Das Ende eines Krimis

Nach über 100 Versuchen: Flüchtlings-Familie aus Eritrea findet Wohnung in Egelsbach

 Annkatrin Hoeck (links) mit Merhawit Araya Mraah und Michael Mehari (hier mit der jüngsten Tochter Zemen) in der neuenWohnung in Egelsbach.
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Zusammen haben sie’s geschafft: Annkatrin Hoeck (links) half Merhawit Araya Mraah und Michael Mehari (hier mit der jüngsten Tochter Zemen), eine neue Wohnung zu finden. Dabei mussten sie gegen viele Vorurteile kämpfen.

Die kleine Zemen klettert vergnügt über das Sofa mit der rosa Sternchen-Decke. Ihre Mutter Merhawit Araya Mraah beobachtet das kleine Mädchen lächelnd, das jetzt den langen Flur hinunter flitzt. „Endlich hat Zemen ein bisschen Platz in unserer Wohnung“, freut sich die Mutter aus Eritrea.

Egelsbach - Annkatrin Hoeck, die die Familie bei der Wohnungssuche unterstützt hat, steckt den Kopf in das gemütlich eingerichtete kleine Zimmer der ältesten Tochter, die schon im Teenageralter ist. „Es ist gut, dass die Große hier einen eigenen kleinen Rückzugsbereich hat und auch die nötige Ruhe, um ihre Hausaufgaben zu erledigen“, sagt die Egelsbacherin. Die beiden Frauen sind sehr glücklich, dass es nach vielen Monaten der Suche nach einer passenden Wohnung endlich geklappt hat.

„Ich arbeite mit vielen Flüchtlingsfamilien zusammen, unterstütze sie, wo ich kann. Bei dem Gang zu Behörden, bei den Dingen des täglichen Lebens. Aber das Schwierigste ist es, nach einem positiven Asylantrag eine geeignete Wohnung zu finden“, sagt Hoeck, die mit ihrem Mann Bernfried Kleinsorge in der Weedstraße ein Gästehaus betreibt.

Bei der Familie aus Eritrea war es besonders schwierig und auch besonders dringend. Seit fünf Jahren lebt Merhawit Araya Mraah in Egelsbach, vor vier Jahren kam ihr Mann Michael Mehari aus einem Flüchtlingslager im Sudan nach und insgesamt hat das Paar vier Kinder. Gemeinsam lebten sie seit 2016 in einer kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung. „Ich kann nicht sagen, auf wie viele Wohnungsanzeigen ich geantwortet habe. Wir waren nicht auf Egelsbach begrenzt, nicht einmal auf den Kreis Offenbach. Ich habe mich auf Anzeigen in ganz Hessen gemeldet und sehr oft nicht einmal eine Antwort bekommen“, berichtet Hoeck.

Ihre Erfahrung: Vermieter haben Vorurteile und kennen sich oft mit der rechtlichen Situation nicht aus. Erwerbslos, dunkelhäutig, kinderreich, Hartz IV-Empfänger – diese Kombination sei fast ein Ausschlusskriterium bei der Wohnungssuche. „Ich muss natürlich erst einmal in Kontakt mit den Vermietern kommen. Dann kann ich auch erklären, dass sie ihre Miete direkt vom Amt bekommen, ihnen die Regeln aus dem Sozialgesetzbuch erläutern und versichern, dass sie keine Sorge haben müssen, dass sie kein Geld von den Geflüchteten bekommen“, erklärt Hoeck.

Die Verzweiflung nach über hundert Versuchen war so groß, dass die beiden Frauen manchmal zusammengesessen und gemeinsam Tränen vergossen haben. „Ganz ehrlich: Ich war mit meiner Kreativität und auch meinem Optimismus am Ende. Ich habe schon manches Mal an Hausbesetzung gedacht. Es gibt inzwischen einige Menschen, die ihre Wohnungen mitten im Ballungsgebiet bei einem riesigen Druck auf dem Wohnungsmarkt leer stehen lassen. Und auf der anderen Seite gibt es diese Familien, die sich integrieren möchten, deren Kinder hier in die Schule gehen und unter so beengten Verhältnissen kaum leben können“, so die engagierte Egelsbacherin.

Dass es jetzt in Egelsbach doch noch mit einer Wohnung geklappt hat, ist vor allem den unermüdlichen Erklärungen und der Kommunikation von Hoek zu verdanken: „Ohne Annkatrin hätten wir die Wohnung niemals bekommen“, sagt Merhawit Araya Mraah. Annkatrin Hoeck habe dem Vermieter der 4,5-Zimmer-Wohnung erklärt, wie das mit dem Wohnungsgeld funktioniert, dass er immer mit einer verlässlichen Mietzahlung rechnen kann und habe dem Mann die Familie vorgestellt – ein Einsatz, den Geflüchtete von einem sogenannten Fallmanager auf dem Amt wohl selten erwarten können.

„Dann sah alles so aus, als würde es klappen und dann hat er uns doch kurzfristig wieder abgesagt. Das war wirklich fast ein Wohnungskrimi“, erzählt Hoek und kann jetzt auch schon ein bisschen darüber schmunzeln. Denn letztlich haben Merhawit Araya Mraah, ihr Mann Michael und die vier Kinder doch den Zuschlag bekommen und die sechsköpfige Familie kann in Egelsbach bleiben, wo die Kinder zur Schule gehen und die Familie schon gute Kontakte geknüpft hat. „Ich bin überglücklich, dass wir hier bleiben können. Egelsbach ist so schön ruhig, wir haben Freunde und endlich haben wir eine Gewissheit“, sagt Merhawit Araya Mraah.

Annkatrin Hoek war es wichtig, die Geschichte der Wohnungssuche zu erzählen: „Wir waren verzweifelt und hatten wenig Hoffnung. Ich möchte den Hauseigentümern hier in der Region Mut machen, ihre Wohnungen auch Geflüchteten zu vermieten. Sie tun ein gutes Werk und geben netten Menschen eine große Chance.“ (Von Nicole Jost)

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