„Geh doch zum Redling ...“

Von der Trinkhalle zum Shopping Plus

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Die Kioskgroßfamilie der Gegenwart: Angestellte Anke Thormann (links) mit den Redlings (weiter von links) Tom, Katharina, Thomas, Andrea, Anna, Daniela und Familienoberhaupt Herbert.

Egelsbach - „Geh doch zum Redling, da gibt’s alles“ – so oder so ähnlich lautete und lautet gewiss in vielen Egelsbacher Haushalten der Rat, wenn Not am Mann ist. Seit einem halben Jahrhundert gibt es das heute in der Schulstraße 59 ansässige Familiengeschäft. In den Anfangszeiten der „Trinkhalle Redling“ war freilich alles drei Nummern kleiner und urig. Von Daniel Untch

„Am Anfang hatten wir Getränke, Zigaretten und Zeitungen“, erinnert sich Herbert Redling. Der heute 87-Jährige und seine Frau Else eröffneten den Laden Ende 1965 – circa 40 Meter weiter in der Langener Straße, in den Räumen einer ehemaligen Metzgerei und Gaststätte (Keim/Demmisch). „Das Ganze war eine Idee meiner Frau“, verrät Redling. Diese habe vorgeschlagen, nach Vorbild des „Wasserhäuschens“ am Bahnhof einen Laden zu eröffnen. „Ich habe anfangs noch bei Opel gearbeitet und meine Frau hat den Laden geführt“, erzählt Redling. Damals gab es noch kein begehbares Geschäft, sondern bloß einen Schalter, an den die Kunden kommen konnten. Der Laden war praktisch in das Wohnhaus der Familie integriert, sodass Else Redling es auch in der Küche hörte, wenn Kundschaft kam. „War der Schalter zu, dann haben die Leute einfach geklingelt und gewartet, bis jemand kam“, erinnert sich Tochter Andrea Redling an ihre Kindheit. Seit 1993 führt sie mittlerweile den Laden, der sich im Lauf der Zeit stark verändert hat.

Zunächst erfolgte der Umzug an den heutigen Standort und die Erweiterung auf drei Schalter. „Zu groß“, hätten seinerzeit viele geunkt – doch im Endeffekt sei das Gegenteil der Fall gewesen. Auch ein Imbiss war eine Zeit lang integriert, wurde aber nach einigen Jahren wieder aufgegeben. „1974 haben wir den Laden dann so umgebaut, dass er begehbar wurde“, berichtet Redling senior. Ein weiterer Umbau folgte in den 1990er Jahren: die Fläche wurde um den heutigen Erker erweitert.

Mit den Um- und Ausbauten einher ging selbstredend die Erweiterung von Angebot und Sortiment. Der heutige Name Redling Shopping Plus, den die einstige Trinkhalle seit 1993 trägt, ist also tatsächlich Programm. „Es ist immer wichtig, mit der Zeit zu gehen. Die Lotto-Annahmestelle, die Backwaren und der Paketshop, das waren wichtige Schritte“, konstatiert Andrea Redling.

Wofür die Deutschen ihr Geld ausgeben

Auch heute noch ist die gesamte Familie in den Betrieb involviert. „Mein Vater fährt noch einkaufen, berät mich und hilft, wo er kann“, erzählt die heutige Geschäftsführerin. Bruder Thomas kümmert sich um alles Technische rund um den Laden –„ohne ihn wäre ich da aufgeschmissen“. Andrea Redlings Tochter Daniela weiß ebenfalls alles Wichtige über das Geschäft. „Ich hab’s von klein auf mitbekommen und aus Spaß im Laden geholfen und genau so hat es meine Tochter erlebt“, sagt die Chefin. Ob das Töchterlein den Laden mal übernehmen wird, stehe freilich noch in den Sternen.

Dass ein eigenes Geschäft auch Nachteile und Verpflichtungen mit sich bringt, liegt auf der Hand. „Den ersten richtigen Urlaub haben wir 1994 gemacht“, erzählt Herbert Redling. Seine Tochter ergänzt: „Unsere Eltern hatten natürlich abends und an den Wochenenden wenig Zeit. Vieles haben wir aber an den Montagen nachgeholt, denn da war schon damals Ruhetag.“

Auf jeden Fall hat Familie Redling in diesen Tagen so manche Erinnerung und Anekdote mit Kunden, Nachbarn und Geschäftspartnern aus der Versenkung geholt. Fazit: „Es waren 50 Jahre voller Arbeit, aber sie haben sich gelohnt und keiner möchte sie missen.“

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