Lager der Flugplatz-Gegner wächst

Egelsbach - (hob) Wer schützt die Bürger vor den Ausbau- und Privatisierungsplänen am Flugplatz? Die Angst vor einer gravierenden Verschlechterung der Wohn- und Lebensqualität lässt die Mitgliederzahlen der Flug-Lärm-Abwehr-Gemeinschaft Egelsbach (FLAG-E) und der Erzhäuser Bürger gegen Fluglärm von Woche zu Woche steigen.

Seite an Seite werben Erzhäuser und Egelsbacher nun für eine gemeindeübergreifende Protestkarten-Aktion: „Möglichst viele Bürger sollen diese Karten an den Regierungspräsidenten schicken, um Widerstand zu signalisieren“, sagt FLAG-E-Vorsitzender Günther de las Heras. „Die Postkarten werden bis Ende des Monats in ganz Egelsbach verteilt.“

Schon jetzt konzentriert der Verein sich auf die Sondersitzung der Gemeindevertretung am 5. März, die die endgültige Entscheidung über den Verkauf der GmbH-Anteile bringen soll. Er macht sich für eine Bürgerversammlung im Vorfeld der Sondersitzung stark – „zudem sollten so viele Bürger wie möglich am Tag der Entscheidung dabei sein, weil diese enorme Tragweite für die Lebensqualität in Egelsbach hat“, appelliert de las Heras. Man muss also kein Prophet sein, um der Gemeinde zu raten, die Sitzung am 5. März ins Bürgerhaus zu verlegen.

„Protestieren ist erste Bürgerpflicht“, lautet das Motto in Erzhausen. „Die Gemeindevertretung Erzhausen hat bereits im Dezember ihre Ablehnung und ihre Entschlossenheit bekundet, dem weiteren Ausbau mit allen rechtsstaatlichen Mitteln entgegenzutreten“, erinnert BI-Sprecher Dr. Reiner Plasa. „Auch wenn viele Menschen es immer noch nicht glauben können: Wir gehen davon aus, dass die Flugplatz GmbH mit aller Macht versuchen wird, die Begrenzungen aus dem Planfeststellungsverfahren zum ersten Flugplatz-Ausbau auszuhebeln. Die Privatisierung sorgt endgültig für den Flughafen Rhein-Main 2 vor unseren Haustüren.“

Rückendeckung für die Flugplatz-Gegner gibt’s derweil vom Verkehrsclub Deutschland (VCD): „Nach Einrichtung eines Instrumentenlandesystems dürfte Egelsbach Heimatbasis für die zahlreichen Maschinen von NetJets Europe werden“, befürchtet VCD-Sprecher Werner Geiß. „Wir befürchten, dass der Besitzer-Wechsel eine erhebliche Lärm- und Schadstoffbelastung für die Gemeinden rund um den Flugplatz bedeutet. Es ist damit zu rechnen, dass selbst große und entsprechend laute Flugzeugtypen bis hin zum Boeing Business Jet von der dann verlängerten Bahn auch nachts abheben.“

In diesem Zusammenhang kritisiert Geiß den „Wildwuchs hessischer Flughäfen trotz rückläufiger Nachfrage“ und fordert ein sinnvolles Flughafenkonzept, um vorhandene Kapazitäten effizienter zu nutzen.

Rückendeckung für das Flugplatz-Management kommt – wenig überraschend – von der Industrie- und Handelskammer Offenbach: „Ich habe kein Verständnis dafür, wenn ein Gesellschafter Investitionen im gut dreistelligen Millionenbereich und damit das Entstehen neuer Arbeitsplätze verhindern würde“, betont Hauptgeschäftsführerin Eva Dude. Dies käme angesichts der aktuellen Wirtschaftslage zur absoluten Unzeit – der Flugplatz sei eine wichtige Infrastruktureinrichtung nicht nur für Egelsbach, sondern für die gesamte Region. „Ohne privates Kapital hat er aber keine Chance, langfristig zu überleben und die öffentlichen Gesellschafter sind nicht in der Lage, den Ausbau zum attraktiven Flugplatz für den Geschäftsreiseverkehr zu finanzieren. Ein Nein zur Privatisierung würde die Existenz des Flugplatzes ebenso gefährden wie die geplanten Investitionen auf der Landseite.“

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