Sparkurs in Egelsbach

Betreuungskosten: Angst vor Aufschlag

Egelsbach - „Wenn diese drastische Erhöhung kommt, werden sich für uns als fünfköpfige Familie die Kinderbetreuungsgebühren auf sagenhafte 1050 Euro mehr als verdoppeln.“ Von Holger Borchard

Der Hilferuf eines Vaters steht exemplarisch für die Befürchtungen, die aktuell die Drähte zwischen den Elternbeiräten der Kindertagesstätten glühen lassen. Anlass, vom Schlimmsten auszugehen, gibt aus Elternsicht die Gemeindevertretersitzung am morgigen Donnerstag (Rathaus, 19.15 Uhr), in der ein gemeinsamer Antrag von SPD, CDU und WGE zur Debatte steht. Die drei Fraktionen, die zusammen locker die Mehrheit auf sich vereinigen, wollen die Verwaltung mit der Erstellung einer neuen Gebührensatzung für Kindergarten-, U 3- und Schulbetreuungsplätze beauftragen. Neben Vorgaben zu Zeiten und Buchungsmöglichkeiten sind es vor allem die im Parteien-Antrag aufgeführten maximalen Monatssätze, die die Eltern schier aus dem Häuschen bringen:

  • Kita: Ganztagsplatz (7 bis 16.30 Uhr) 284 Euro zuzüglich 60 Euro Essensgeld.
  • U 3-Platz: Ganztagsplatz (7 bis 16.30 Uhr) 399 Euro zuzüglich 60 Euro Essensgeld.
  • Schulbetreuung: 7 bis 17 Uhr; 205 Euro zuzüglich 60 Euro Essensgeld.
  • Gekappt beziehungsweise stark gekürzt werden sollen ferner Rabatte ab dem zweiten Kind, was vor allem kinderreichen Familien „voll ins Kontor hauen“ würde.

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Ohne jegliche Erläuterung betrachtet, klinge dies in der Tat erst mal heftig, räumt Beigeordneter Jörg Leinberger (SPD) ein. Allein: „Zum jetzigen Zeitpunkt ist Aufregung noch gar nicht angebracht.“ Will sagen: „Wenn der Antrag von CDU, WGE und SPD am Donnerstag beschlossen wird – was sehr wahrscheinlich ist –, ergeht nicht mehr und nicht weniger als der Auftrag an die Verwaltung, die Umsetzbarkeit und Rechtmäßigkeit einer solchen Satzung abzuklopfen.“ Erst mit dem, was die Verwaltung daraus entwickeln und zur anschließenden Sitzungsrunde des Parlaments vorlegen werde, beginne die Diskussion – „und dann sind die Eltern in den Ausschüssen und der Gemeindevertretung richtig, nicht aber am Donnerstag“, betont Leinberger.

Weder werde morgen eine Satzung beschlossen noch sei die Verwaltung bislang in irgendeiner Form in die Gebührendiskussion miteinbezogen, beschwichtigt der Beigeordnete. „Fakt ist, dass die Gebühren deutlich steigen müssen und werden. Aber: Zahlen sind noch gar nicht spruchreif. Absolute Zahlen werden zudem gewaltig dadurch relativiert, dass wir ein hochflexibles Baukastensystem einführen, das Eltern enorme Freiheiten zur individuellen Planung nach Stundenplanprinzip geben wird.“

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Die Skepsis der Eltern dürften diese Infos nur bedingt ausräumen – sie fürchten die Weisheit: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. „Zu dem ganzen Komplex wird es nach den Osterferien Elternabende geben“, kündigt Jörg Leinberger an. Dem eingangs zitierten Vater, der Vollzeit-Betreuung von 7 bis 16.30 Uhr über fünf Wochentage braucht, kann der Beigeordnete grundsätzlich nicht widersprechen: „Kämen die Zahlen wirklich so, wäre seine Rechnung richtig.“

„Dann aber hätten viele wohl nicht mehr die Wahl, arbeiten zu gehen, denn dann würde das Gehalt nicht nur für die Kinderbetreuung draufgehen, es müsste sogar noch draufbezahlt werden“, kontert eine Mutter.

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