Masken-Coup ebnet Weg ins Rathaus

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Prinzessin Petra I. und Prinz Frank II. herrschen seit gestern über die Egelsbacher Narrenschar. Sie sind das 60. Prinzenpaar in der Geschichte der Karneval-Gesellschaft.

Egelsbach ‐ Seit Sonntag ist es „hochoffiziell“. Die Jokus-Jünger führen die Regierungsgeschäfte im Ort, gut vier Wochen lang, bis am Aschermittwoch (17. Februar) wieder alles vorbei ist. Von Holger Borchard

Und seit gestern hat die Narren-Kampagne endlich ihre Galionsfiguren: Prinz Frank II. und Prinzessin Petra I. – mit bürgerlichem Namen Frank und Petra Fink – sind die 60. Egelsbacher Tollitäten. Den närrischen Untertanen präsentiert wurde das Regentenpaar wie üblich als Höhepunkt des traditionellen Rathaus-Sturms. 

Mehr Eindrücke vom Rathaussturm:

Narren erstürmen Egelsbacher Rathaus

Ehe die Karneval-Gesellschaft im Inneren der Verwaltungsburg ihr Prinzenpaar inthronisieren und selbiges die erste Regierungserklärung abgeben durfte, mussten Ministerpräsident Michael Lama und seine Narrenschar alle Register der Brachial- und Trick-Diplomatie ziehen, um die Verteidiger auszumanövrieren. Die kommunale Kompanie um Bürgermeister Rudi Moritz jedenfalls hatte sich im mittlerweile wärmegedämmten Rathaus gut eingerichtet und blickte erst mal nur mitleidig auf die Angreifer in der Kälte hinab.

Für die mochte Michael Lama denn auch keine großen Worte verlieren und forderte Moritz & Co. zur „Aufgabe ohne lange Vorrede“ auf. So einfach freilich mochten sich die Rathaus-Ritter den Karnevalisten nicht geschlagen geben, weshalb Lama schließlich doch zu „Plan B“ greifen musste: Plötzlich trat wahrhaftig Angela Merkel aus den Reihen der Karnevalisten hervor und ordnete mit brutalstmöglicher Bundeskanzlerinnen-Autorität an, den Weg ins Rathaus freizugeben. Der Bürgermeister und seine Getreuen hatten mit vielem gerechnet, nicht aber mit dem Machtwort der Regierungs-Chefin. Ein verhängnisvoller Fehler, immerhin lautet das Kampagnen-Motto „Narren on Tour – Berlin pur“.

Ministerpräsident Michael Lama und der „Plan B“: Angela Merkel half bei der Erstürmung des Rathauses – den Verteidigern entging allerdings, dass es nicht die echte Bundeskanzlerin war…

Jedenfalls waren Moritz & Co. hoch droben so perplex, dass ihnen entging, was unten für alle offensichtlich war. Diese Angie war getürkt – ein genialer Masken-Coup der KGE. Egal, die List zog. Unter Kanonendonner und Jubelschreien stürmten Narren und Zuschauer das Rathaus. Drinnen im Sitzungssaal schlossen Angreifer und Verteidiger bei einem närrischen Kurzprogramm mit Showtänzen, Ordensverleihungen etc. Frieden und erwarteten gespannt die Vorstellung der Tollitäten.

„Heute inthronisieren wir unser 60. Prinzenpaar – ein Jubiläum, auf das die Karneval-Gesellschaft zu Recht stolz sein kann“, leitete Michael Lama zum Höhepunkt des Nachmittags über. „Seit sechs Jahrzehnten regiert in ununterbrochener Reihenfolge ein KGE-Prinzenpaar das närrische Treiben im Ort – selbst alteingesessene Traditionsvereine bekannter Fastnachtshochburgen können hier kaum mithalten“, betonte der Ministerpräsident nicht ohne Stolz.

Prinzenpaar ist seit 1991 verheiratet

Und wie es sich für Tollitäten von edlem Schlag geziemt, können seine Hoheit und ihre Lieblichkeit mit aussagekräftigen Titeln aufwarten: Frank II. schmücken die Beinamen „radelnder Bankier vom Volk fürs Volk, gelockter Landgraf aus dem Klammerndorf“, während Petra I. sich „sportliche Herrscherin aus dem Norden, im Reinen mit Körper und Geist“ nennen darf. Der Prinz, der seine Brötchen als Banker verdient, und seine Gemahlin, die vormals im Langener Paul-Ehrlich-Institut beschäftigt war und heute „ein kleines erfolgreiches Familienunternehmen mit vier Personen und zwei Haustieren“ leitet, haben sich 1990 auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt kennengelernt, sind seit 1991 verheiratet und haben zwei Söhne. Für die anstehenden kräftezehrenden Tage und Nächte scheinen die beiden gut gerüstet, geben sie doch „Sport und Rotwein trinken“ als gemeinsame Hobbys an.

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