Feldversuch in Egelsbach:

Die Rückkehr des Sand-Zwerggrases

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Gemeinschaftliche Aussaat: Im Pohle-Bäcker-Loch pflanzen (von links) Thomas Egel (Stadtplaner und Landschaftsarchitekt), Andreas König (Botanischer Garten), Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger und Koloman Stich (Untere Naturschutzbehörde) das Sand-Zwerggras ein.

Egelsbach - Es ist klein, sensibel und kälteempfindlich: Nicht gerade die besten Voraussetzungen für das Sand-Zwerggras, um zu überleben. Früher war die Pflanze im Kreis weit verbreitet, doch seit rund 60 Jahren ist sie komplett verschwunden. Nun will die Gemeinde Egelsbach das Sand-Zwerggras gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises wieder heimisch machen.

„Wir haben in Egelsbach im erweiterten Biotop Pohle-Bäcker-Loch ein Areal mit locker-sandigem und nährstoffarmem Boden gefunden. Das sind ideale Voraussetzungen, damit das Sand-Zwerggras im Kreis Offenbach wieder wachsen kann“, sagt Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger beim Aussäen der seltenen Pflanze. Der Kreis übernimmt damit eine besondere Verantwortung für das Sand-Zwerggras, das den lateinischen Namen Mibora minima trägt, und bis in die 1960er Jahre auf sandigen Feldern und Äckern noch weit verbreitet war.

Auf der zwischen Wolfsgartenstraße und Im Kammereck gelegenen, rund 2 000 Quadratmeter großen Sandfläche neben dem geschützten Landschaftsteil Pohle-Bäcker-Loch hat die Gemeinde Egelsbach als Ausgleich für die Bebauung in der Leimenkaute ein Biotop angelegt, um der europarechtlich geschützten Knoblauchkröte auf dem sandigen Boden ein Landhabitat zu bieten. „Dankenswerterweise hat Egelsbach einer Aussaat des Zwerggrases auf dieser Fläche zugestimmt“, sagt die Kreisbeigeordnete Jäger. Das Areal wird jährlich im Herbst von der Gemeinde gegrubbert, also aufgelockert. Das kommt sowohl den Amphibien als auch dem Sand-Zwerggras zugute. Die beiden kommen gut miteinander aus: Da das winzige einjährige Gras – seine dünnen Halme sind nur zwei bis höchstens zehn Zentimeter hoch – seinen Vegetationszyklus schon im April abgeschlossen hat, stört es die Knoblauchkröte nicht.

Ziel der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises ist es, Flora und Fauna zu erhalten. Je größer die biologische Vielfalt ist, umso eher kann sich die Natur an Änderungen etwa beim Klima anpassen und im ökologischen System weiter auch für den Menschen essenzielle Leistungen vollbringen. Durch die veränderte Bewirtschaftung der Äcker und Felder ist die Population von Mibora minima stark zurückgegangen. Das Sand-Zwerggras findet sich heute auf der Roten Liste gefährdeter Pflanzen. Die Wiederansiedlung im Kreis ist im Rahmen der Hessischen Biodiversitätsstrategie geregelt, die mit einer intakten und vielfältigen Natur die Lebensgrundlagen von Tieren und Pflanzen erhalten und verbessern soll.

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Auch mit der „Hessenliste der Arten und Lebensräume“ hängt der Feldversuch mit dem Sand-Zwerggras zusammen, der auf eine Initiative des Botanischen Gartens Frankfurt zurückgeht. Dieser startete 2014 ein Projekt, um den Gefährdungsgrad von 15 seltenen Pflanzenarten zu reduzieren. Der Botanische Garten leistete damit einen wertvollen Beitrag zum Artenschutz, zu dem sich Deutschland durch die Unterzeichnung eines entsprechenden Übereinkommens zur biologischen Vielfalt verpflichtet hat, heißt es vom Kreis. Im Botanischen Garten vermehrte sich das Sand-Zwerggras so gut, dass es jetzt für den hessenweiten Freiluft-Versuch – wie in Egelsbach – bereit ist.

„Das Pohle-Bäcker-Loch in Egelsbach wird nicht der einzige Standort für Mibora minima bleiben“, verspricht Jäger. So soll das Sand-Zwerggras auch im Naturdenkmal „Düne am Galgen“ in Heusenstamm eingesetzt werden, wo es bis in die 1950er Jahre vorkam. Die Vorbereitungen zur Bodenbearbeitung laufen nach Angaben der Kreisbeigeordneten bereits. (jrd)

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