Krönendes Finale des Jubiläumsjahrs

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Als Erzengel Gabriel beziehungsweise Uriel leisteten Sopranistin Heike Heilmann und der kurzfristig eingesprungene Tenor Christian Dietz ihren Beitrag zum gelungenen Konzertabend.

Egelsbach (lfp) - Mit der Schöpfung von Joseph Haydn als Höhepunkt des Jubiläumsjahrs „150 Jahre Chorgesang in Egelsbach“ hatte sich die Sängervereinigung ein wahrlich hohes Ziel gesetzt.

Gilt doch die musikalische Beschreibung der „Entstehung der Welt“ des österreichischen Komponisten als besondere Herausforderung für Chor, Orchester, Solisten – und nicht zuletzt für einen Dirigenten. „Wenn wir das nicht jetzt packen, dann wohl nie mehr“, hatte der Vorsitzende der Sängervereinigung, Hans Becker, einmal zu Beginn der aufwendigen Proben festgestellt. Am Samstagabend stand das große Jubiläumsereignis in der Kirche St. Josef auf dem Programm – und um es vorwegzunehmen: Mit dem fulminanten Konzertabend im voll besetzten Gotteshaus setzte die Sängervereinigung einen weiteren Markstein in ihrer 150-jährigen Geschichte.

Neben den Chören der Gastgeber – gemischter Chor und „Next Generation“ – wirkten der Kammerchor Claritas Vocalis aus Frankfurt und die Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg mit. Dirigent Uwe Heller, der die Chöre der Sängervereinigung Egelsbach 2007 übernahm, ist auch Gründer von „Claritas Vocalis“, mit dem er den ersten Platz beim hessischen Chorfestival belegt hat. „Aber kann er auch russisch dirigieren?“, fragte jemand scherzhaft, als Uwe Heller die Kammerphilharmonie St. Petersburg als tragendes Konzertorchester ins Spiel brachte. Die Solo-Parts übernahmen Heike Heilmann (Sopran), Christoph Kögel (Bass) sowie Christian Dietz (Tenor), der kurzfristig für den erkrankten Georg Poplutz eingesprungen war.

Begeisterter Applaus vom Publikum

Kraftvoll war die Eröffnung – ein echtes „Chaos“, so wie in der Ur-Finsternis in den Tiefen des Weltalls. Orchester, Chor und Solisten als Erzengel Raphael, Uriel und Gabriel: Sie alle versuchte Dirigent Heller in geordnete Bahnen zu lenken. „Erstarrt entflieht der Höllengeister Schar“, jubelte Uriel Christian Dietz und der Chor beschrieb Verzweiflung, Wut und Schrecken. Raphael Christoph Kögel verkündete mit tiefer Stimme: „Gott machte das Firmament und teilte die Wasser.“ Schließlich ließ Gabriel Heike Heilmann die neu entstandene Welt wissen: „Nun beut die Flur das frische Grün dem Auge zur Ergötzung dar.“

Die Russische Kammerphilharmonie setzte perfekt dazu ihre instrumentalen Akzente – alle „wohl geführt wie von Gottes Hand“ durch Uwe Heller.

Ende des ersten Teils – ergreifende Stimmung. „Darf man jetzt applaudieren?“, schien die unausgesprochene Frage. Bis jemand im begeisterten Publikum den Mut fasste und loslegte, prompt fielen alle in den tosenden Applaus ein.

Im dritten Teil lässt Haydn seine Schöpfungsgeschichte noch einmal zur Hochform auflaufen und fordert somit allen Mitwirkenden ein weiteres Mal alles ab. Scheinbar geweckt von Uriel, erscheinen Adam und Eva und fallen in die Lobpreisung Gottes ein. „O glücklich Paar, und glücklich immer fort, wenn falscher Wahn euch nicht verführt, noch mehr zu wünschen, als ihr habt, und mehr zu wissen, als ihr sollt!“, gab Uriel den ersten Menschen mit auf den Weg. Das finale „Singt dem Herren alle Stimmen“ vereinte Chöre, Orchester und Solisten ein letztes Mal im – nunmehr geordneten – Jubilieren.

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