Mit Bildung gegen die Armutsfalle

Neuer Verein aus Egelsbach: „Tracy“ unterstützt Kinder in Kenia

Wollen Kindern in Kenia gezielt und nachhaltig helfen: der Vorstand des Vereins Tracy (von links) Jörg Strobel (Kassierer), Vorsitzende Monicah Odida und Florian Merkler (stellvertretender Vorsitzender).
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Wollen Kindern in Kenia gezielt und nachhaltig helfen: der Vorstand des Vereins Tracy (von links) Jörg Strobel (Kassierer), Vorsitzende Monicah Odida und Florian Merkler (stellvertretender Vorsitzender).

Die Vereinslandschaft in Egelsbach hat Zuwachs bekommen: Schon im März haben sich die Gründungsmitglieder des Vereins „Tracy“, der sich für Kinder im kenianischen Dorf Gambogi einsetzt, zur ersten Versammlung getroffen. Unter ihnen sind auch Egelsbachs Bürgermeister Tobias Wilbrand und der ehemalige Vorsitzende der Gemeindevertretung Jörg Strobel.

Egelsbach – Die Corona-Pandemie hat den Verein nur kurz aufgehalten – die Eintragung und die Anerkennung der Gemeinnützigkeit erfolgten erst im Herbst. Beratend bei bürokratischen Fragen zur Seite stand dem Verein Hans-Jürgen Rüster. Der Kommunalpolitiker engagierte sich früher für die „Kinderhilfe Kenia“. Auch wenn diese Zusammenarbeit im Streit um kommerzielle Fragen beendet wurde, gibt er seine Erfahrung gerne weiter und ist gut mit „Tracy“ vernetzt.

Nach der geglückten Vereinsgründung haben sich bereits zehn Paten finden können, die jeweils 30 Euro pro Monat an ein Schulkind in Gambogi in West-Kenia spenden. Auch einmalige Spenden sind eingegangen. „Als ehemalige britische Kolonie gilt in Kenia bis heute, dass jedes Kind Schulgeld zahlen muss und eine Schuluniform tragen muss“, sagt Strobel, der als Kassierer im Vorstand des Vereins sitzt – und garantiert, dass die monatliche Spende zu 100 Prozent dem Patenkind zugutekommt.

Das Schulgeld können sich viele Eltern nicht leisten und den Kindern bleibt der Zugang zu Bildung verwehrt. Laut Unicef, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, hatte ein Drittel aller Mädchen zwischen zwölf und 18 Jahren in Kenia schon einmal Kontakt mit Prostitution – aufgrund fehlender Alternativen. Unter dem Motto „Durch Bildung aus der Armutsfalle“ will der neue Hilfsverein aus Egelsbach diesen Zustand ändern.

Die Initiative zur Gründung kam von Strobel, nachdem er im Oktober 2019 zum ersten Mal in Kenia war. Ein Bekannter von ihm vermietet im kleinen Ort Gambogi, abseits von beliebten Touristenrouten, Hütten zum Übernachten. Plötzlich habe ein kleines Mädchen von vielleicht drei Jahren im Hütteneingang gestanden und ihn mit großen Augen angesehen. „Dann hat sie angefangen zu schreien. Ich habe noch nie so ein Geschrei gehört. Die Kleine hatte noch nie zuvor einen weißen Mann gesehen“, erzählt Strobel. Eine Erfahrung, die dazu führte, dass sich der Egelsbacher mit dem Land und seiner Geschichte beschäftigte – und beschloss, dass den Menschen geholfen werden muss. Nach der kleinen Tracy, die heute vier Jahre alt ist, und dank der Unterstützung aus Deutschland in die Vorschule gehen kann, ist der Verein benannt.

Da sich die offizielle Gründung so lange hinauszögerte, hat Strobel zunächst aus eigener Tasche das Schulgeld für zehn Kinder bereitgestellt. Sein Bekannter Julius wählt zusammen mit der kenianischen Schwesterorganisation Jepkoyai-Hand of Hope vor Ort aus, welche Kinder Unterstützung brauchen. Neben dem Schulgeld werden auch Spenden für Sonderfälle gesammelt: „Es gibt einen alleinerziehenden Vater mit einem kranken Jungen. Für sie wollen wir ein kleines Haus bauen“, erzählt Strobel.

Eine weitere Aktion war, Seife in Kenia zu produzieren und kostenlos an die Menschen zu verteilen. Denn auch dort verbreitet sich das Coronavirus und Hygieneprodukte stehen nicht jedem zur Verfügung. Der Verein möchte aber noch mehr tun: „Damit jedes Kind zur Schule gehen kann, fehlen uns noch Paten.“ Dafür sei es nicht notwendig, ein Vereinsmitglied zu werden. „Ich habe bereits vier Anträge auf Patenschaft in meinem Briefkasten gefunden, ohne dass der Pate Mitglied werden wollte. Das ist kein Problem“, sagt Strobel. (Von Theresa Ricke)

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