Einmal um die Sonne in 3,3 Jahren

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Einen Ehrenplatz im Rathaus bekommt die Urkunde, die die Existenz des Kleinplaneten Egelsbach bestätigt. Entdecker Erwin Schwab (rechts) überreichte sie kürzlich Bürgermeister Jürgen Sieling.

Egelsbach - Wer dieser Tage morgens um fünf Uhr aufsteht und in Richtung des Sternbildes Löwe guckt, kann – man höre und staune – Egelsbach sehen. Von Marc Strohfeldt

Voraussetzung ist allerdings, dass der morgendliche Beobachter mit einem ziemlich großen Teleskop ausgerüstet ist und selbiges außerdem mit einer hochauflösenden Kamera versehen hat. Denn die Lichtstärke Egelsbachs entspricht grob gesagt derjenigen, die eine Kerze in Moskau produziert, wenn man sie vom Rhein-Main-Gebiet aus betrachten wollte. „Wie das?“, mag mancher verwundert fragen.

Dahinter steckt der Egelsbacher Erwin Schwab, seines Zeichens Hobby-Astronom und mittlerweile renommierter Entdecker von Kleinplaneten im Weltall, der Lesern unserer Zeitung kein Unbekannter sein dürfte. Seit früher Jugend interessiert sich der heute 48-Jährige schon für das Weltall und alles, was darin herumfliegt. Inzwischen hat Schwab seine Begeisterung in semi-professionelle Bahnen gelenkt und mittlerweile 50 Kleinplaneten entdeckt. In der mehr als 200 Jahre zurückreichenden Rangliste der erfolgreichsten deutschen Kleinplaneten-Entdecker ist er bereits in die Top-Ten, genau gesagt auf Rang neun, geklettert.

Via heimischem PC Teleskop ferngesteuert

Längst nutzt Schwab nicht mehr nur die Fernrohre der Starkenburg-Sternwarte bei Heppenheim, mit denen er einst begann. Er hat sich die Möglichkeit erarbeitet, mit großen Sternwarten im Ausland zusammenzuarbeiten. So konnte er denn auch am 28. Oktober 2008 mit einem via heimischem PC ferngesteuerten Teleskop, das im Tzec Maun Observatorium im US-amerikanischen Mayhill steht, jenen cirka einen Kilometer Durchmesser starken Gesteinsbrocken entdecken, der im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter in 3,3 Jahren die Sonne umkreist. Wer solch einen Kleinplaneten zuerst dokumentiert, darf ihn benennen.

Dass der bereits 2008 entdeckte Asteroid erst jetzt seinen Namen bekam, hat einen guten Grund: Das Minor Planet Center in den USA prüft zunächst minutiös, ob es sich tatsächlich um eine taufwürdige Entdeckung handelt. Vor knapp einem Jahr war diese Prüfung abgeschlossen und Entdecker Schwab durfte einen Namensvorschlag einreichen. Den hat das Committee on Small Body Nomenclature (CSBN) – ein aus 16 internationalen Berufsastronomen bestehendes Gremium der Internationalen Astronomischen Union (IAU) – bestätigt. Die IAU hat den Namen mittlerweile anerkannt und veröffentlicht.

Dass Schwab sich für seinen Wohnort Egelsbach als Namensgeber entschieden hat, freut auch Bürgermeister Jürgen Sieling. Er bekam dieser Tage vom Entdecker persönlich feierlich die entsprechende Urkunde überreicht. „Sie bekommt einen Ehrenplatz“, versicherte Sieling.

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