KIBIWO Rund 200 Egelsbacher Kinder thematisieren in der Bibelwoche den Klimaschutz

Schon Noah lehrt, was wichtig ist

+
„Fridays for future“-Demo in Egelsbach. Die Aktion zur evangelischen Kinderbibelwoche, die dieses Jahr ganz im Zeichen des Klimawandels und Umweltschutzes steht, bringt rund 200 Kinder und Jugendliche auf die Straße. 

„Wir sind hier, wir sind laut – weil man uns die Zukunft klaut!“, hallt es durch Egelsbachs Straßen. 

Egelsbach – Nicht schlecht staunen Anwohner, als sie am Freitagvormittag rund 200 mit Trillerpfeifen, Schildern und Plakaten ausgestattete Kinder und Jugendliche samt Polizeieskorte durch den Ort laufen sehen. Die kleine „Fridays for future“-Demo ist eine von zwei markanten Aktionen im Rahmen der Kinderbibelwoche 2019, die am gestrigen Sonntag in der voll besetzten Kirche ihren Ausklang fand.

Die Kinderbibelwoche der evangelischen Kirchengemeinde, kurz nur KiBiWo genannt, findet seit mehr als 30 Jahren immer in der ersten Herbstferienwoche statt. Dieses Jahr trägt sie das Motto „Prima Klima“ und knüpft damit fast nahtlos an den am letzten Septemberwochenende von Kirchengemeinde und Leitbild-Arbeitsgruppe veranstalteten Klima- und Umwelttag an. „Es konnte gar kein anderes Motto für unsere diesjährige KiBiWo geben“, meint Pfarrer Martin Diehl. „Unsere Umwelt und unser Klima sollten für uns oberste Priorität haben.“

Die ursprüngliche Idee aus dem Januar habe man im März umgekrempelt und jegliche KiBiWo-Planung auf das Thema Klima ausgelegt, plaudert Diehl aus dem Nähkästchen. Gemeinsam mit Pfarrerin Rebekka Adler spannte er den roten Faden rund um die Geschichte der Arche Noah. „Die Bedrohung der großen Flut, der Kampf um das Überleben – die Geschichte aus der Bibel passt zu unserer heutigen Lage“, findet Diehl. Insofern habe es nahe gelegen, mit den Bibelwochen-Kindern den Klima- und Umweltschutz ausgehend von Noah bis ins Hier und Heute zu beleuchten.

Trotz des Feiertages melden sich knapp 200 Erst- bis Siebtklässler am ersten Tag im Gemeindehaus. Der Pfarrer und die Pfarrerin hatten schon befürchtet, dass es durch den Tag der Deutschen Einheit vielleicht mehr Familien in den Urlaub ziehen würde. Doch auch dieses Jahr konnte die evangelische Kirche wieder ein volles Haus verbuchen. „Natürlich sind nicht immer alle Kinder bis zum Schluss da, aber wir sind sehr zufrieden, dass das Thema scheinbar großen Anklang findet“, meint Diehl.

Einer von zehn: Frisch gepflanzte Bäume erinnern im Brühl an die KiBiWo 2019. Für das obige Exemplar standen (von links) Paula, Marlene, Till und Mia Pate.

Eine von zwei großen Aktionen der Kinderbibelwoche ist die Demonstration anlässlich der „Fridays for future“-Bewegung. Parolen wie „Fällt Entscheidungen, keine Bäume“, „Früher war der Fisch in der Verpackung, heute ist die Verpackung im Fisch“ oder „Die Klimapolitik ist aussichtsloser als meine Mathe-Arbeit ...“ prangen auf den selbst gebastelten Plakaten und Bannern der Kinder.

Zweite große Aktion ist das Pflanzen neuer Bäume. Martin Diehl und der Arbeitskreis Klima und Umwelt versprachen bereits vor einigen Wochen, in Egelsbach insgesamt 100 Bäume zu pflanzen. Zehn finden dank der KiBiWo nahe der Kita Zauberbaum im Brühl, unweit des Rodelhügels einen Standort.

Den thematischen roten Faden hält wie jedes Jahr das Theaterspiel: Traditionell führen Jugendliche zu den zweimal täglich stattfindenden KiBiWo-Gottesdiensten Theater für die jungen Besucher auf. Martin Diehl skizziert das diesjährige Drehbuch: „Unsere Protagonisten sind in Grönland und sehen, wie die Eisberge schmelzen. Die Gletscher brechen ab, das Wasser steigt. Ein leider viel zu reales Szenario.“ Das Theaterspiel nimmt indes ein gutes Ende: Die Forscher aus Grönland schildern der Menschheit, wie es um unsere Umwelt steht und alle ergreifen die richtigen Maßnahmen, um den Klimawandel einzudämmen.

Lesen Sie auch: Frau bedroht BMW-Fahrer auf Aldi-Parkplatz in Egelsbach mit Schlagstock

Eine schöne Vorstellung, die in der realen Welt aber leider noch allzu fern ist. Einer der Gründe, weshalb Diehl sich für das Thema „Prima Klima“ zur KiBiWo entschieden hat. „Die Kinder sind unsere Zukunft und unsere Kinder sind es, die mit der Zukunft leben müssen“, sagt er. „Wir sollten früh anfangen, sie darauf vorzubereiten, was hier vor sich geht.“

VON JULIA LOTZ

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare