Prozess vor Gericht

"Das Gewehr habe ich gefunden" - Vierfacher Vater mit illegalen Waffen im Büro

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Weil ein Sanierungsfachmann in seinem Büro unverschlossen und illegal Waffen aufbewahrte, muss er sich vor dem Gericht Langen verantworten

Weil ein selbstständiger Sanierungsfachmann in seinem Büro unverschlossen und ohne Besitzkarte Waffen aufbewahrte, musste er sich nun vor dem Amtsgericht Langen verantworten.

Egelsbach/Langen –Mit 4500 Euro Geldstrafe kommt er glimpflich davon – sein Fall wurde als minderschwer eingestuft.

„Ich weiß auch nicht, warum ich das gemacht habe!“, erklärt der 39-jährige Egelsbacher in seinem letzten Wort reuig. Bei einer Durchsuchung seiner Geschäftsräume in Langen stoßen die Beamten im November letzten Jahres auf zwei unangemeldete Schießeisen. In der untersten Schublade seines Schreibtischs liegt eine halb automatische Pistole nebst passenden 7,62 Millimeter Tokarew-Patronen. Die Lade ist nicht verschlossen. Noch heikler ist der Aufenthaltsort der zweiten Waffe. 

Hinter der Garderobe, ein bisschen versteckt zwischen Jacken und Mänteln, steht das Standardgewehr des deutschen Heeres aus dem Ersten Weltkrieg: Ein Karabiner Mauser Modell 98. Beide Waffen sind ungeladen. Dass es überhaupt zu der Razzia kam, hat der Egelsbacher wohl seinem Nachbarn zu verdanken. Der hatte ihn bei der Polizei verpfiffen.

"Das Gewehr hab ich gefunden"

Rechtsanwalt Talat Bay regt sofort ein Rechtsgespräch an, um „die Kuh vom Eis zu bekommen“. Richter Volker Horn zeigt sich mit einem minderschweren Fall einverstanden. Die Verteidigung verzichtet auf die Rückgabe der Waffen und räumt volle Schuldigkeit ein. Die Erklärung des Angeklagten: „Die Pistole hatte ich mal dem Mustafa abgekauft und das Gewehr hab ich in einem Brandschadensgebäude gefunden und mitgenommen.“ Bay ergänzt, dass der Karabiner rostig und alt sei, der habe wahrscheinlich sowieso mehr funktioniert. Ein Gutachten des Landeskriminalamts war auch nur für die Pistole erstellt worden.

„Mein Mandant hat sich bei der Durchsuchung sehr kooperativ gezeigt. Zur freien Zugänglichkeit kann ich nur sagen: Zum Büro hat nicht jeder Zutritt. Und die Waffen wurden nie benutzt“, ergänzt der Anwalt und plädiert für eine geringere Geldstrafe als von der Staatsanwaltschaft gefordert: Anstatt 6000 seien 2700 Euro angemessen – schließlich müsse der mittelmäßig verdienende vierfache Familienvater allein 900 Euro monatlich an Unterhalt für die Kinder zahlen. Der Egelsbacher ist nicht vorbestraft. Auf den einzigen polizeilichen Zeugen wird verzichtet.

Richter Horn bleibt zwischen den gewünschten Summen. Die Prozesskosten kommen ohnehin noch obendrauf. Der Verstoß gegen das Waffengesetz kann nach Paragraf 52 mit bis zu fünf Jahren Gefängnis geahndet werden. Insofern hat der Verurteilte Glück.

VON SILKE GELHAUSEN

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