Letzter Akt der Narren im Bonbonregen

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Hoch oben vom Prunkwagen grüßte das Egelsbacher Prinzenpaar Oliver I. und Sylvia I. die Untertanen – und deckte sie fleißig mit Bonbons ein. Einmal mehr säumten tausende von kleinen und großen Zuschauern die Straßen, als sich der närrische Lindwurm mit vielen bunten Gruppen zum Finale der Kampagne durch die Gemeinde schlängelte.

Egelsbach ‐ Der letzte närrische Akt ist für übernächtigte Karneval-Fans nur mit Sonnenbrille vor den lichtempfindlichen Augen zu bewältigen: Vom Jokus-Freund Petrus gibt’s zum obligatorischen Faschingsumzug im Egelsbacher Ortskern Sonne satt. Von Cora Werwitzke

Gutes von oben beschränkt sich einen Tag vor dem Ende der fünften Jahreszeit jedoch nicht auf wärmende Strahlen: Wie es sich für einen anständigen Karneval-Konvoi gehört, prasseln im Verlauf des Nachmittags kiloweise Süßigkeiten auf das Narrenvolk herab. Um die Bühne in der Ernst-Ludwig-Straße ist der Bonbon-Segen so heftig, dass der eine oder andere Besucher die süße Pracht sogar aus dem Sektglas angeln kann.

40 Nummern umfasst der traditionell durch das Klammerschnitzerdorf ziehende Umzug. Um die 500 Narren sind frei nach dem diesjährigen Motto „Närrisch und bunt geht’s auf dem Jahrmarkt rund!“ zu Fuß oder auf Wagen unterwegs. Mittendrin: Prinz Oliver I., mit vollem Titel: „Lord of Controlletti und Facility, bekennender Knappe derer von 04“ mit seiner Prinzessin Sylvia I. Vom Erschöpfungssyndrom nach der langen Fastnachtskampagne keine Spur: „Ich hatte sechs Stunden Schlaf, alles wunderbar“, versichert der Blaublüter und verrät im gleichen Atemzug, wie er die Untertanen in den verbleibenden Stunden seiner Regentschaft gefügig halten will: „Wir haben mehrere hundert Kilo Bonbons in petto, der Kofferraum ist voll.“ Und tatsächlich türmen sich im fahrbaren Untersatz des 61. Prinzenpaars die Vorräte bis unter die Decke.

Tausende säumen Umzug

Letzter Akt der Narren im Bonbonregen

Es sind wieder allen voran Egelsbacher Vereine und Gruppen, die beim rund zweistündigen Marsch durch die Gemeinde mitmachen. Sämtliche Garden der KGE, Äppeli-Club, Klammernsingers und Wollverworschtler sind standesgemäß mit von der Partie. Eine exotische Ausnahme ist Thomas Wustmann: „Der ist hier auf Baustelle“, nimmt KGE-Vorsitzender Hans-Joachim Jaxt den Karnevalisten vom Weixsdorfer Karnevalverein auf die Schippe. Weil er hier arbeite, habe sich der Narr aus der Nähe von Dresden entschlossen, beim Umzug mitzulaufen, fügt der KGE-Chef hinzu, der den Zug wie üblich von der Bühne aus närrisch-charmant kommentiert.

Über seinen wohlwollenden Kommentar: „Was für ein Wetter! Der Elferrat hat wohl schon über Wochen seine Teller aufgegessen – das sieht man dem ein oder anderen ja auch an“ läuft der Ober-Jeck beim Anblick der Sängervereinigung zu Hochform auf. Zum 150-jährigen Jubiläumsjahr der Sänger, die aus diesem festlichen Anlass erstmals mit einem großen Wagen anrücken, bemerkt der KGE-Moderator lapidar: „Gleich da vorne sehen wir ein paar Narren, die als Gründungsmitglieder durchgehen könnten.“ Freilich liegt es im Auge des Betrachters, ob der närrische Sprücheklopper dabei rein die eleganten Roben aus der Epoche um die Jahrhundertwende im Visier hat.

Kerbborsche-Jahrgang hat Amüsantes im Schlepptau

In der Rubrik „Besonders kreativ“ rangiert indes die Gruppe „Ja!-Markt“, die das diesjährige Motto rund um den „Jahrmarkt“ in ihrem Namen äußerst pfiffig umsetzt. Konsequent verteilt der rund 20-köpfige Freundeskreis unter anderem Trinkpäckchen und Taschentücher der gleichnamigen Marke.

Amüsant ist, was der aktuelle Kerbborsche-Jahrgang im Schlepptau hat: Nichts Geringeres als den eigenen Kerbbaum im Kleinformat fahren die Egelsbacher Jungs spazieren. Der Hinweis, dass der Baum noch kräftig wachsen muss, bis er zum Niedermachen taugt, wird vom närrischen Publikum mit Erheiterung quittiert. Für die Laien unter dem Narrenvolk machen es die Kerbborsche konkreter: „Noch 192 Tage“ ist auf dem Hinterteil des Pferdewagens zu lesen.

Den nicht vorhandenen Preis fürs auffälligste Kostüm am Straßenrand verdienen sich derweil drei Frauen als Tischdamen – im wahrsten Sinne des Wortes. „Das Kostüm ist sehr praktisch, man hat den Aschenbecher immer gleich parat und zum Abstellen vom Sektglas ist es auch geeignet“, erklärt Carmen Räuber lachend. „Es kommt aber auch vor, dass jemand anderes meint, sein leeres Glas abstellen zu müssen“, weiß Ulrike Löhr aus Erfahrung. „Jedenfalls sind wir gut gerüstet, egal, wo es uns heute noch hin verschlägt“, witzelt Sabine Mayer, die Dritte im Bunde, mit Blick auf den Ausklang des Tages.

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