Krippenplatz-Garantie

Personalsuche das größte Problem

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Egelsbach - Nicht mal mehr eine Woche ist es hin bis zum „magischen“ Datum: Ab Donnerstag, 1. August, gilt bundesweit der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem vollendeten ersten bis zum dritten Lebensjahr. Von Holger Borchard

Was heißt das für Egelsbach, wo zum 1.August bekanntlich auch die Gebühren erhöht werden? „Wir sind ohne Frage noch ein gutes Stück weg von dem Ziel, sämtliche Betreuungswünsche mit Plätzen in den gemeindlichen Einrichtungen oder der Tagespflege abdecken zu können“, räumt Bürgermeister Jürgen Sieling ein. „Aber da geht es uns nicht anders als fast allen anderen Kommunen auch. Der vom Gesetzgeber Ende 2008 festgelegte Stichtag war einfach nicht realistisch.“ Gleichwohl sieht der Rathaus-Chef Egelsbach auf einem guten Weg, da die Gemeinde den Ausbau der Kapazitäten intensiv vorantreibe. Sieling ruft die Erweiterungen der Kitas Forsthaus und Bayerseich in Erinnerung und kündigt an: „Demnächst beginnt auch der Kita-Neubau im Brühl.“ Vor Augen halten müsse man sich aber: „So gewaltige Investitionen, immerhin mehr als 3,5 Millionen Euro allein im Baubereich, schüttelt die Gemeinde nicht mal eben so aus dem Ärmel.“

Der aktuelle Stand von diesem Monat ergibt im U 3-Bereich folgendes Bild: Bei ortsweit zirka 200 Kindern im betreffenden Alter ist Bedarf für ungefähr 100 Plätze über die Warteliste angemeldet. Dieser Nachfragequote von ziemlich genau 50 Prozent stehen de facto 52 Plätze – 42 in Gemeinderegie sowie zehn in der privaten Kinderkrabbelgruppe – gegenüber. Umgelegt auf die Gesamtstärke der zu betreuenden Kinder eine Quote von 26 Prozent. Platzangebot und Quote werden sich Zug um Zug verbessern, kündigt Sieling an. So werden schon im August sechs neue Plätze bei der Gemeinde (Deckungsquote dann 29 Prozent) geschaffen. Berücksichtige man zusätzlich den Tagesmütter-Service des Langener Zentrums für Jung und Alt, das mit der Gemeinde kooperiert, liege die Quote schon nächsten Monat bei deutlich über 35 Prozent. Im Dezember soll ein weiteres Dutzend Plätze folgen, und mit Stichtag 1. Januar 2014 werde die Verwaltung sogar in der Lage sein, bis zu 70 zusätzliche Plätze vorzuhalten. „Dann sind wir in Summe bei 140 Plätzen und einer Deckungsquote von 70 Prozent“, so der Rathauschef.

„Ob all das zusammen ausreichen wird, bleibt abzuwarten“, gibt Manfred Kraus, Leiter des Amtes für Soziale Einrichtungen schon mal den Warner. „Schließlich wissen wir nicht, ob Egelsbacher Kinder nicht auch bei anderen Anbietern auf Wartelisten stehen. Nach wie vor bleibt vieles vage und erschwert unsere Planungen.“ Heißt das, dass ab nächsten Donnerstag die angedrohte Klagewelle tatsächlich rollen wird? „Schwer vorherzusagen“, meint Kraus. Der Klageweg, der übrigens über den Kreis führe, koste Eltern auf alle Fälle zeit-, wenn nicht sogar reichlich Geld. „Aber was soll man sagen? Es gilt, dass alle Beteiligten noch keinerlei Erfahrungen mit der neuen Gesetzeslage haben.“

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

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Große Unbekannte jeglicher Betreuungsplatz-Arithmetik bleibt freilich der leergefegte Arbeitsmarkt. „Das ist die bange Frage: Wird es gelingen, ausreichend Personal für die erweiterten Kitas zu gewinnen?“, bestätigt Sieling. „Wir konnten ja gar nicht anders, als mit der erfolgten Tarifanhebung einen wichtigen Anreiz zu setzen, auch wenn die Mehrausgabe richtig weh tut.“ Gleichwohl ist der Rathaus-Chef überzeugt: „Führen die in die Wege geleiteten Maßnahmen zum Erfolg, werden die Eltern auch für die Gebührenerhöhung mehr Verständnis aufbringen, weil wir dann alle stolz auf das Niveau unserer Kitas sein können.“

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