Künstlerin Andrea Penndorf arbeitet mit Kalk und Gips

Künstlerische Hexenküche

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Ihr Atelier war beim Hausbau fest eingeplant: Hier schafft Andrea Penndorf von den Langener Art People mit Spachtel, Malmesser und Pigmenten ihre aktuell strukturlastigen Werke. Derzeit hat es der Egelsbacherin die Farbrichtung Blau/Türkis angetan.

Langen/Egelsbach - Sumpfkalk, Marmormehl, Haftputzgips und lose Pigmente – es habe „ein bisschen was von Hexenküche“, scherzt Andrea Penndorf über ihre Kunst, bei der sie Ungewöhnliches im künstlerischen Topf zusammenbraut. Von Sina Beck

Aber nicht nur mit ihrer Kreativität, sondern auch mit ihrem Organisationstalent bereichert die Wahl-Egelsbacherin seit 2013 die Langener Künstlergruppe Art People.

Ein neuer Lebensabschnitt begann für die im sächsischen Plauen geborene Künstlerin, als sie nach Hessen zog. Damals konnte sie noch nicht ahnen, dass weitaus mehr Veränderungen als nur der Ortswechsel auf sie warten würden. Eigentlich war sie 2002 ihrer Jugendliebe nach Frankfurt gefolgt, doch wie das Leben so spielt, hatte es nicht sein sollen. „Aber Zurückgehen war keine Option“, so Penndorf, die als Kontrastprogramm zu ihrem „total trockenen Beruf“ in ihrer Freizeit immer schon kreativ war. Die gelernte Rechtsanwaltsfachangestellte lernte über die Arbeit in der Kanzlei ihren Mann kennen – vor neun Jahren zogen sie nach Egelsbach, 2009 heiratete das Paar.

„In Sachsen sind meine Wurzeln, aber Egelsbach ist jetzt meine Heimat“, sagt die 35-Jährige. Diese neue Heimat war auch ausschlaggebend für Penndorfs künstlerischen Weg, denn ihre Bilder hat sie anfänglich nur für das eigene Haus gemalt. So kam der Stein ins Rollen, der zu einem Selbstläufer wurde: 2011 wagte Penndorf den Schritt in die Selbstständigkeit als freischaffende Malerin und studierte Malerei und Grafik am Institut für Ausbildung in bildender Kunst und Kunsttherapie. Ihren Abschluss machte sie 2015 und besucht nun die Meisterklasse.

Während sie vor sechs Jahren mit Acryl angefangen hat, ist Penndorf heute äußerst experimentierfreudig und hat inzwischen die Erfahrung gemacht, dass Stillstand Gift für ihre „Hexenküche“ ist. Vor zwei Jahren hatte sie nämlich ein kreatives Loch: „Während meines Studiums habe ich mich irgendwie festgefahren“, erinnert sie sich. Aus ihrem Tief holte sie zum einen die Kunstfabrik in Hannover heraus, wo sie neue Impulse erhalten und das Austesten von Materialien für sich entdeckt hat. Außerdem hat sie sich zu diesem Zeitpunkt entschieden, nicht ausschließlich Malerin zu sein. Ihre Talente für das Kreative und Organisatorische verbindet Penndorf inzwischen als Hochzeitsplanerin.

Trotzdem war es durchaus nützlich, das gegenständliche Malen und die Theorie zu lernen. Denn seit 2016 ist sie Dozentin an der Volkshochschule Egelsbach und kann dabei aus ihrem breiten Spektrum an Techniken – ihre bislang rund 180 Werke umfassen Zeichnungen in Kohle und Pastell, Aquarelle, Öl- und Acrylgemälde – schöpfen. „Es ist eine schöne, neue Herausforderung für mich, in der ich Theorie und Praxis verbinden kann.“

Herausfordernd war es auch, den Schritt an die Öffentlichkeit zu wagen. „Man muss hinter der eigenen Kunst stehen, um auch die negativen Kommentare wegstecken zu können.“ Speziell in der abstrakten Malerei müsse man über Sprüchen wie „das hätte auch mein vierjähriges Kind malen können“ stehen. Auch deshalb weiß Penndorf die Art-Promenade zu schätzen, denn „es ist eine tolle Möglichkeit, gerade für Neulinge, weil die Gruppe motiviert und man nicht allein auf weiter Flur steht.“

Zu den Neulingen zählt die Wahl-Egelsbacherin nicht mehr und gerade in den letzten fünf Jahren ihres kreativen Schaffens ist zu erkennen, wie wichtig der 35-Jährigen die Weiterentwicklung ist. Pinsel ade – Tuschen, Airbrush-Farben und reine Pigmente tummeln sich in ihrem hauseigenen Privatatelier, das aus gutem Grund beim Hausbau eingeplant wurde: „Vorher hatten wir eine sehr kleine Wohnung in Neu-Isenburg, in der kaum Platz für Bilder war. Hier hat jeder seine eigene Spielwiese – mein Mann hat ein Sportzimmer und ich mein Atelier.“

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