Röder Präzision aus Egelsbach

Nach Insolvenz nun breit aufgestellt

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Bastian Heberer (rechts) hat mit dem Luftfahrtexperten Johann Heitzmann Röder Präzision aus der Insolvenz geführt. Sie haben eine Unternehmengruppe geschaffen, die weiter wachsen soll.

Egelsbach - Die Pleite von Röder Präzision mit Sitz am Flughafen Egelsbach hatte einst für Unruhe in der Region gesorgt. Mittlerweile ist aus der Firma ein breit aufgestelltes Unternehmen geworden. Von Marc Kuhn 

Das Egelsbacher Traditionsunternehmen Röder Präzision, das sich mit Reparaturen an Flugzeugen beschäftigt, hat die Insolvenz überstanden. Dank des mutigen Engagements der Investoren Johann Heitzmann und Bastian Heberer ist es mittlerweile in der Luftfahrtbranche wieder gut aufgestellt. Anfang des Jahres ist der vorerst letzte Schritt auf diesem Weg gemacht worden.

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Aufwind für den Neubeginn bei Röder Präzision

Die Entwicklung verdankt die Firma einem fachfremden Unternehmer. Bastian Heberer, Inhaber einer Firma für Gebäudetechnik mit etwa 100 Mitarbeitern, kennt nach eigenen Angaben die Unternehmenslandschaft im Kreis Offenbach. Von der Pleite von Röder Präzision habe er über die Berichterstattung in unserer Zeitung erfahren, sagt der Vorstandsvorsitzende der Langener Unternehmensgruppe Intrasolution. „Industrielle und gewerbliche Klima- und Kälteanlagen, das ist unser Metier“, erklärt Heberer. Die Firma arbeitet vor allem für die Pharmaindustrie, aber auch für Banken, Rechenzentren und öffentliche Auftraggeber.

Dennoch wagte er den Schritt in eine neue unternehmerische Sparte und übernahm gemeinsam mit Johann Heitzmann das Egelsbacher Traditionsunternehmen Röder Präzision. Im Dezember 2016 sei der Vertrag unterzeichnet worden, erzählt Heberer. Im Januar des darauffolgenden Jahres sei die Firma mit rund 220 Angestellten in den Besitz der Holding übergegangen, erläutert der Geschäftsführer. Im März sei die Insolvenz aufgehoben worden. Über den Kaufpreis für Röder Präzision ist nach den Worten von Heberer Vertraulichkeit vereinbart worden. Ziel sei zunächst die Stabilisierung des Unternehmens gewesen. „Das ist gelungen.“ 2017 wird Röder Präzision nach vorläufigen Zahlen eine schwarze Null schreiben. Mittlerweile zählt die Firma rund 240 Mitarbeiter.

Heberer hat mit Johann Heitzmann einen „Luftfahrt-Mensch“ als Partner gewonnen. Heitzmann war einst Chef der Militärflugzeugsparte von Airbus.

Noch während der Stabilisierung von Röder Präzision im vergangenen Jahr wurden Heberer und Heitzmann auf die Insolvenz der Firma Nayak mit Sitz in Köln aufmerksam. Diese beschäftigt sich mit der Instandhaltung von Rädern und Bremsen von Großraumflugzeugen und unterhält eine große Werkstatt in Troisdorf.

Die beiden Unternehmer sahen in Nayak eine Ergänzung zum Angebot von Röder Präzision. Anfangs waren sie weniger interessiert am technischen Service an Flughäfen – in der Branche „Line Maintenance“ genannt. Der Insolvenzverwalter wollte aber nur beide Bereiche zusammen abgeben, erinnert sich Heberer. So holte er SFO ins Boot, einen Finanzier aus München. Im Juni 2017 sei der Kaufvertrag unterschrieben worden, erklärt Heberer. Ende August sei die Übernahme abgeschlossen gewesen. Etwa 500 Mitarbeiter von Nayak sind in der Gruppe aufgegangen. Nayak ist in den Beneluxländern sowie die Staaten Ost- und Südeuropas stark aufgestellt, eher schwach in Deutschland. Mit der Pleite des Ferienfliegers Air Berlin tat sich für die Investoren die nächste Chance auf. Die Investoren kauften Air Berlin Technik, die in Berlin, Düsseldorf und München vertreten ist. Anfang des Jahres sei das Unternehmen mit etwa 250 Mitarbeitern in die Nayak-Röder-Gruppe integriert worden, berichtet Heberer. Sie habe mittlerweile mehr als 1 000 Mitarbeiter. „Das ist ein serviceorientiertes Geschäft.“

In der Zentrale am Egelsbacher Flughafen laufen die Fäden der Gruppe zusammen, berichtet der 42-jährige Ingenieur. Zu dem Unternehmen gehören 33 Standorte zum Beispiel in der Türkei, Russland, Schweden, Frankreich, Italien und Polen. „Ich möchte Egelsbach ausbauen und Jobs schaffen“, erklärt Heberer. Die Niederlassung solle neue Aufgaben in der Gruppe übernehmen. Heberer denkt beispielsweise an die Wartung und Instandhaltung von Businessjets.

Die Gruppe sei nun breiter aufgestellt als Röder Präzision einst. „Ich sehe das als große Chance“, berichtet Heberer. „Insgesamt sind wir auf einem guten Weg“. Er denkt aber schon an die nächsten Zukäufe. „Es gibt durchaus Gespräche über Übernahmen.“ Heberer: „Wir möchten weiter unsere Fähigkeiten im militärischen Bereich ausbauen.“ Die Nayak-Röder-Gruppe hat deshalb Jörg Erdmann in die Geschäftsleitung geholt. Er kommt von Airbus Defence and Space.

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