Schwächstes Nachkriegs-Ergebnis schockt SPD, die Konsequenzen fordert

Grüne vergolden Top-Jahr: „Nahles in Berlin, das geht gar nicht ...“

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Egelsbach - Ob Sieger oder Verlierer: Den Blick auf die nackten Zahlen des Wahlsonntags wird sich keine Partei nehmen lassen – in der Hoffnung, die richtigen Lehren zu ziehen. 5 754 Egelsbacher gingen wählen, das sind 71,4 Prozent der 8 058 Wahlberechtigten. Mit diesem Wert rangiert Egelsbach an der Spitze der vier Kommunen im Westkreis Offenbach, ist im regionalen Vergleich gut dabei und liegt klar über dem Landesdurchschnitt. Von Holger Borchard 

Zwei ehemalige Volksparteien, denen die Felle davon schwimmen, kommen im Ort auf keinen grünen Zweig. Die Partei, die Grün im Namen trägt, setzt hinter das mit der gewonnenen Bürgermeisterwahl so grandios begonnene Jahr das nächste dicke Ausrufezeichen, landet bei glatten 25 Prozent. Zweiter prozentmäßig großer Gewinner ist die Alternative für Deutschland (plus 7,7 auf 12,3 Prozent), während Linke (plus 1,7 auf 5,9 Prozent) und FDP plus 2,2 auf 7,4 Prozent) moderat zugewinnen. Die CDU knallt derweil um 12,5 auf nur noch 23,2 Prozent herunter, während für die SPD 10,7 Prozent Verlust nicht nur das Abgleiten auf 20,1 Prozent und Rang drei im örtlichen Parteienkonzert, sondern das schlechteste Egelsbacher Wahlresultat der Nachkriegszeit bedeuten.

Wo im Ort haben die einzelnen Parteien besonders gepunktet, wo extrem „geblutet“? Die Grünen fuhren in jedem der zehn Wahlbezirke (acht Wahllokale, zwei Briefwahl-Bezirke) mindestens 21,5 Prozent ein – einzige Ausnahme: einer der beiden Briefwahlbezirke (18,7). Apropos: Betrachtet man nur die Briefwahl, stehen CDU und SPD gegen den Trend überproportional gut da: Glatte 25 Prozent der Briefwähler stimmten für die Union, die Sozialdemokraten kamen auf 25,5, die Grünen nur auf 20,2 Prozent.

In den Wahllokalen folgte freilich die Trendumkehr, zum Teil drastisch. Während die CDU etwa in den beiden Bürgerhaus-Bezirken der Ortsmitte (16,8 beziehungsweise 18,3 Prozent) kräftig Federn lassen musste, kam die SPD im Wahlbezirk 6 (DRK-Heim, Brühl-Ost) mit 15,2 Prozent am heftigsten unter die Räder. Just in diesem Bezirk fuhren wiederum die Grünen ihr Topresultat (30,2) ein, zugleich das einzige jenseits der 30-Prozent-Marke.

Landtagswahl 2018: Ergebnisse aus Egelsbach

694 Stimmen stehen für die AfD zu Buche, die Stimmenanteile zwischen 8,8 (Briefwahl II) und 14,9 Prozent (Bayerseich Nord) sammelte und in den beiden Bayerseicher Bezirken, den beiden Bürgerhaus-Bezirken (sprich in der Ortsmitte) sowie im Bezirk 2 (Altentagesstätte, Brühl-West) jenseits der 13-Prozent-Marke lag. In absoluten Zahlen verglichen, scheint die Partei sich an der 700er-Marke einzupendeln: Bei der Bundestagswahl im September 2017 hatten 699 Egelsbacher die Alternative für Deutschland gewählt.

Die Landtagswahl 2018 in Hessen in Bildern

Nachdem Grünen-Chef Harald Eßer den Triumph bereits in der Stunde des Sieges und somit in unserer gestrigen Ausgabe ausgekostet hat, ließ gestern – am Tag der schwarz-roten Rufe nach Konsequenzen in Berlin – der Egelsbacher SPD-Fraktionsvorsitzende gegenüber der Redaktion Dampf ab. „Die Sozialdemokratie hat das Kaiserreich überlebt und sie hat die Nazis überlebt – und jetzt schaufeln uns die eigenen Funktionäre unser Grab“, grollt Daniel Görich. „Das war kein Gegenwind, sondern ein Orkan aus Berlin, in dem man uns hat stehen lassen – und das muss Konsequenzen in der Bundespolitik haben. Wir haben mehr als einmal am Infostand zu hören bekommen: ,Was ihr in Hessen macht, ist gar nicht schlecht, aber die Nahles in Berlin, das geht gar nicht!‘“

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