Die Legende vom Ur-Kerbborsch

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Acht Grazien für ein Halleluja: Die „Apfelwein-Nachts-Geschichte“ der Kerbgemeinschaft verarbeitet biblischen Stoff auf eigenwillige Weise, kommt aber letztlich zur einzig logischen Erklärung für den Ursprung der Egelsbacher Kerbborschen-Tradition.

Egelsbach - Es ist gerade mal September und bis Weihnachten dauert es noch gut drei Monate. Trotzdem liegen in den Supermärkten schon Lebkuchen und Spekulatius – und in Egelsbach wurde am Sonntag die Weihnachtsgeschichte aufgeführt. Von Daniel Untsch

Mit Weihnachten hatte das „Krippenspiel“ der besonderen Art allerdings nicht allzu viel zu tun. Anlass des Spektakels war die Kerb, genauer gesagt das Programm der Kerbgemeinschaft, die am dritten Sonntag im September traditionell ins Eigenheim einlädt. Viele Egelsbacher folgten dem Ruf des „Großen Kerbborsch“, um sich die „Apfelwein-Nachts-Geschichte“ anzusehen.

Pünktlich zum Start um 20.30 Uhr ist der Saal gerammelt voll. Klar weist das Gezeigte Abweichungen zum biblischen Original auf, trotzdem entdecken die Zuschauer Bekanntes wieder: Ein junges Paar namens Mary und Jupp macht sich auf eine lange Reise, um zur Volkszählung zu gehen und das, obwohl Mary hochschwanger ist. Ein Engel verkündet die Geburt eines Kindes und große Freude. Da lassen sich zwei „Könige“ natürlich nicht lange bitten und schon sind der König von Mallorca und sein Weggefährte Barack Obama unterwegs, um besagtes Kind zu finden.

„Bembel Brothers“ sorgen für Stimmung

Auf seiner Suche kommt das Duo stets einen Tick zu spät, was nicht zuletzt daran liegt, dass es unterwegs in der einen oder anderen Kneipe einkehrt. Und was dabei so geboten wird, begeistert Könige und Publikum gleichermaßen. Ob westfälische Jungfrauen, selbst geschriebener Rap oder Synchron-Haarewaschen: Die Gruppen sorgen für Stimmung im Saal und kein Darsteller wird ohne Zugabe von der Bühne gelassen.

Schließlich ist das Kind auf der Welt, Mary und Jupp sind überglücklich. Als endlich die zwei „Könige“ eintreffen, um die mitgebrachten Gaben – Handkäs und Ebbelwoi – zu überreichen, scheint die Welt perfekt. Doch leider müssen sie feststellen, dass sie dem falschen Paar gefolgt sind. Enttäuscht fordern sie die Geschenke zurück und setzen ihre Suche fort – Monty Python lässt grüßen.

Dem Spross von Mary und Jupp ist bestimmt, Großes zu vollbringen und der erste Elschbächer Kerbborsch zu werden. So jedenfalls verkündet es der rauschebärtige Erzähler. Nach diesem glücklichen Ende kann die Party im Eigenheim richtig losgehen. Beim großen Finale sorgen die „Bembel Brothers“ – eine eigens gegründete Band aus Alt-Kerbborschen – mit einer Egelsbacher Version von Robbie Williams’ „Angels“ für Gänsehaut, während die Kerbgemeinschaftler ein erfolgreiches Programm feiern.

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