Besondere Note aus dem Aromakorb

Obstbrennerei Werner aus Egelsbach probiert sich immer wieder an Neuem

Nette Errungenschaft: Stolz präsentiert Werner seinen zweiten Kessel.
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Nette Errungenschaft: Stolz präsentiert Werner seinen zweiten Kessel.

Ob Obstbrände, Spirituosen, Gin oder Liköre – in der Obstbrennerei Werner finden sich nur besondere und ausgewählte Spezialitäten. Alexander Werner ist der Mann dahinter und weit über die Ortsgrenze für seine edlen Brände bekannt. Auf eigenen Anbauflächen hinter einer der wenigen südhessischen Abfindungsbrennereien wachsen Dutzende Sorten an kleinen wie großen Obstbäumen und -sträuchern.

Egelsbach – „Wir ziehen hier unter anderem Mirabellen und Zwetschgen, aber auch Birnen, Trauben und klassisches Streuobst“, erklärt Werner und verrät, dass er aufgrund seiner Herkunft ein besonderes Faible für badisches Obst hat. Neuerdings probiert er sich sogar an südländischen Früchten wie Aprikosen oder Feigen – eine Rarität! Einzige Sorge auf der rund 800 Quadratmeter großen Wiese: die Vögel. „Die bedienen sich hier gerne und fressen mir dadurch alles kaputt.“

Im Hofladen nebenan gibt es dann die verschiedensten Kreationen zu erwerben, alle selbstverständlich „Made in Egelsbach“ und aus eigens angebauten Früchten. Großer Bestandteil des Geschäfts ist aber auch die Auftragsbrennerei. Hierbei bringt der Kunde die Früchte vorbei und Werner brennt, destilliert, filtriert und stellt den edlen Tropfen ganz individuell ein – unter strenger Zollkontrolle.

Um sein Angebot nun noch einmal erweitern zu können, hat der Edelbrandsommelier seit einigen Wochen eine neue Errungenschaft, auf die er mächtig stolz ist: Neben der bisherigen Brennanlage prangt ein nagelneuer Kessel. Er ist etwas kleiner als sein großer Bruder, fasst 100 Liter und hat etwas ganz Besonderes zu bieten: „Im Inneren befindet sich ein Aromakorb, mit dem nun ein völlig anderes Brennverfahren möglich ist“, erklärt Werner und weiß, dass der Aufbau von zwei Kesselsystemen in einem Raum nicht sehr weit verbreitet und damit etwas ganz Besonderes ist.

Bei dem neuen Verfahren wird nicht mehr auf Destillation, sondern auf Perkolation und Dampfextraktion gesetzt. Hat Werner beispielsweise 50 Kilogramm Kirschen in einem Fass, wird dieses zunächst mit Alkohol aufgefüllt und eine Woche lang ziehen gelassen, um das Aroma aus den Früchten zu extrahieren. Anschließend gibt er die Mischung in den Kessel und beginnt nicht, wie bisher, mit dem Brennvorgang, sondern hat zusätzlich den Aromakorb zur Verfügung, der erneut mit Kirschen befüllt wird. Diese werden bedampft und entfalten so erneut ihr Aroma. Werner erklärt, dass dadurch ein viel aromatischerer Geschmack möglich ist – und der Fruchtauszug zudem eine noch intensivere Farbe erhält.

Das ist aber längst nicht alles, was der neue Kessel drauf hat: Nun sind auch Brennvorgänge für medizinische Produkte, beispielsweise mit Kräutern, möglich. „Das eröffnet mir eine ganz neue Sparte an Erzeugnissen“, freut sich Werner.

Dass der Kessel heute an seinem Platz steht, war kein einfacher Weg. Genaugenommen dauerte er zwei Jahre. Möglich machte dies eine Gesetzesänderung im Jahr 2018. Bis dahin herrschten strenge Auflagen für entsprechende Brennvorgänge: Werner hätte ein separates Gebäude und 33 000 Quadratmeter Land gebraucht, um den neuen Kessel betreiben zu dürfen. Durch die Gesetzesänderung wurden die Auflagen gesenkt und die Tür für eine Anschaffung geöffnet.

Und die Ideen gehen dem Egelsbacher Edelbrandsommelier nicht aus. Als nächstes plant Werner, kleine Veranstaltungen für acht bis zehn Personen anzubieten: „Genügend Abstand und Platz ist ja da. Dann wird abends die Kiste hier angeschmissen, es gibt etwas zu essen und am Ende kann jeder sein eigens gebranntes Fläschchen mitnehmen.“ (Von Moritz Kegler)

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