Bücherei-Schließung 

Gemeinde zahlt Gebühr für Ausweise zurück

Egelsbach - Auf dem Papier endete die Ära „Öffentliche Bücherei unter Regie der Gemeinde“ schon Mitte März. Der Abwicklung erster Teil folgte mit der Schließung Ende September – nun kündigt die Gemeinde den letzten Akt an: die „Auszahlung“ der Besitzer von Leserausweisen. Von Holger Borchard

Und dann? Abwarten bis Ende März. Diese Frist soll den „Büchereifreunden“ eingeräumt werden, die ein Alternativkonzept vorlegen wollen. Vier Termine im November bietet die Verwaltung Eigentümern von Leserausweisen an, um sich die Nutzungsgebühr erstatten zu lassen. In den vergangenen Jahren wurden zumindest Erwachsenen zehn Euro im Jahr abverlangt, die die Gemeinde anteilig zurückzahlen wird. „Leser, die seit Oktober 2012 die Jahresgebühr entrichtet haben, erhalten den jeweils nach Monaten errechneten anteiligen Betrag zurück“, präzisiert der zuständige Dezernent und Beigeordnete im Gemeindevorstand, Jörg Leinberger (SPD). Die Bücherei in der Alten Schule werde zu diesem Zweck (Leserausweise unbedingt mitbringen) an den Donnerstagen 7. und 14. November von 15.30 bis 18.30 Uhr sowie den Dienstagen 12. und 19. November von 10 bis 13 Uhr geöffnet.

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Was das in der Umsetzung bedeutet, lässt sich in zwei Worte fassen: Mini-Beträge – Maxi-Aufwand. Zehn Euro Jahresbeitrag und der zum Jahresbeginn erfolgte Schub bei der Ausstellung von Leserausweisen legen nahe: Reichtümer im Bereich von einem bis acht Euro werden an die Egelsbacher zurückfließen – der Amtsschimmel wiehert. Vielleicht auch nicht. Bürgermeister Jürgen Sieling hält nachvollziehbare Argumente parat: „Das ist Aufwand, keine Frage. Aber das Prozedere ist alternativlos, da wir als Gemeinde verpflichtet sind, so etwas juristisch wasserdicht abzuwickeln.“ Und es gebe nun mal die haushaltsrechtliche Auflage, eingezogene Gebühren zurückzuerstatten, denen keine Leistung entgegenstehe.

Dass die Uhren noch in allerletzter Minute auf politischem Feld – sprich in der Gemeindevertretersitzung Mitte Dezember (Mittwoch, 11., und eventuell Donnerstag, 12.) zurückgedreht werden, ist für den Rathaus-Chef unvorstellbar. „Die Mehrheit hat nun zweimal festgestellt, dass es für 2014 keine Bücherei-Mittel mehr geben wird.“ Gleichwohl werde mit Ende des Betriebs „nicht gleich jedes Buch verkauft und jedes Regal abgebaut“, betont Sieling. „Alles bleibt zunächst so wie es ist, um den Freunden der Bücherei Gelegenheit zu geben, eine Betriebsmöglichkeit auf privater Basis zu finden.“ Den Zeitrahmen habe die Gemeindevertretung abgesteckt. „Die Büchereifreunde haben bis Ende März Zeit, um etwas vorzulegen, mit dem der Gemeindevorstand umgehen kann“, erklärt der Bürgermeister. Will sagen: Fehlt es einem griffigen Konzept allenfalls an einem Zuschuss, ist der Gemeindevorstand gesprächsbereit.

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Und falls derlei Hoffnung sich zerschlägt? „Dann setzen wir den Beschluss der Gemeindevertretung um und entscheiden, was mit Büchern, Inventar etc. passieren soll und wie die durchaus attraktiven Räume künftig verwendet werden sollen“, betont der Bürgermeister. Nichts dran sei freilich am bereits im Ort kursierenden Gerücht, das Jugendzentrum werde 2014 vom Bürgerhaus in die Alte Schule verlagert. „Stand heute ist das Unfug, zumal nächstes Jahr baulich am Bürgerhaus wohl noch gar nichts passieren wird.“

Rubriklistenbild: © dpa

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