Schikane oder Verbesserung für Anwohner?

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„Eindeutig Schikane“, sind sich Marianne und ihr Mann Helmut Bergmann einig: Seitdem die Gemeinde in der Heidelberger Straße Halteverbotsschilder aufgestellt hat, müssen die Gartenbesitzer weite Wege in Kauf nehmen, um ihr Areal zu erreichen. Haben sie etwas Schweres zu tragen, ist das eine ziemliche Plagerei.

Egelsbach ‐ Etliche Jahre war es gang und gäbe, dass Gartenbesitzer oder Spaziergänger stundenweise ihre Autos am Rand der Heidelberger Straße im Bereich Thüringer Straße/K 168 abstellten. Von Holger Borchard

Seit Kurzem ist das nicht mehr erlaubt – die Gemeinde hat dort Halteverbotsschilder aufgestellt. Während Bürgermeister Rudi Moritz betont: „Damit haben wir ganz im Sinne der Anwohner gehandelt“, verstehen Gartenbesitzer wie Helmut Bergmann die Welt nicht mehr.

„Für uns Garten-Anlieger sind die Straßenränder doch optimal zum Parken, wenn man schwerere Lasten zum Ein- oder Ausladen hat – und das kommt bei einem Garten immer wieder vor“, wendet Bergmann ein. „Das hat jahrzehntelang keinen gestört, ich parke da bestimmt schon 25 Jahre. Und dann wird von heute auf morgen ohne Sinn und Verstand der ganze Bereich gesperrt und jeder, den ich kenne, schüttelt fassungslos den Kopf“, klagt Bergmann. Er wittert Abzocke: „Da haben sich bloß wieder ein paar besonders ,bürgernahe‘ Gestalten den Kopf zerbrochen, wie sie Egelsbach mit überflüssigen Verkehrsschildern verschandeln können, um anschließend abzukassieren.“

Unterschiedliche Interessen abgewogen

Das sei mitnichten der Fall, hält der Rathaus-Chef dagegen. „Die Ordnungsbehörde ist vor einiger Zeit von Anwohnern angesprochen worden, ob es nicht möglich wäre, dort ein Halteverbot zu erlassen. Vor allem ältere Autofahrer hätten in diesem Bereich, in dem beispielsweise auch Blumenkübel stehen, Probleme, aus ihren Hausausfahrten zu kommen“, erzählt Rudi Moritz. Daraufhin seien die unterschiedlichen Interessen abgewogen und der Vorrang der Anwohner anerkannt worden. „Es erscheint Gartenbesitzern oder Spaziergängern gegenüber absolut zumutbar, dass sie ihre Autos 30 bis 40 Meter weiter, etwa in der Nähe des Bauhofs, abstellen“, betont der Bürgermeister. „Und falls tatsächlich mal etwas Schweres zu transportieren ist, wird niemand etwas sagen, wenn einer mal kurz in Höhe des Gartenzugangs hält.“

„Dann hätte man auch gleich alles beim Alten lassen können“, findet Helmut Bergmann. Zudem macht er keinen Hehl daraus, dass er die Begründung des Rathaus-Chefs schlicht nicht glaubt. „Die Straße ist doch so breit, dass man problemlos mit einem Panzer durchkommt. Ganz ehrlich: „Wer da nicht mehr in die Einfahrten rein- und rauskommt, der sollte seinen Führerschein abgeben. Ich glaube, ich werde mir in nächster Zeit mal die Mühe machen und bei den Anwohnern nachfragen, ob tatsächlich jemand die Halteverbotsschilder haben wollte.“

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