Nach Sturm aufs Rathaus regieren die Narren Egelsbach

„Narrileaks“ und neue Anführer

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Zuckerbrot oder Peitsche? Die aufmarschierte Narrenschar zeigt, was sie hat, um die Rathaus-Verteidiger zu beeindrucken.  

Egelsbach - Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt... Typisch, dass die Weisheit sich ausgerechnet beim Karneval bewährt – und den Rathaussturm der Karneval-Gesellschaft diesmal unter andere Vorzeichen stellte als geplant. Von Holger Borchard

Zum einen trübte ein Ärgernis das sonntägliche Spektakel: Die Identität des 65. KGE-Prinzenpaars vorab von einem Anzeigenblatt ausposaunt – ein schändlicher Fall von „Narrileaks“. Außerdem standen sich ungewohnte Protagonisten vor der Verwaltungsburg gegenüber.

Bürgermeister Jürgen Sieling hatte sich vorab ins Ausland abgesetzt – ein hoffentlich nicht Schule machender Fall von Urlaubs-Fahnenflucht. Somit kommandierten der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Jörg Strobel, und Beigeordnete Irmgard Bettermann das beherzte, aber letztlich wieder mal chancenlose Häuflein der Rathausverteidiger. Auf Seiten der wiederum von den mächtigen Geschützen Berta und Klammer flankierten Narrenschar gab mit Gerold Wurm wahrlich kein neues Gesicht den Rädelsführer – den KGE-Sitzungspräsidenten nun aber auch noch in der Rolle des Sturmführers zu erleben, war für die Beobachter neu. Diesen Job geerbt hat Wurm vom langjährigen KGE-Ministerpräsidenten Michael Lama, der auf eigenen Wunsch aus diesem, für die KGE zentralen Amt ausgeschieden ist.

Das Geplänkel um den Einlass ins Rathaus ist ruck, zuck geschildert. Die einen wollen rein, setzen auf Zuckerbrot in Form von Schmeicheleien und Peitsche in Gestalt furchterregender Drohungen. Die anderen geben zunächst keinen Konfettischuss drauf, erliegen aber letztlich der Überzeugungskraft der Gardisten und dem Charme der Gardemädchen.

Auftritt des 65. Egelsbacher Regentenpaars

Neues bringt denn auch zumindest der Auftritt des 65. Egelsbacher Regentenpaars mit sich. Stefan I. und Daniela I. fahren in einer Kutsche vor der Verwaltungsburg ein, betreten selbige freilich nicht hoheitlich durchs Hauptportal, sondern durch den seitlichen „Lieferanteneingang“. Ganz weltlich, bodenständig sind sie also offenbar, die kurz darauf höchst offiziell inthronisierten Majestäten. Dieser Akt und die „Friedensverhandlungen“ waren wie üblich in ein buntes Programm mit Tanz, Musik, Ordensverleihung und Schlüsselübergabe eingebettet. Die Narren wurden aufs Prinzenpaar vereidigt, das traditionell die elf närrischen Paragrafen zur Kampagne unter dem Motto „Feiern kann man überall – hoch lebe unser Karneval“ proklamierte. Dieses Jahr wieder inklusive: eine Herausforderung an die kommunale Politik, sich mit den Narren zu messen. Am Samstag, 17. Februar, ab 11.11 Uhr wird beim „Theis“ verschärft gewürfelt – Chicago und Lügenpasch –, der Erlös geht an die Gemeindebücherei.

Wie es sich für Tollitäten von edlem Schlag geziemt, können seine Hoheit und ihre Lieblichkeit mit aussagekräftigen Titeln aufwarten: Prinz Stefan I. kommt als „Großherzog und gelber Initiator der Response, Kurfürstlicher Huldiger und Gefolgsmann der Dribbler Attilas“ daher. Seine Gemahlin Daniela I. ist „Baronin und helfende Hand der Visualisierung von Domizilen“ und überdies „Königliche Majestät über Nippes und Tinnef aus dem Brühl.“

Rathaussturm in Egelsbach

Rathaussturm in Egelsbach

Laut bürgerlichem Namen ist im Übrigen vom Ehepaar Grasse die Rede. Die leidenschaftliche Handballerin und der leidenschaftliche Fußballer haben sich vor 20 Jahren am Rosenmontag in Egelsbach kennengelernt, leben seit 1997 zusammen im Ort und reisen gerne. 2003 läuteten die Hochzeitsglocken; der 14-jährige Sohn Felix ist aktiver Jugendfußballer bei der SG Egelsbach.

Stefan Grasse wurde 1966 in Frankfurt am Main geboren und ist in Langen aufgewachsen. Der gelernte Industriekaufmann ist als Vertriebsleiter in einem Frankfurter Verlagshaus beschäftigt. In seiner Freizeit ist er passiv als glühender Fan der Frankfurter Eintracht, aber auch aktiv am Ball. Bei den Aktiven trug Grasse das Trikot des 1. FC Langen und später des TV Dreieichenhain, seit 1998 ist er Aktivposten in der SGE-Soma. Daniela Grasse, Jahrgang 1970 und im Landkreis Groß-Gerau aufgewachsen, ist ausgebildete Drogistin. Seit 2008 arbeitet sie aber als Sekretärin im Neu-Isenburger Ingenieurbüro Kurpiela.

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