Seit Beginn der Aufzeichnung 2009 zählten Vogelschützer noch nie so viele Brutpaare

Das Jahr der Schwalben

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Fast flügge sind die jungen Rauchschwalben, die hier aus dem Nest schauen. Insgesamt hatten in Langen und Egelsbach 121 Brutpaare Nachwuchs. Auch am Waldsee haben sich Schwalben niedergelassen.

Langen/Egelsbach - Bei vielen Vogelarten beklagen Vogelschützer durch die Zerstörung der Natur seit Jahren erhebliche Bestandsrückgänge. Nicht so bei der Schwalbenpopulation in Langen und Egelsbach. Von Markus Schaible 

Seit Beginn der Zählung 2009 hatte der Naturschutzbund NABU noch nie so viele Brutpaare zu vermelden wie im zurückliegenden Jahr. Am 8. April vergangenen Jahres hatte das Warten ein Ende: Sowohl in Egelsbach als auch in Langen sichteten die Vogelfreunde vom NABU die ersten Schwalben; Rauchschwalben, um genau zu sein. Rund eine Woche später, am 14. April, kam die erste Mehlschwalbe aus ihrem Winterquartier im Süden zurück nach Egelsbach. Die eigentliche Brut begann erst zwischen Mitte Mai und Mitte Juli. „Viele Jungschwalben aus dem Vorjahr wurden erst ab Mitte Juni geschlechtsreif und begannen danach mit der Brut“, erläutert Rudolf Lehmann, der bei den Naturschützern federführend für die Schwalbenzählung ist.

Der extrem heiße Sommer hatte nach seinen Worten sowohl positive aus auch negative Auswirkungen: „Die lang anhaltende Trockenheit und Hitze zwischen Anfang Mai und Ende August führte bei den Schwalben zu einem überdurchschnittlichen Bruterfolg mit zahlreichen Zweit-und Dritt-Bruten. Allerdings haben, bedingt durch die extreme Hitze, etliche Jungschwalben nicht überlebt.“ Auch hatten Mehl- und Rauchschwalben zum Teil erhebliche Probleme beim Nestbau, da es zu wenig Feuchtstellen gab.

Viele Schwalben am Kronenhof und beim Pferdehof Hagenburg

„Dennoch ergaben sich bei der Gesamtbetrachtung von Langen und Egelsbach sowohl bei Rauch- als auch bei Mehlschwalben Spitzenwerte für die Populationen“, freut sich Lehmann. Bei den Rauchschwalben ist die Zahl der Brutpaare mit 38 zwar noch immer weit von der Höchstzahl im Jahr 2011 (50) entfernt, doch nach dem absoluten Tiefstand 2014 (27) erfolgte eine deutliche Erholung. Starke Zuwächse seien vor allem am Kronenhof und beim Pferdehof Hagenburg (nahe Feuerwehr) zu verzeichnen gewesen. Zudem konnte der starke Rückgang auf der Kläranlage gestoppt werden, dort brütete wieder ein Paar mehr als 2014.

In Egelsbach wurden 83 Rauchschwalben-Paare gezählt, nur zwei weniger als im bisher besten Jahr 2013. Dort sei vor allem die starke Zunahme im Reitstall Fiebig (Riemer) hervorzuheben, so Lehmann, wo sich die Zahl im Vergleich zu 2014 von 16 auf 28 fast verdoppelte. Langen und Egelsbach zusammengenommen ist 2015 mit 121 das bisher beste Jahr. 2011 waren es 119 Paare gewesen, danach war die Zahl bis auf 108 gesunken.

Diese Tierarten sind nach Deutschland eingewandert

Die Population der Mehlschwalben in Langen ist um zwei auf 68 Paare angestiegen. Dabei sei die Kolonie in der Liebigstraße 33 überraschend von drei auf zwölf Brutpaare (und damit zur zweitgrößten Kolonie in der Stadt) angestiegen. Die größte ist mit 17 in der Annastraße 46-48. In Egelsbach wurden noch nie so viele Mehlschwalben-Brutpaare gezählt wie 2015. 118 bedeuten zwölf mehr als 2014 und sieben mehr als im bisherigen Rekordjahr 2013. 58 Paare brüten in Natur-, 60 in Kunstnestern.

Höchststand seit 2009 trotz Hitze-Wetter

186 Paare in Langen und Egelsbach bedeuten den neuen Höchststand seit Zählungsbeginn 2009. 2013 waren es 175 Paare gewesen. „Trotz des lang anhaltenden heißen Wetters wurden in Langen drei Naturnester und in Egelsbach ein Nest repariert. Ferner entstanden in Egelsbach sechs neue Nester, davon vier im Brühl. Zum Teil war der Bau dieser Nester im Vorjahr begonnen worden“, berichtet Lehmann.

Uferschwalben sind als dritte Art der Flugkünstler am Waldsee zu finden. Auf Vorschlag der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) und des NABU Langen-Egelsbach hatte die Firma Sehring im Jahr 2014 einen geeigneten Steilhang angelegt. „An diesem haben sich 2015 mindestens 60 Uferschwalben-Brutpaare angesiedelt und mit Erfolg gebrütet“, freut sich Lehmann.

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