Zaun demoliert

Unerlaubtes Füttern der Schafsherde hört nicht auf - Schäferin erwägt Anzeige

Nur gucken, nicht anfassen: Die Schaf- und Ziegenherde von Nicole Jackwert grast nun in der Tränkbachaue. Auch dort kommt es immer wieder zu unschönen Vorfällen.
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Nur gucken, nicht anfassen: Die Schaf- und Ziegenherde von Nicole Jackwert grast nun in der Tränkbachaue. Auch dort kommt es immer wieder zu unschönen Vorfällen.

Immer wieder füttern Passanten die Schaf- und Ziegenherde in Egelsbach bei Offenbach, obwohl das für die Tiere lebensgefährlich sein kann. Ein Umzug hat die Situation sogar noch verschlimmert.

Egelsbach – Nicole Jackwert klingt einigermaßen verzweifelt. Eigentlich möchte die Schäferin nicht zu härteren Maßnahmen greifen, doch langsam sieht sie keinen anderen Ausweg mehr. Denn Jackwerts Herde, die seit Ende März in Egelsbach grast, wird weiterhin immer wieder unerlaubterweise von Passanten gefüttert – trotz zahlreicher Hinweisschilder. „Ich will eigentlich nicht die Polizei rufen, aber wenn die Leute nicht einsichtig sind, bleibt mir nichts anderes übrig“, sagt die Eppertshäuserin.

Nachdem sie sich einen Monat lang auf den Wiesen des Pohle-Becker-Lochs satt fressen durften, sind die Schafe und Ziegen vergangene Woche in die Tränkbachaue übergesiedelt. Doch der Umzug hat die Situation nicht besser gemacht, im Gegenteil. „Hier ist es besonders extrem“, klagt Jackwert. In dem Park kämen schließlich besonders viele Passanten vorbei.

Egelsbach bei Offenbach: Schäferin wird von Mann beleidigt, künftig kommt die Anzeige

Am vergangenen Sonntag hat die Schäferin aktiv nach Leuten Ausschau gehalten, die die Tiere fütterten, und sie darauf angesprochen. „Kinder verstehen es sofort, wenn ich es ihnen erkläre“, sagt Jackwert. „Aber manche Erwachsene sagen dann, sie haben das schon ihr ganzes Leben gemacht. Denen ist das egal.“ Ein Mann habe sie sogar aufs Übelste beleidigt, als sie ihn aufforderte, das Füttern zu unterlassen. In solchen Fällen werde sie künftig Anzeige erstatten, kündigt Jackwert an.

Am gestrigen Montag hat sie außerdem größere Hinweisschilder mit ausführlicher Erklärung am Zaun in der Tränkbachaue angebracht. Denn das Füttern ist aus gleich zwei Gründen schädlich: Zum einen haben die Tiere einen empfindlichen Magen und können sterben, wenn sie mit etwas Unverträglichem gefüttert werden – erst Anfang April war eine von Jackwerts Ziegen verendet, nachdem Besucher sie augenscheinlich gefüttert hatten.

Egelsbach bei Offenbach: Schafe können durch falsches Futter sogar sterben

Zum anderen können die Vierbeiner durch das Füttern (übrigens auch durch Streicheln) die Scheu vor dem Elektrozaun verlieren. „Dann kennen sie nur noch eine Richtung: raus“, so Jackwert. Zwei Schafe, die vergangenes Jahr in Egelsbach von Passanten gefüttert wurden, versucht sie aktuell zu verkaufen, da sie sich auf der Weide von keinem Zaun mehr aufhalten lassen. Im Notfall bleibe ihr nur noch die Schlachtung, so Jackwert.

Doch damit nicht genug. Ein weiterer Vorfall der zurückliegenden Tage zeigt, dass es bei manchen Zeitgenossen noch unvernünftiger geht: Als einmal der Strom ausgefallen war, kletterten zwei Jungs ins Gehege und demolierten dabei den Zaun, wie Jackwert von einem Anwohner berichtet bekam. „Die beiden haben zum Glück nichts gemacht“, berichtet die Schäferin erleichtert. Nachahmenswert ist solch eine Aktion aber nicht: „Wenn ein 70-Kilo-Schaf meint, es muss sein Lamm beschützen, kann das richtig gefährlich werden. Und wenn die zwei Böcke, von denen einer sogar 100 Kilo wiegt, ihre Mädels verteidigen wollen, erst recht.“

Schäferin: Großteil der Besucher der Schafsherde in Egelsbach verhält sich vernünftig

Trotz all der ärgerlichen Vorkommnisse verschwendet Nicole Jackwert keinen Gedanken daran, ihre Herde aus Egelsbach abzuziehen. Der Großteil der Besucher verhalte sich vernünftig und erfreue sich an der Anwesenheit der flauschigen Mähhelfer. „Ich kriege immer wieder dankbare Nachrichten von Leuten, die einen schlechten Tag hatten, sich zu den Schafen gesetzt haben und denen es danach besser ging“, berichtet die Schäferin. „Es ist toll, wie viel Freude die Menschen daran haben.“ (Manuel Schubert)

Die Schafherde hatte in Egelsbach immer wieder Ärger mit Menschen. Ein Tier starb sogar an falschem Futter, welches von Besuchern gefüttert worden war. Ein Hund hatte die Tiere sogar auf ihrer Weide attackiert. Schade, denn am Anfang wurden die flauschigen Neuankömmlinge voller Freude begrüßt.

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