22 Kinder auf der Warteliste

Kita-Situation spitzt sich auch in Egelsbach langsam zu

Youtube statt Bürgerhaus: Bürgermeister Tobias Wilbrand informierte diesmal via Livestream.
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Youtube statt Bürgerhaus: Bürgermeister Tobias Wilbrand informierte diesmal via Livestream.

Die angespannte Kita-Situation ist das dominierende Thema bei der digitalen Bürgerversammlung in Egelsbach. Bürgermeister Tobias Wilbrand kann aber auch Positives zur Sporthalle, der Jugendfläche und der Vereinslagerhalle berichten.

Egelsbach – Jörg Strobel guckt etwas ernst. „Ich freue mich, Sie auf diesem für uns alle ungewohnten Kanal zu begrüßen“, sagt der Vorsitzende der Gemeindevertretung. „Lieber hätte ich Sie im Bürgerhaus begrüßt, so sehe ich nur die Kamera.“ Die Pandemie hat der traditionellen Egelsbacher Bürgerversammlung zum zweiten Mal in Folge einen Strich durch die Rechnung gemacht, doch ganz ausfallen – wie 2020 – sollte sie nicht noch einmal. Deswegen begrüßen Moderator Strobel und Bürgermeister Tobias Wilbrand ihr digitales Publikum erstmals via Youtube-Livestream.

Zeitweise schalten 190 Zuschauer ein, als der Rathauschef über eine ganze Reihe von aktuellen Projekten informiert und zwischendurch Fragen beantwortet, die Strobel aus dem Youtube-Livechat vorliest. Wilbrand spricht über den Haushalt („Wir sind auf dem sicheren Pfad der Konsolidierung“) und das Investitionsprogramm („Die Zeitschiene ist sehr ambitioniert“). Zur Jugendfläche lässt der Verwaltungschef wissen, dass die Arbeiten für den ersten Abschnitt noch Ende des Winters ausgeschrieben und im Sommer 2022 fertig gestellt werden sollen. Bei der Pflege der Anlage will er die Egelsbacher Jugendlichen involvieren: „Ich finde, dass es auch Aufgabe der Nutzer ist, das, was für sie geschaffen wurde, sauber zu halten.“

Wilbrand berichtet auch über den Bau einer neuen Trainingshalle für die SG Egelsbach, die auf dem Bereich der Rollsportfläche und des alten Schulparkplatzes entstehen könnte. Diese werde vor allem deswegen gebraucht, da die Dr.-Horst-Schmidt-Halle während der anstehenden Sanierung rund ein Jahr nicht zur Verfügung stünde. „Die SGE hat aber ohnehin erheblichen Mehrbedarf angemeldet.“ Auch die benachbarte Wilhelm-Leuschner-Schule wünsche sich eine standortnähere Sportmöglichkeit und könnte vormittags, wenn die SGE kein Training anbietet, die neue Halle mitnutzen.

Zur schon länger diskutierte Vereinslagerhalle gibt es ebenfalls Neuigkeiten: Wie Wilbrand erzählt, hat sich der Vogelschutz- und Zuchtverein aufgelöst und wird sein Gelände Anfang 2022 an die Gemeinde zurückgeben. Die dortigen Volieren (große Käfige) sollen zu Lagerflächen umgebaut und das Vereinsheim allen Vereinen zugänglich gemacht werden.

Am meisten Reaktionen ruft aber das Thema Kinderbetreuung hervor. In den vier gemeindeeigenen Kitas mussten zuletzt wegen Personalmangel die Betreuungszeiten gekürzt werden. „Es ist ein großes Aufregerthema, aber die Vorwürfe stehen in keinem Verhältnis zu dem, was passiert ist“, meint Wilbrand. „Das ist kein Egelsbacher Problem.“ Er zitiert eine Umfrage der Tagesschau, wonach 71 Prozent aller deutschen Kitas Personalmangel beklagten. In Egelsbach habe man lange eine „luxuriöse Situation“ gehabt, die sich dieses Jahr jedoch zugespitzt habe. In den vergangenen zwölf Monaten gab es vier Langzeiterkrankungen oder Schwangerschaften, dazu zehn Kündigungen. Auffällig: Gleich sechs Erzieherinnen wechselten nach Neu-Isenburg, wo laut Wilbrand eine persönliche Zulage gezahlt werde. Ob die Gemeinde als Arbeitgeber unattraktiv sei, will ein Kommentator wissen. „Das glaube ich nicht“, erwidert Wilbrand. Eher sei das Arbeitsprofil des Erziehers unattraktiv geworden, gerade in der Corona-Situation. Im Dezember würden jedoch zwei neue Erzieherinnen bei der Gemeinde anfangen, im Januar vier weitere. Dazu habe man drei aus Spanien anwerben können, die im Frühling nach Egelsbach kommen.

Warum die Änderungen den Eltern oft so kurzfristig mitgeteilt würden, fragt eine andere Zuschauerin. „Das läuft bei uns selbst oft kurzfristig auf. Manchmal komme ich morgens ins Büro und muss sofort reagieren, weil es in einer Kita einen Corona-Fall gibt“, erklärt Wilbrand. Ob es eine Warteliste gebe, lautet die letzte Frage. „Wir müssen uns eingestehen, dass wir zum ersten Mal in vielen Jahren wieder eine haben“, sagt der Verwaltungschef. Betroffen seien 22 Kinder im U3-Bereich. Wilbrand: „Die Situation ist nicht zufriedenstellend – sie ist aber so.“ (Manuel Schubert)

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