Problemfeld Kinderbetreuung

Noch jede Menge zu tun und die Uhr tickt

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Kita-Baustelle in Bayerseich: Dach, Fassade und Außengelände sind noch fertigzustellen.

Egelsbach - Die Kinderbetreuung zählt zu den Hauptaufgaben der Gemeindeverwaltung. Nimmt man nur die Kosten zum Maßstab, gibt es auf der Prioritätenliste nichts mit annähernd vergleichbarem Stellenwert. Von Holger Borchard

Nun steht Egelsbach – wieder mal – am Scheideweg: Die Gemeindevertreter bereiten eine neue Kitagebührensatzung zur Einführung am 1. August vor, aber die wird schon von Eltern kritisiert, die fürchten, dass pädagogische Inhalte auf der Strecke bleiben. Im Rathaus fragen sie sich derweil, wie das Ganze überhaupt noch zu stemmen und steuern sein soll, angesichts definitiv bekannter Parameter:

  • Geburtenstarke Jahrgänge stehen auf der Matte – im Ü 3-Bereich gibt es ab Mai eine Warteliste; vor August wird kein Kind einen neuen Platz bekommen. Immerhin: Betroffene Eltern sind darüber informiert. Aber: „Das Szenario wird sich – trotz der aktuellen und immensen Investitionen – im Mai 2015 wiederholen“, kündigt der zuständige Dezernent Jörg Leinberger schon heute an.
  • Investitionen von rund 3,5 Millionen Euro – einerseits in den Neubau einer Kita „Unterm Dorf“ im Brühl samt Familienzentrum, andererseits in die Erweiterung der bestehenden Kitas Bayerseich und Forsthaus. Diese Kosten muss sich die Gemeinde – zumindest anteilig – bei den Eltern wiederholen. Wie also sollen Gebühren nicht steigen beziehungsweise mittel- bis langfristig auch mal wieder gesenkt werden können, wenn die Gemeinde nicht Steuerungsoptionen an die Hand bekommt, wie die neue Satzung sie vorsieht?

Drei Bau- und Ausbauvorhaben

Fragen über Fragen also – und das von allen Seiten. Was man unter diesen Vorzeichen (und mit Blick auf Fristen für den Erhalt von Zuschüssen ...) im Rathaus gar nicht gebrauchen kann, sind Zeitverzögerungen bei den drei genannten Bau- und Ausbauvorhaben. Allerdings mussten Bürgermeister Jürgen Sieling und Bauamtsleiter Stephan Bierling genau die am Dienstag im Bau- und Umweltausschuss einräumen: In Bayerseich und am Forsthaus liegen die Arbeiten etwas zurück, freilich ohne den Zieltermin für die Inbetriebnahme (Dezember) zu gefährden. Aber: Das Großprojekt „Unterm Dorf“ macht auch die größten Sorgen. Dort sehen Rathaus-Chef und Amtsleiter inzwischen „die Phase erreicht, in der der Zeitplan sehr sportlich wird“. Denn: Dort muss der Kita-Neubetrieb ebenfalls im Dezember starten.

Dass gerade die Planungen „Unterm Dorf“ zurückhängen, sei nicht zuletzt den Bemühungen der Bauverwaltung geschuldet, durch Planungsänderungen jegliche Mehrkosten zu vermeiden. „Alle Schnörkel sind raus“, betont Bierling. Der komplette Bau einer Kita mit sechs Gruppen plus Familienzentrum sei ausgeschrieben. „Das Submissionsergebnis erwarten wir nächste Woche, damit sollte es Anfang Juni mit dem Bauen losgehen.“

Kostenschätzung für alle Projekte

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Gleichwohl bewegt sich die Kostenschätzung für alle drei Projekte zurzeit um zirka sieben Prozent oder ziemlich genau 250.000 Euro über jenen von der Gemeindevertretung im Februar 2012 genehmigten 3,56 Millionen Euro. Das sei „absolut im üblichen Korridor für öffentliches Bauen“, betont der Bürgermeister und merkt an: „Von Anfang an lag das Hauptaugenmerk auf dem Einhalten des Budgets. Dazu bedurfte es einer umfassenden eigenen Baukontrolle und regelmäßiger intensiver Gespräche – erkannte Mängel in der Ausführung wurden und werden stets sofort dokumentiert und die Firmen zur Behebung herangezogen.“

In der Kita Bayerseich sind die neuen Räume schon Ende 2013 in Betrieb gegangen, dort harren nun noch Dach und Fassade und vor allem das Außengelände der Fertigstellung – bei Ersteren soll dies Ende April, beim Spielgelände Ende Mai der Fall sein. Für die Rohbauarbeiten an der Kita Forsthaus wurde der Auftrag vor drei Tagen erteilt. Der Baustart ist für den 7. April, die Fertigstellung des Rohbaus für Ende Juni avisiert; der Betrieb könnte vermutlich schon Ende November losgehen.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

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Fazit des Bauamtsleiters: „Wir werden in den kommenden Monaten alles daran setzen, dass wir die momentan ermittelte Budgetüberschreitung durch weiterhin intensive und lückenlose Projektbetreuung am Ende vermeiden können.“ Fazit des Bürgermeisters: „In Schutzschirmzeiten muss das Einhalten von Budgets absolut Vorrang haben. Wenn es gelingt, drei so umfangreiche Bauprojekte zeitgleich zu managen und dabei im Finanz- und im Zeitplan zu bleiben, können wir uns auf die Schultern klopfen.“

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