Spenden fallen weg

Corona-Krise im Tierheim Egelsbach: Verein fürchtet finanzielle Not, Kapazität für Hunde ausgelastet

Alle 50 Plätze im Tierheim Egelsbach sind derzeit mit Hunden besetzt.
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Alle 50 Plätze im Tierheim Egelsbach sind derzeit mit Hunden besetzt. (Symbolbild)

Da aufgrund der Corona-Pandemie momentan viele Spenden fehlen, steigen die Kosten des Tierheims enorm. Ein Neubau ist dennoch geplant.

Egelsbach – Die Tierherberge Egelsbach in Kreis Offenbach stellt immer einen Hund des Monats vor. Im November ist das Berta, eine „absolute Knutschkugel“, wie sie auf der Webseite des Betreibervereins Tier-Rettungs-Dienst-Frankfurt beschrieben wird. Die Tierschutzorganisation nimmt seit 1981 Hunde wie Berta auf dem 3000 Quadratmeter großen Grundstück des Tierheims am Waldrand neben dem Flugplatz auf. Dort leben die Hunde in kleinen Gruppen, bis sie in ein neues Zuhause vermittelt werden können. Das wünscht sich auch American-Staffordshire-Terrier-Mix-Dame Berta, die schon seit einigen Monaten in der Tierherberge wohnt.

Während Corona vergibt das Tierheim in Egelsbach nur Einzeltermine

Zwar ist es für Interessierte wegen der Corona-Pandemie derzeit nicht möglich, das Tierheim Egelsbach bei Offenbach einfach zu besuchen und sich umzusehen, aber die Vermittlung läuft trotzdem weiter. Es werden Einzeltermine an mögliche Adoptanten vergeben, die dann in Begleitung eines Mitarbeiters den Hund ihrer Wahl kennenlernen können. „Wir achten auf die Einhaltung der Schutzmaßnahmen und darauf, dass möglichst wenige Menschen auf unserem Gelände sind“, sagt Cornelia Finkbeiner, stellvertretende Vorsitzende des Vereins, und ergänzt: „Deshalb können wir unsere Fellnasen auch weiterhin in ein liebevolles Zuhause vermitteln.“

Trotzdem ist es für den Tierschutzverein nicht leicht, durch die Pandemie zu kommen. „Wir meistern die aktuelle Krise so gut es geht“, sagt Finkbeiner. Die Kontaktbeschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie im Tierheim Egelsbach führen dazu, dass sich auch der Kreis der ehrenamtlichen Helfer verkleinern muss. Eine Gruppe von zehn Ehrenamtlichen geht täglich mit 50 Hunden spazieren, um für Abwechslung zu sorgen. Seminare zum Gassigehen und andere Workshops mussten seit März ausfallen. Immerhin: Eine Hundetrainerin unterstützt das Tierheim ehrenamtlich und hat für jedes Tier einen individuellen Trainingsplan erarbeitet.

Tierheim in Egelsbach will bald bis zu 90 Hunden Platz bieten

Den Hunden hilft, dass sie nicht auf Sozialkontakte mit Menschen angewiesen sind. In dem Tierheim, das sich ausschließlich auf Hunde spezialisiert hat, werden die Vierbeiner in Gruppen gehalten. Das sei artgerecht und führe dazu, dass die Tiere ausgeglichener seien und die Resozialisierung meist einfacher verlaufe, heißt es vom Verein. Hat ein Hund traumatische Erfahrungen gemacht, zum Beispiel, wenn er aus dem Ausland gerettet wurde, werden ihm aber auch Rückzugsmöglichkeiten angeboten – und das, obwohl die Kapazität von 50 Plätzen gerade voll ausgeschöpft ist. Die Planung eines Neubaus, der die 35 Jahre alten Gebäude ersetzen soll, sei auf einem guten Weg, sagt Finkbeiner. Dann soll das Tierheim in Egelsbach 80 bis 90 Hunde aufnehmen können.

Wegen Corona fallen Tierheim in Egelsbach viele Spenden weg

Da alle Veranstaltungen wie das Sommerfest, der Adventskaffee oder ein monatliches Beisammensitzen bei Kaffee und Kuchen ausfallen müssen, fallen dem Tierheim in Egelsbach eingeplante Spenden weg. „Trotz des Wegfalls dieses Stützpfeilers müssen wir natürlich die tägliche Versorgung unserer Tiere und die Aufrechterhaltung des Tierheimbetriebs gewährleisten“, sagt Finkbeiner. Besonders die medizinische Versorgung schlägt zu Buche: Die Kosten belaufen sich jährlich auf 60.000 bis 80 .000 Euro.

Der Verein ist auch im Auslandstierschutz aktiv. Wenn ein Straßenhund aufgenommen wird, wird ein herkunftsspezifisches Reiseprofil erstellt. Das beinhaltet unter anderem Auskunft über mögliche Krankheiten. Die Testung kostet 100 Euro pro Hund. Notwendige Operationen kosten ungefähr 2000 Euro. „Wir sind auf Spenden und ehrenamtliche Hilfe angewiesen, um uns weiterhin gut um unsere Hunde kümmern zu können. Wir sind dankbar für jede Unterstützung“, sagt Finkbeiner. (Von Theresa Ricke)

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