Aus für Bücherei

Kein Geld - keine Gnadenfrist

Egelsbach - Geschlossen ist die Bücherei ja schon – am Donnerstagabend hat die Gemeindevertretung nun auch die letzte Hoffnung auf eine „Gnadenfrist“ von einem oder auch nur einem halben Jahr zerstört. Von Holger Borchard

Diese Frist einzuräumen, die überhaupt erst durch Gründung und Engagement der Büchereifreunde als praktikable Alternative auf den Tisch kam, waren nur Grüne und FDP bereit. Abgeblockt wurden deren Anträge von der deutlichen Mehrheit der Parlamentarier: SPD, CDU und Wahlgemeinschaft (WGE) hielten am Ende März beschlossenen (und bekanntlich schon vor zwei Wochen in die Tat umgesetzten) Bücherei-Aus fest. Ihre Begründung: Ungeachtet aller Diskussionen und x-mal wiederholter Argumente aus kultur-soziologischem Blickwinkel sei gegenwärtig nicht mal im Ansatz zu erkennen, wie das alles entscheidende Manko des Bücherei-Betriebs aus der Welt geschafft werden könne. „Der Betrieb muss tragfähig und finanzierbar sein“, brachte Thomas Irmler (CDU) es auf den Punkt. „Das ist für uns als Entscheider, zumal in Schutzschirm-Zeiten, leider das einzig maßgebende Kriterium, und auf aktueller Basis eben absolut nicht gegeben.“

Sollte sich allerdings genug in positiver Hinsicht tun, könne und werde man die Lage überdenken, hatte Dr. Jörg Friedrich schon im Laufe der mit Abstand längsten Diskussion des Parlamentsabends den sich anbahnenden Beschluss zu entschärfen versucht. „Die Tür ist nicht zu“, rief der SPD-Fraktions-Chef den Büchereifreunden zu. Dass jene dennoch wenig erbaut reagierten, mag vielleicht auch daran liegen, dass sie schon im Sozial- und Kulturausschuss vor zwei Wochen aus gleicher Ecke derart Vage-Unverbindliches zu hören bekommen haben.

Die deutschen Literatur-Nobelpreisträger

Die deutschen Literatur-Nobelpreisträger

Seinerzeit hat Bürgermeister Jürgen Sieling (SPD) den Büchereifreunden versprochen: „Sie können jederzeit den Büchereischlüssel bei mir abholen“ – sofern sie ein tragfähiges Konzept mitbringen... Aus Sicht von Harald Eßer (Grüne) und Axel Vogt (FDP) bestand die Argumentation von SPD, CDU und WGE aus „Augenwischerei und vorgeschobenen Gründen“. Selbst Herbert Kühnels (Grüne) engagiert-emotionale Bitte um Aufschub, unter anderem Bezug nehmend auf die Verleihung des Literatur-Nobelpreises am gleichen Tag, wendete das Blatt nicht mehr.

Rubriklistenbild: © dpa

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