ist ein Entwurf, mehr nicht“, hatte der Beigeordnete zuvor wiederholt versichert. „Wir machen uns ernsthafte Gedanken und nehmen alle Anregungen auf. Aber Sie müssen zur Kenntnis nehmen, dass die Gemeinde sehr, sehr viel Geld in die Hand nimmt – im Interesse aller Bürger.“ In den kommenden Wochen werde die Planung wiederholt besprochen und zweifellos überarbeitet. „Am 15. Dezember muss die Entscheidung fallen – es geht um Zuschüsse“, verhehlte Leinberger nicht.

Alternative Standorte gesucht?

Ob denn nach alternativen Standorten gesucht worden sei, lautete eine der ersten Fragen der etwa zwei Dutzend Zuhörer (darunter einige Gemeindevertreter sowie zwei der drei Bürgermeisterkandidaten). „Ja, aber erfolglos“, so die Antwort. Die Gemeinde besitze kein anderes Grundstück der nötigen Größe. „Warum muss es ausgerechnet im Brühl die dritte Kita sein? Das ist doch viel zu viel“, meinte eine Mutter. „Ganz im Gegenteil“, beschied Heike Vetter, Pädagogische Kita-Leiterin der Gemeinde. „Wir brauchen die Plätze im Brühl, wo sie gefordert werden.“ Abgesehen davon sei die Container-Kita ein Provisorium und solle ebenso wie der Altbau der Kita Brühl I verschwinden, sobald die Kinderzahlen dies zuließen.

Von der Ruhe, die Unterm Dorf das Spielstraßen-Schild verheiße – „Es bedeutet, dass in dieser Straße Schrittgeschwindigkeit zu fahren ist“, belehrte Ordnungsamtsleiter Schmidt –, könne keine Rede sein, schilderte eine Mutter: „Ich wohne direkt gegenüber der Tausendfüßler-Kita. Wir haben nur Stress mit dem Verkehr – morgens durch die Kita, ab Nachmittag durch die Sporthalle. „Dass mein Kind auf der Straße spielen kann, ist reine Utopie.“ Abgesehen davon: „Meine Tochter hat mich gebeten, Ihnen auszurichten, dass der beliebte Rodelhügel auf keinen Fall verschwinden darf.“

„Lärm rund um die Uhr“

Einen schweren Stand hatte Christina Eckert von der evangelischen Gemeinde. Sie wollte eigentlich die Arbeitsschwerpunkte eines Familienzentrums von Betreuung über Tagespflegevermittlung und Familienkurse bis hin zum Begegnungscafé erläutern, wurde aber mehrfach abgewürgt („Unnötig“, „Reine Illusion“, „Lärm rund um die Uhr“). Als schließlich eine Kontroverse um Jugendarbeit drohte („Da gibt es gar nix“ – „Ach, die machen doch jetzt schon zu viel Krach“) und ein Redner feststellte: „Jetzt haben wir auch noch viel zu viele Sporthallen im Ort“, zog Jörg Leinberger die Notbremse. dazu: Angemerkt

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