MoMo-Test fürs Forscherglück

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Gar nicht so einfach, der Balance-Test, stellt Milena Anthes (14) fest. Julian Jaiza gibt Tipps und notiert die Ergebnisse, während im Hintergrund Mia Helene Höhn von Andrea Huber vermessen wird.

Egelsbach ‐ Gesundheit ist immer ein Thema, nicht nur, wenn es mal wieder um Reformen oder Zusatzgebühren geht – und der Grundstein für körperliche Fitness wird in jungen Jahren gelegt. Von Leo Postl

Wissenschaftler mehrerer Universitäten und Forschungseinrichtungen haben sich zum Ziel gesetzt, die Entwicklung motorischer Leistungsfähigkeit und sportlich-körperlicher Aktivität sowie deren Wirkung auf die Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Rahmen einer Langzeitstudie zu dokumentieren. Ein Baustein ist das sogenannte Motorik-Modul, kurz „MoMo“ genannt, das über den Zeitraum von 2009 bis 2014 relevante Daten zur Auswertung liefern soll. Dazu trugen dieser Tage auch Probanden aus dem – per Zufallsgenerator ausgewählten – Egelsbach bei.

„So, ich zeige es dir mal“, sagt Julian Jaiza und stellte sich mit einem Bein auf ein schmales Klötzchen. Eine Minute lang soll Milena Anthes das nachmachen. Nach einigen Sekunden kommt sie aus dem Gleichgewicht und muss sich mit dem anderen Bein abstützen. Im zweiten Versuch läuft’s wesentlich besser, doch die Sekunden werden zur Ewigkeit. Ganz schön aus der Puste und aus dem Rhythmus kommt die 14-Jährige, als sie mit beiden Beinen von einer Fläche auf eine andere daneben hüpfen soll – möglichst oft in einer Minute. „Mach’s wie beim Skifahren“ rät Student und Prüfer Julian. Dumm bloß: Milena fährt nicht Ski.

Sehr umfangreicher Fragebogen

Neben der 14-Jährigen durchlaufen 33 weitere Probanden zwischen vier und 17 Jahren die im Bürgerhaus aufgebauten Stationen des MoMo-Parcours. Der Test hatte freilich bereits im Vorfeld begonnen. Die Eltern der auf freiwilliger Basis teilnehmenden Familien waren vorab um eine Einschätzung der psychischen und physischen Verfassung ihrer Kinder gebeten worden. Ehe das Projektteam die Kandidaten unter die Lupe nahm, galt es, einen sehr umfangreichen Fragebogen über körperlich-sportliche Aktivitäten im Allgemeinen, sportliche Aktivitäten in der Schule, Sporteinrichtungen und Sportlehrer sowie zur persönlichen Einstellung zum Thema Bewegung auszufüllen.

„Jetzt weiß ich auch, weshalb wir uns zwei Stunden Zeit nehmen sollten“, seufzt Susanne Becker, deren elfjährige Tochter leicht genervt über dem Fragebogen brütet. „Wir haben vor ein paar Jahren schon mal bei so einer Studie mitgemacht“, sagt die Mutter, die die Idee gut findet. In einer Ecke des Bürgerhauses wird derweil Mia Helen Höhn von Kopf bis Fuß vermessen und gewogen. „Mir macht es eigentlich Spaß, aber manchmal ist es etwas langweilig, immer nur das Gleiche zu machen“, erklärt die Sechsjährige.

Der laut Mama sonst „überlebendige“ Luca Bartl strengt sich ganz zur Verwunderung selbiger mächtig an und macht alles brav mit. Nur zwischendurch will der technikbegeisterte Junge immer wieder mal was über die blinkenden Lichter, etwa des Blutdruckmessers, wissen. Weiter geht’s mit einer Kraft-Koordinationsübung mit wechselnder Belastung der Arme im Liegestütz, einem Reaktionstest und einer Mischung aus Konzentration und Geschicklichkeit, bei der vorgegebene Linien nachgefahren werden.

Studentin sammelt praktische Erfahrungen

 „Wir erfassen 15 verschiedene Leistungsdaten, die später ausgewertet werden“, erklärt Hilfswissenschaftlerin Andrea Huber. Die Studentin nutzt ihre Übergangszeit, um praktische Erfahrungen zu sammeln. „Mir macht das Arbeiten mit den Kindern viel Freude“, sagt Huber, die gerade ihr Mathestudium beendet hat. Schon von 2003 bis 2006 sind Forscher des Motorik-Moduls durch 167 Orte in ganz Deutschland gereist und haben 4 529 Kinder und Jugendliche getestet und befragt.

Professor Alexander Woll von der Universität Konstanz leitet seit 1. Januar 2009 das Motorik-Modul als Verbundprojekt der Universität Konstanz, des Karlsruher Instituts für Technologie und der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd. Ihm zur Seite stehen Professor Dr. Klaus Bös und Dr. Elke Opper (Karlsruher Institut für Technologie) sowie Professorin Dr. Annette Worth (Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd). Kooperationspartner ist außerdem das Berliner Robert Koch-Institut. Finanziert wird die repräsentative MoMo-Langzeitstudie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

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