Rundflug der Motorflugschule Egelsbach

Panoramablick aus luftiger Höhe

Einmal Südhessen und zurück: Wolfgang Becker und Enkel Josef durften eine Runde mit einer „Cirrus SR20“-Maschine drehen.
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Einmal Südhessen und zurück: Wolfgang Becker und Enkel Josef durften eine Runde mit einer „Cirrus SR20“-Maschine drehen.

Im Rahmen der Serie „Endlich Frühling“ verloste unsere Zeitung unter allen Neuabonnenten zwei Rundflüge, gesponsert vom Frankfurt-Egelsbach Airport und der Motorflugschule Egelsbach. Einen der Gewinner haben wir bei der Einlösung seines Preises über den Wolken begleitet.

Egelsbach – Während die Mittagssonne unablässig auf den dunklen Asphalt der Landebahn prallt, erstrahlt der Himmel über dem Flugplatz Egelsbach in wolkenlosem Blau. Vor einem Hangar geparkt wartet bereits eine „Cirrus SR20“ auf die heutigen Fluggäste: den Egelsbacher Rentner und langjährigen SPD-Kommunalpolitiker Wolfgang Becker (78) sowie seinen elfjährigen Enkel Josef. Wie sie sich vor dem anstehenden Flug fühlen? „Aufgeregt bin ich nicht, aber ich freue mich“, sagt Becker.

Von außen funkelt das einmotorige Leichtflugzeug in glänzendem Weiß, als wäre es gerade erst aus der Waschstraße gekommen. Dabei hat Roland Otto (49), Geschäftsführer der Motorflugschule, damit eben erst selbst noch eine Runde gedreht. Wohin der halbstündige Ausflug gehen soll, können sich Opa und Enkel selbst aussuchen. Eine kurze Abstimmung mit Pilot Otto lässt die Wahl auf eine Route Richtung Darmstadt fallen: Einmal über das Hessische Ried bis Lampertheim und über Dieburg und Dietzenbach wieder zurück zum Flugplatz.

„Motorcheck, die Bremsen prüfen“, erläutert Fluglehrer Otto über Funk das Standardprozedere vor jedem Start. Den schalldämmenden Kopfhörern zum Trotz ist der Rotor der 215 PS starken Maschine, den er jetzt einmal aufdreht, deutlich zu vernehmen. Mit routiniertem Blick geht er ein letztes Mal die Fluginstrumente im Cockpit durch, die für einen Laien zunächst nur nach vielen bunten Farbklecksen und einer unübersichtlichen Ansammlung von Knöpfen und Schaltern aussehen mag.

Das Schöne am Fliegen ist, die Sorgen bleiben unten.

Pilot Roland Otto 

Nicht so jedoch für Wolfgang Becker. Schließlich ist er in seiner 25 Jahre währenden Karriere in der Kommunalpolitik „immer viel mit dem Flugplatz befasst gewesen“. Für ihn ist es dementsprechend auch nicht der erste Rundflug, der hier startet; mit seinen Erläuterungen muss Otto daher auch nicht zu sehr ins Detail gehen.

Noch einen Schulterblick nach links, einen nach rechts, vorbei am Hangar der Bundespolizei, dann befindet sich das Flugzeug in Startposition. Vor uns erstreckt sich jetzt nur noch die schnurgerade Start- und Landebahn. Dann beschleunigt Otto. Die Rotorblätter drehen sich jetzt so schnell, dass sie kaum mehr zu erkennen sind, und bereits wenige Sekunden später befinden wir uns in senkrechter Position. Die Richtung: steigend. Immer weiter nach oben steigend.

Wackelte und ruckelte es anfangs noch ganz schön, stabilisiert sich der Flieger, je kleiner die Häuser, Felder und Straßen unter uns werden. Mittlerweile haben wir eine Höhe von gut 600 Metern erreicht, nach nur drei Minuten überfliegen wir bereits Darmstadt. Am Horizont erscheinen die markanten Kühltürme des stillgelegten Kernkraftwerks Biblis. „Das Schöne am Fliegen ist, die Sorgen bleiben unten“, ertönt die Stimme des Piloten durch die Kopfhörer. „Da links ist der Melibokus, Josef“, sagt Becker zu seinem Enkel auf der Rückbank gerichtet, als die Landschaft unter uns deutlich hügeliger und durch den dichten Wald immer dunkelgrüner wird. Nach der Hälfte der Zeit befinden wir uns schon wieder auf dem Rückweg, als uns plötzlich zwei Vögel nacheinander entgegenkommen und in Sichtweite vorbeirauschen. „Die Kollegen können viel besser fliegen als wir“, kommentiert Otto mit einem Lachen in sein Mikro.

Tolle Ausblicke aus 600 Metern Höhe: Pilot Roland Otto hat alles im Griff.

Bevor er nach einer guten halben Stunde in der Luft zum Landeanflug ansetzt, erhaschen wir zu unserer Rechten noch einen kurzen Panoramablick auf die Frankfurter Skyline, überfliegen sogar noch das Haus der Familie Becker. Das Aufsetzen bei der Landung gelingt Otto so sanft, dass man fast überrascht ist, schon wieder festen Boden unter sich zu haben. Mit freudigen Gesichtern steigen Becker und sein Enkel kurz darauf über die Flügel aus der Maschine aus, die von einem Mitarbeiter schon wieder für den nächsten Flug aufgetankt wird.

Wie es den beiden gefallen hat? „Sehr gut“, sagt Becker. „Ich habe vieles, was ich vom Boden her kenne, aus der Luft gesehen und etwa Bensheim, Darmstadt und den Melibokus wiedererkannt“, freut er sich. Auch die Blicke auf Biblis und das Kraftwerk Staudinger bei Großkrotzenburg hätten ihn beeindruckt, ebenso wie der „tolle Pilot“, fügt er hinzu.

Im Vergleich zu früheren Flügen seien ihm vor allem der Komfort im Inneren sowie das allgemeine Fluggefühl positiv aufgefallen. Für Josef ist es hingegen der erste Flug in einer solch kleinen Maschine. Sein Fazit fällt etwas kürzer aus: „Ich fand’s einfach nur richtig cool.“

Von Joel Schmidt

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