Zehn Bands spielen für die Flüchtlingshilfe

Musik-Marathon im Zeichen der Weltoffenheit

Die Macher des Flüchtlings-Benefizkonzerts um Schirmherr Martin Diehl (hinten, rechts) freuen sich auf Samstag.
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Die Macher des Flüchtlings-Benefizkonzerts um Schirmherr Martin Diehl (hinten, rechts) freuen sich auf Samstag.

Egelsbach - Es ist nicht das erste Konzert für Flüchtlinge, das Uwe Herzog dieser Tage organisiert. Im September haben er und seine Helfer im Sprendlinger Bürgerhaus die „Music for Refugees“ umgesetzt. Von Timo Kurth

Am Samstag, 21. November, ab 16 Uhr gilt im Bürgerhaus Egelsbach das gleiche Motto. Auf der Bühne stehen werden zehn Musikgruppen aus der Region, der Erlös ist für die Christliche Flüchtlingshilfe Egelsbach/Erzhausen bestimmt. Die Organisation des Konzertabends obliegt Herzogs Verein Jugend für Egelsbach. Den Musikern ist es wichtig, schon im Vorfeld deutlich anzusprechen, warum dieses Benefizkonzert sein muss, warum es um weit mehr als Musik – nämlich um Symbolik und konkrete finanzielle Hilfe – geht und warum folglich so viele Besucher wie nur möglich kommen sollten.

„Uns alle bewegen die Bilder der Zerstörung in den Krisenregionen rund um Syrien“, erklärt Uwe Herzog. Und jetzt, nach den Terroranschlägen von Paris, darf man nicht die falschen Schlüsse ziehen und muss den Extremisten erst recht etwas entgegensetzen. Mit Blick auf die Flüchtlinge gelte: „Jeder dieser Menschen muss als Chance begriffen werden, der unsere Gesellschaft individuell bereichert“, fügt Stefan Seib-Melk, Frontmann der Band Who’s Mary, hinzu.

So individuell wie die Menschen, die kommen, sind die Musiker der Veranstaltung. Von lautem Metal-Rock über ruhige Popballaden bis hin zu chilligem Blues versprechen sie alle für den Samstag ein buntes Programm. „Wir machen in Egelsbach nicht nur Musik, weil uns das Spaß macht. Wir möchten Aufmerksamkeit für die wichtige Arbeit der Flüchtlingshilfe schaffen“, betont Schlagzeuger Kai Habermehl. Der zunehmende Rechtsruck und der Zulauf diverser Straßenbewegungen nach Dresdener Vorbild sei sämtlichen beteiligten Musikern ein Dorn im Auge – „davon muss man sich aktiv abgrenzen“. Viele vergessen, dass beispielsweise auch Neu-Isenburg einst von Flüchtlingen gegründet wurde“, fällt Peter Richter-Ebel von der Band „Dog eats fish“ aus Langen dazu ein. Seine Anmerkung zur Stadtgründung Ende des 17. Jahrhunderts als Zufluchtsort der Hugenotten: „Haben wir doch super hingekriegt.“

Dass vor allem in Ostdeutschland fremdenfeindliche Parolen Zuspruch erhalten, kann Sven Strunz, Sänger der Band „Restroom Radio“ aus Egelsbach nicht verstehen. „Gerade die, die vor nicht allzu langer Zeit selbst aus Unfreiheit zu uns kamen, schreien jetzt am lautesten.“ Peter Richter-Ebel der seinen Zweitwohnsitz im sächsischen Görlitz hat, hakt ein: „Nicht alle Ostdeutschen sympathisieren mit rechts – im Gegenteil: Die Mehrheit ist auch dort Flüchtlingen gegenüber aufgeschlossen.“

Von Metal bis Rap: Bandporträts der Offenbach-Post

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Offene Türen rennen die Musiker mit ihrer starken Haltung beim evangelischen Pfarrer Martin Diehl ein. Die evangelische Gemeinde ist Mitträger der Christlichen Flüchtlingshilfe, folglich hat Diehl kurzerhand die Schirmherrschaft für das Konzert übernommen. „Der Geist dieses Konzerts ist genau, was Christ-Sein ausmacht“, unterstreicht Diehl. „Jeden Dezember predigt unsereins von einem Paar, dass an unzähligen Herbergstüren abgewiesen wird mit der Begründung ,Wir sind voll’ und nur in einem Stall Zuflucht findet – die Geschichte ist aktueller denn je.“ Gerade jetzt komme es darauf an, die richtigen Schlüsse zu ziehen, ein offenes Herz zu zeigen und selbst angesichts rapide ansteigenden Flüchtlingszahlen jedem ein Dach über dem Kopf zu bieten. „Auch die Christliche Flüchtlingshilfe hier bei uns hat mit der aktuellen Situation zu kämpfen, und musste bislang bitter verteidigte hohe Standards aufweichen“, verhehlt der Pfarrer nicht. „Aber wir sprechen über ein hauptsächlich ehrenamtlich gestemmtes Projekt, das jede Spende und jeden weiteren Unterstützer gebrauchen kann.“

Einen solchen Beitrag versprechen sich die Musiker vom Samstag. Explizit eingeladen sind Flüchtlinge – „das verspricht Zusammenkunft und Austausch“, sagt Uwe Herzog. Das Speisenbuffet, das für den guten Zweck angeboten wird, könne im Übrigen um kulinarische Gaben der Gäste bereichert werden. „Bringen Sie ruhig gefüllte Töpfe mit. In der Küche des Bürgerhauses ist dafür reichlich Platz“, ermuntert Herzog potenzielle Spender.

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