Hobby-Archäologe Herbert Schwarz

Im Ruhestand auf Schatzsuche

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Sein Fußball-Sammelalbum von 1954 tauschte Herbert Schwarz in seiner Jugend gegen eine alte Klinge ein. Das Interesse an den Überbleibseln der Vorzeit ist ihm demnach wohl schon in die Wiege gelegt. Im Ruhestand studierte der Egelsbacher nochmal.

Egelsbach - Wer durch den Wald spaziert, der sieht dort allerlei – Bäume, Büsche, Tiere. . . Wenn Herbert Schwarz in den Wald geht, dann betrachtet er ihn mit anderen Augen und entdeckt vieles, was anderen verborgen bleibt: etwa mögliche Standorte uralter Hügelgräber. Von Daniel Untch 

Denn Herbert Schwarz (72) hat in seinem Ruhestand mehrere Semester Archäologie studiert – und ist nun häufig in der Region als Grabungshelfer unterwegs. Schon in seiner Kindheit fand der Herbert Schwarz die Schätze der Vergangenheit spannend. „Mein Sammelalbum der deutschen Nationalmannschaft von 1954 habe ich gegen eine alte Klinge getauscht. Leider kann bis heute niemand sagen, woher sie stammt“, erzählt er – und zeigt sogleich das alte Stück, an das er selbst einen Griff gebastelt hat.

Während seiner Tätigkeit beim Bundesrechnungshof kam Schwarz eines Tages mit dem Deutschen Archäologischen Institut in Kontakt. „Die haben mich mit zu einer Ausgrabungsstätte genommen und mir allerlei gezeigt, von dem ich zu diesem Zeitpunkt wenig verstand.“ Von diesem Tag an reifte sein Entschluss, sich nach dem Berufsleben mit Archäologie zu beschäftigen. Gesagt, getan: Nach einem Semester an der Universität des dritten Lebensalters wechselte er in den Archäologie-Studiengang der Goethe-Universität und befasste sich fortan vor allem mit der Ur- und Frühgeschichte sowie Römischer Provinzialgeschichte.

„Bei Ausgrabungen in Spanien dabei“

„Während meines Studiums war ich unter anderem bei Ausgrabungen in Spanien“, erzählt Schwarz. Ein anderes Projekt führte ihn nach Xanten am Niederrhein, gemeinsam mit vielen anderen europäischen Studenten. „Das war sehr interessant, weil ich dort andere Methoden kennengelernt habe“, führt der Egelsbacher aus. So sei es in Deutschland verpönt, bei Ausgrabungen Sonden zu verwenden, während das in anderen Ländern völlig normal sei. Gerne erinnert sich der 72-Jährige auch daran zurück, wie er sich in Xanten nach mehreren Tagen des Anheizens wie seinerzeit die Römer in einem original nachgebauten Bad der damaligen Zeit entspannen konnte. Nach sechs Semestern zwangen familiäre Umstände Schwarz zu einer mehrjährigen Pause, doch mittlerweile ist er wieder voll drin. Das Hobby sei ein toller Ausgleich, sagt er. „Mein ganzes Berufsleben habe ich am Schreibtisch verbracht, die Archäologie fordert mich nun im Kopf und in der Praxis, wenn es zu Ausgrabungen geht.“

Schwarz steht in regelmäßigem Kontakt mit dem Kreis Offenbach, der Ausgrabungen organisiert. Immer wieder durchforstet er mit weiteren Helfern die Wälder. „Dort ist es zunächst einmal wichtig, sich die Umgebung genau anzuschauen“, beschreibt er das Vorgehen. Auch eine genaue Standortbestimmung sei unerlässlich, ehe gegraben werde. Schicht für Schicht gelte es dann die Erde abzutragen, wobei die Verfärbungen des Erdreichs Aufschluss über einstige Mauerverläufe oder sonstige Strukturen geben. Manchmal ist auch schnelles Handeln gefragt. Etwa wenn Grabräuber – „ja, so etwas gibt es auch bei uns“ – unterwegs sind. Schwarz berichtet, dass einmal bei einem um 800 vor Christus entstandenen Hügelgrab aus eben diesem Grund Eile geboten war: „Dort fanden wir unter anderem Geschirr und einen bronzenen Ring, ein damals sehr wertvolles Schmuckstück.“

Momentan ist Schwarz mit der Erstellung eines Hügelgräber-Verzeichnisses beschäftigt. Das werde hilfreich sein, wenn etwa Arbeiten im Wald geplant werden, erläutert der 72-Jährige. Seine Wohnung ähnelt mittlerweile einer kleinen Bibliothek, denn wenn man sich einer Sache dermaßen verschreibt, sammeln sich die Bücher selbstverständlich schnell an. So gibt der Egelsbacher auch unumwunden zu: „Ich investiere so viel Zeit wie möglich.“ Selbst im Urlaub verschlägt’s Herbert Schwarz seit Jahren allen voran an archäologisch interessante Orte.

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