Höllisch laut und eng, aber unvergesslich

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Mehr oder minder stark geneigt, scheint die alte Dame mit der Tragfläche fast den Messeturm anzukratzen. Unglaublich, wie nahe der Sonderflug den Hochhausschluchten kommt, während der Pilot das zum Teil hölzerne Steuer fest im Griff hat. Sigrid Möser hat’s als Gewinnerin unserer April-Verlosung miterlebt – der Redakteur zog dazu alle Register der Dokumentation.

Egelsbach - Ein Stück fliegendes Kulturgut aus Wellblech und den Pionierzeiten der zivilen Luftfahrt hebt am 19. und 20. Juli wieder zu Rundflügen vom Egelsbacher Flugplatz ab: die Junkers Ju 52. Von Holger Borchard

Plätze können Schnellentschlossene beim „Verein der Freunde historischer Luftfahrzeuge“ aus Mönchengladbach buchen. Dort ist jene „Tante Ju“ stationiert, die am Freitag und Samstag am größten Verkehrslandeplatz der Bundesrepublik einschwebt. Wie sich das Rendezvous mit der alten Dame anfühlt, kann unsere Leserin Sigrid Möser allen Interessierten erzählen. Als die Ju 52 Ende April am Egelsbacher Flugplatz Station machte, hatte unsere Zeitung nämlich – dank freundlicher Unterstützung des Flugplatz-Restaurants Schuhbeck’s Check Inn – einen Rundflug samt viergängigem Captains Dinner verlost. Letzteres ging planmäßig für unsere Gewinnerin vonstatten, nicht so jedoch der Flug: Weil das Wetter es einfach nicht hergab, musste Sigrid Möser sich zunächst in Geduld üben und auf einen neuen Termin für die rund 45-minütige Nostalgierunde über dem Rhein-Main-Gebiet warten.

Inzwischen hat Petrus aber immer mal wieder Einsehen gehabt, so dass unsere Leserin mit mehr als zweimonatiger Verspätung von ihrem Erlebnis berichten und die Redaktion ganz nebenbei eine eingelöste Bringschuld dokumentieren kann. Ein subjektives Bordprotokoll als Vorgeschmack: Die erste Überraschung ist, dass der Flug nicht planmäßig in Egelsbach startet, sondern man uns 16 Passagiere mit einem Kleinbus zum Flugplatz Mainz-Finthen bringt. Dort steigen wir vor den Augen zahlreicher Zaungäste – so wie es wahrscheinlich überall ist, wo die Ju 52 landet – in die Maschine ein. Was ich in der folgenden guten Dreiviertelstunde empfinde, lässt sich mit wenigen Worten auf den Punkt bringen: höllisch laut und ganz schön eng, aber einfach unvergesslich!

Sicht auf Skyline und Flughafen

Groß Gewachsene müssen sich ganz schön zusammenfalten und die BMW-Sternmotoren machen derartigen Lärm, dass der Kopfhörer, der zu jedem Platz gehört, ein wahrer Segen ist. Da gibt’s die Durchsagen des Piloten zu hören, und selbst das Rauschen des Bordfunks, das die meiste Zeit ertönt – der Herr am Steuer ist schließlich Schweizer und folglich kein Mann der Wortverschwendung – ist angenehmer als die Dauerdröhnung.

Wiesbaden und Mainz liegen hinter Tante Ju, die Skyline von Frankfurt kommt immer näher. Ein letztes allgemeines Checken der Fotoapparate, jeder Fehler könnte jetzt verhängnisvoll sein. Und dann taucht der Flieger ein in die Zone über den Hochhausschluchten; Bankentürme und Messeturm scheinen zum Greifen nahe. Der Pilot bringt die Maschine in Schräglage – wer fotografisches Talent, ausgeprägtes Gleichgewichtsgefühl und einen robusten Magen sein eigen nennt, ist klar im Vorteil. Auf welcher Seite man sitzt, spielt im Übrigen keine Rolle, da die Ju 52 die Riesen von beiden Seiten aus ansteuert.

Nachdem unzählige „Ahs“ und „Ohs“ verklungen und unzählige Fotos geschossen worden sind und die Skyline hinter uns liegt, hält die Crew noch ein weiteres Bonbon für uns parat: Wir dürfen den Frankfurter Flughafen relativ nahe im rechten Winkel zum Parallelbahn-System überfliegen – die nächste Gelegenheit für ein seltenes Fotomotiv. Dass wird den Passagieren im Übrigen nicht immer geboten, erfahren wir vom Piloten. „Es hängt letztlich vom Flugbetrieb auf dem Rhein-Main-Airport ab und davon, wie gut der zuständige Fluglotse drauf ist“, verrät die Stimme aus dem Kopfhörer.

Airlines & ihre Flugbegleiterinnen

Airlines & ihre Flugbegleiterinnen

Kaum ist der große Flughafen passiert, kommt auch schon wieder der kleine Bruder in Egelsbach in Sichtweite. Ich erkenne den Langener Waldsee, während wenige Momente später auf der anderen Seite eine Dame aus Dreieich ganz verzückt ausruft, sie sehe die Hainer Burgruine – kein Zweifel, Bergfried und Turmburg seien unverkennbar.

Weil selbst Tante Ju sich an die Schleife hält, die auch die Sportflieger fliegen, schweben wir parallel zum Ende der Autobahn 661 über Egelsbach ein; ich sitze rechts und sehe erst das Vogelviertel, wo wir wohnen und dann das Brühl vorüber ziehen. Und dann – nach einer Bilderbuchlandung – hat mich die Erde wieder. Ein paar letzte Aufnahmen von außen, unter anderem das ,Beweisfoto’ für die Zeitung, und dann ist das Flugabenteuer vorbei. Mein Fazit: Nur zu empfehlen!

Buchung und Informationen im Internet

Der Oldtimer mit der signifikanten Alu-Hülle startet am Freitag gegen 15, 16 und 17 Uhr. Am Samstag hebt die Maschine von 10 bis 17 Uhr fast im Stundentakt ab. Neben der dreiköpfigen Besatzung aus Pilot und Co-Pilot sowie Flugbegleiter können bis zu 17 Passagiere mitreisen – alle mit Fensterplatz.

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