Vor konstituierender Sitzung der Gemeindevertretung

Flotter Dreier in mehreren Varianten

Egelsbach - Wenn sich die neue Gemeindevertretung am morgigen Donnerstag (19 Uhr) im Rathaus konstituiert, steht eine geheime Abstimmung über das Amt des Vorsitzenden der Gemeindevertretung zu erwarten. Von Holger Borchard 

Zwei Parteien werden Rechte anmelden und Kandidaten nominieren – so meldet es der örtliche Parteifunk. Die Linken habe ihre Ruhe dieser Tage. Sie sind raus, da ihr einer Parlamentarier weder Fraktionsstatus noch irgendeinen Freund im Parlament zu erwarten hat. Abgesehen davon glühen schon seit Längerem die Drähte zwischen den Fraktionsvorsitzenden und Unterhändlern der Parteien, erst recht in diesen letzten Tagen vor der konstituierenden Sitzung der Gemeindevertretung.

Warum? Egelsbach macht keine Ausnahme bei dem, was sich allerorten nach einer Kommunalwahl abspielt. Die einen nennen es Sondierungsgespräche, die anderen Postengeschacher. Fakt ist: Es gibt Ämter zu verteilen und da will man dabei sein. Die einen sind eher prestigeträchtig denn real Einfluss garantierend: Vorsitzender der Gemeindevertretung, Erster Beigeordneter im Gemeindevorstand. Pöstchen in Verbänden oder Gesellschafterversammlungen von Stadtwerken und Flugplatz sind da schon interessanter. Und schließlich wollen die Vorsitze der drei Ausschüsse der Gemeindevertretung vergeben sein.

Vor dieser Interessenlage wird spätestens seit Ostern sondiert, was das Zeug hält – das Zauberwort Listenverbindung macht die Runde. Die Idee: Gehen drei Fraktionen eine solche Verbindung ein, die die Stimmenmehrheit in der Gemeindevertretung widerspiegelt (bei insgesamt 31 Sitzen also mindestens derer 16), steht ihnen die Mehrheit der Sitze im Gemeindevorstand zu. Dem Gremium gehören neben dem Bürgermeister sechs Leute an; die Mehrheit wären demnach vier Gemeindevorstandssitze.

Die Realität nach der Wahl mit drei Parteien mit je sechs Sitzen (Grüne, CDU, WGE) sowie einer mit vier Sitzen (FDP) ergibt wunderbares Kombinationspotenzial – und entsprechend munter (man könnte auch sagen wild) geht es hinter den Kulissen zu. Erst war die Rede von der „Eigenheim-Liste“, die angeblich Grüne, WGE und FDP bilden wollen. Zwischenzeitlich war die WGE raus und die CDU dritte Kraft im flotten Dreier, aber das ist auch schon wieder Schnee von gestern.

Versprochen - gebrochen: Die bekanntesten Wahllügen

„Wir sind in Gesprächen, aber spruchreif ist noch gar nichts.“ Da war der Satz, den der Autor dieser Zeilen sich am Dienstag reihum abgeholt hat. Klar ist: Ein Dreierbündnis ohne SPD hat den meisten „Charme“, weil die Zusammengeschlossenen damit ja der SPD als größter Fraktion (8 Sitze) Wasser und Posten abgraben. Die FDP tagt heute Abend, sprich: Vor Donnerstag als Zeitung zu spekulieren, wo die Reise hingeht, ist müßig. Das wird sich abends weisen, wenn in öffentlicher Sitzung die Karten aufgedeckt werden müssen – Egelsbacher Politik live.

Über Parteigrenzen hinweg bestätigt ist freilich ein Sachverhalt: Um den Vorsitz der Gemeindevertretung werden Hans-Joachim Jaxt (SPD) und Jörg Strobel (Grüne) konkurrieren. Interessant: Der SPD-Mann würde als Parlamentsneuling von null auf 100 an dessen Spitze gewählt. Eben das hat Jörg Strobel 2011 vorgemacht. Als „Titelverteidiger“ hat Strobel keinen Vorteil – diesen sichert ihm nur eine Listenverbindung.

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