Handgemacht mit Leidenschaft

„Pusteblume“ aus Egelsbach: Carina Werner verkauft selbstgenähte Produkte im Online-Shop

Auch Spielzeug wie diesen Ball gibt es bei der „Pusteblume“ zu kaufen – auf Wunsch mit Namen.
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Auch Spielzeug wie diesen Ball gibt es bei der „Pusteblume“ zu kaufen – auf Wunsch mit Namen.

Massenware sucht man bei Carina Werners „Pusteblume“ vergebens. Alle Produkte, die die Egelsbacherin in ihrem Shop anbietet, hat sie selbst entworfen und genäht. Bisher gab es ihre Ware ausschließlich auf Bestellung. Nun verkauft Werner diese auch in einem eigenen Online-Handel.

Egelsbach – Ihre Leidenschaft für Handgemachtes entdeckt Carina Werner 2010. Für eine Freundin sucht sie einen Kulturbeutel, doch das passende Modell ist nicht aufzutreiben. Kurzerhand entscheidet sie sich, das gesuchte Produkt einfach selbst zu schneidern. Zwei Jahre später stellt Werner für Bekannte und Angehörige eigens kreierte Decken oder Taschen her. Fotos der fertigen Produkte postet die damals 22-Jährige auf Facebook. Und erlangt unerwartete Aufmerksamkeit.

„Die Anfragen wurden nach kurzer Zeit immer mehr“, erinnert sich Werner. Nun möchten nicht nur Freunde und Bekannte ihre Unikate haben, auch Fremde schreiben ihr, bitten Werner, für sie etwas Einzigartiges herzustellen. Ihr Kundenkreis wächst rasant, auch über die Stadtgrenze hinaus. Ein Paket habe sie sogar in die Nähe von Hamburg gesendet, berichtet Werner. Besonders beliebt seien ihre Namenskissen für Kinder, aber auch Beutel oder Taschen landeten oft im Warenkorb. „Meine Produkte werden meistens verschenkt.“

Als die Anfragen weiter steigen, entscheidet Werner, aus ihrer Leidenschaft einen Nebenberuf zu machen. Obwohl sie zu jener Zeit eine Ausbildung zur Industriekauffrau absolviert und daher zumeist nur an den Wochenenden näht, gründet sie 2012 ihr eigenes Gewerbe: die „Pusteblume“.

Ein eigenes Geschäft, in dem sie ihre Ware herstellen und verkäufen kann, mietet Werner allerdings nicht. Stattdessen produziert die Egelsbacherin alles in ihrem Kinderzimmer, das sie liebevoll als „Werkstatt“ bezeichnet. In ihrem kleinen Reich entstehen in Lauf der Jahre dutzende Mäppchen, Taschen und Decken.

Auch elf Jahre nach ihrem ersten Kulturbeutel näht Werner ihre handgemachten Produkte noch immer ausschließlich in ihrer Werkstatt. Diese befindet sich allerdings nicht mehr im Elternhaus, sondern mittlerweile in ihrer eigenen Wohnung. Dort hat sich Werner einen Raum für ihre Leidenschaft eingerichtet. Auf rund 14 Quadratmetern näht und designt die inzwischen ausgelernte Industriekauffrau ihre Produkte. Dass sie weiterhin von zu Hause aus werkelt, hat einen guten Grund. Werner erläutert: „Mein Opa war Schuster. In seiner Werkstatt haben sich früher viele Leute getroffen. Das fand ich immer toll.“

Ihr Sortiment hat Werner in den vergangenen Jahren stets erweitert. So bietet die 30-Jährige inzwischen nicht mehr nur Kissen oder Tücher, sondern auch Schminktaschen, Babybodys, Papierkarten, Geschenksäckchen, Ofenhandschuhe oder Christbaumkugeln an. Online hat sich Werner ebenfalls weiterentwickelt. Verkaufte sie ihre Produkte zunächst nur auf dem Online-Marktplatz dawanda.com, bietet sie diese nun in ihrem eigenen Online-Shop an. Und das Geschäft brummt, gerade während der Corona-Pandemie, wie Werner betont: „Viele Kunden möchten in dieser Zeit etwas Individuelles verschenken.“

Carina Werner aus Egelsbach verkauft handgemachte Produkte aus Stoff und Papier im Online-Shop ihrer Firma „Pusteblume“. Das Bild zeigt, wie sie die einzelnen Komponenten für ein Schnuffeltuch auf Stoff einzeichnet.

Da während des Lockdowns alle Messen und Veranstaltungen ausfallen, auf denen sie die „Pusteblume“-Produkte hätte präsentieren können, sei es wichtig, online vertreten zu sein. Und welches Produkt wird am häufigsten gekauft? „Die Nachfrage für Alltagsmasken ist momentan so hoch, dass ich mit dem Bestellungen gar nicht hinterher komme“, sagt sie. Daher begrenzte Werner die Mengen an bestellbaren Mund-Nasen-Bedeckungen in ihrem Shop.

Die Folgen der Pandemie sind auch an Carina Werner nicht vorbeigegangen. Das Ganze hatte jedoch, wenn man so will, einen positiven Nebeneffekt: So fand sie – aufgrund veränderter Arbeitsbedingungen – in den ersten Wochen des Lockdowns erstmals auch unter der Woche Zeit, um sich ihrer Leidenschaft zu widmen. „Ich konnte mal ausprobieren, wie es wäre, wenn ich das hauptberuflich machen würde“, erinnert sie sich. Zwar habe sie es genossen, sich mehr um ihr Gewerbe kümmern zu können, doch für Werner steht nach der Rückkehr in den regulären Arbeitsalltag fest: Die „Pusteblume“ wird auch weiterhin nur ihr Nebenjob sein. „Für mich ist es wichtig, egal wie gut das Geschäft läuft, einen Hauptberuf zu haben“, betont sie. Daher werde sie auch weiterhin als Industriekauffrau arbeiten.

Großen Spaß an ihrem Hobby habe sie aber weiterhin, versichert Werner. Und auch ihr Sortiment will sie nach und nach erweitern. So hat die Egelsbacherin seit Kurzem Seidenpapier im Angebot. Dieses können Kunden nicht nur kaufen, Werner verpackt damit auch die Ware. Die größte Freude an ihrem Hobby empfindet sie aber vor allem dann, wenn sie Menschen trifft, die eines ihrer Produkte nutzen. „Ich war kürzlich beim Bäcker und habe dort einen Kunden gesehen, der einen meiner Beutel dabei hatte“, erzählt Werner. „Das war schön.“ (Von Joshua Bär)

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