Zugefrorene Teich- und Seeidyllen locken Eisläufer

Kommunen kompromisslos: Betreten der Eisflächen verboten!

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Eislaufen am Paddelteich? „Die Schilder stehen nicht zum Spaß da“, betont Stadt-Pressesprecher Roland Sorger. Am Ab- und Zulauf (linkes Foto) kann von Tragfähigkeit keine Rede sein.  

Langen/Egelsbach - Der krachende Frost der vergangenen Tage macht’s möglich: Langener und Egelsbacher wagen sich aufs Eis. So war am Bruchsee in Egelsbach zuletzt allerhand los; in sozialen Netzwerken finden sich sogar Videos von Eisläufern am Langener Waldsee. Von Holger Borchard 

Ein hochriskantes Vergnügen! Die Warnung folgt immer auf dem Fuß, verantwortungsvolle Medien machen da null Ausnahme, kommunale Behörden erst recht. Ständig den erhobenen Zeigefinger präsentiert zu bekommen ist freilich nicht jedermanns Ding – aktuelle Zuschriften machen’s deutlich. Exemplarisch der Zwischenruf eines Lesers aus Egelsbach, der an den Mut der Menschen appelliert, wieder selbst einzuschätzen, wie viel Risiko sie einzugehen bereit sind. Ebenso appelliert er an eine „mutige Zeitung“, die Leser nicht vom Betreten des Eises abhält, ihnen vielmehr hilfreiche Tipps an die Hand gibt.

Der Bruchsee etwa habe am Sonntag mit regem Betrieb auf schneefreier Eisdecke ein fantastisches Bild abgegeben, so der Leser. Er bedauert: „Viele Leute sind in mancher Hinsicht viel zu ängstlich und trauen sich nicht mehr zu, Gefahren – die es ja unbestreitbar gibt – selbst einzuschätzen. Man wartet auf behördliche Freigabe der Eisfläche, die aber spät bis nie kommt.“ Schließlich herrsche auch bei Behörden die Angst vor, in Haftung genommen zu werden. Fazit: „Ich möchte einmal lesen, wie man die Tragfähigkeit des Eises selbst testen und beurteilen kann und was zu tun ist, wenn doch mal jemand einbricht – also beim Helfen hinlegen statt stehen, Schals aneinanderknüpfen, eine Kette bilden und so weiter – sprich alles, was wir in der Jugend noch gelernt haben, um jemandem zu helfen.“

Es erstaunt wenig, dass man in den Rathäusern in Langen und Egelsbach dieser Denke wenig bis gar nichts abgewinnt. „Wo führt das hin?“, fragt Egelsbachs Bürgermeister Jürgen Sieling, um die Antwort gleich mitzuliefern. „Diese Gedankenschleife ist fatal, sie endet genau da, wo Lebensgefahr beginnt.“ Als Kind sei er selbst auf dem Bruchsee Schlittschuh gelaufen, gesteht Sieling ein – „und schon damals war’s verboten“. Eine Gemeindeverwaltung mit ihm an der Spitze werde den an den Angelverein verpachteten Bruchsee „niemals“ für winterliches Eislaufen freigeben. „Keiner kann ernsthaft erwarten, dass ich sage: Das Eis hält überall und zu jeder Zeit, egal wie viele Leute draufstehen“, betont Sieling. „Wollte überhaupt jemand mit Name und Expertise in die Haftung gehen?“ Nicht zuletzt stelle sich die Aufwandsfrage. „Man müsste Bohrungen beauftragen, am besten mehrmals täglich – wer soll das bezahlen?“

Ebenso kompromisslos ist die Linie der Stadt Langen am Waldsee und am Paddelteich im Mühltal: „Für den kompletten Waldsee, der in weiten Teilen, aber längst nicht überall gefroren ist, gilt: Betreten strengstens verboten – es besteht Lebensgefahr“, betont Stadt-Pressesprecher Roland Sorger. Auch der Paddelteich sei tabu – „die Schilder stehen nicht zum Spaß da, gerade im Bereich des Zu- und Ablaufs ist das Eis dünn“, so Sorger. Konsequenz: „Ordnungspolizisten sehen derzeit verstärkt am Paddelteich nach dem Rechten und sind dazu angehalten, Leute zu ermahnen und vom Eis zu schicken.“

Auch die Stadt Offenbach hatte gestern davor gewarnt, den Schultheißweiher zu betreten.

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