Pilotprojekt in Egelsbach

Polizei probt Einsatz von Drohnen

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Bei einem Besuch bei der Polizeifliegerstaffel in Egelsbach informiert der Staatssekretär im hessischen Innenministerium, Koch, über ein Drohnen-Pilotprojekt der Polizei.

Egelsbach - Tatort- und Unfallfotos aus der Luft könnten künftig auch häufiger von Drohnen angefertigt werden. Ein Pilotprojekt bei der hessischen Polizei testet die Möglichkeiten. Im Februar startet der Einsatz.

Langsam und surrend steigt die orangefarbene Drohne vor dem Polizeifahrzeug auf. Positionslichter blinken, während ein Polizist den Kurs der "Yuneec H520" vorgibt. An Unfallstellen und Tatorten in Hessen dürfte dies in den kommenden Wochen und Monaten ein immer häufigerer Anblick sein: Das Innenministerium lässt in einem Pilotprojekt die Einsatzmöglichkeiten von Drohnen bei polizeilichen Ermittlungen testen. Nach der Ausbildung von insgesamt acht Drohnenpiloten beginnt am 5. Februar der Testeinsatz.

Die Drohne als Polizei-Assistent unterliegt allerdings Einschränkungen. "Es wird keinen Einsatz über Menschenmengen, etwa bei Demonstrationen oder Fußballspielen, geben", versicherte Staatssekretär Werner Koch am Donnerstag bei einem Besuch der Polizeifliegerstaffel Egelsbach. "Wir sehen sie auch nicht als Ersatz des Polizeihubschraubers." Bis zum Sommer werde es eine "ergebnisoffene Prüfung" geben. "Wir wollen prüfen, wie Drohnen die polizeiliche Arbeit erleichtern können", begründete Koch das Projekt. Dabei gehe es auch um die "Polizeiarbeit von morgen" mit ihren technischen Möglichkeiten. Die Messgenauigkeit von Drohnenaufnahmen könne etwa bei Aufnahmen von Unfallstellen genutzt werden. Der ausgewählte Drohnentyp erfüllt nach Angaben des Ministeriums dank eines hohen Verschlüsselungsstandards die hohen Anforderungen an den Datenschutz.

Zudem sei der Einsatz des fliegenden Helfers auch dann sinnvoll, wenn etwa nach einem Schadstoffunfall zunächst nicht klar sei, wie weit sich die Beamten ohne Schutzkleidung überhaupt vorwagen können. Sei kein Hubschrauber verfügbar, könne die Drohne Luftbilder von der Unfallstelle und ausgelaufenen Schadstoffen liefern. Vorerst hat das Land vier Drohnen besorgt - eine für die Ausbildung in Egelsbach, je eine Drohne geht an die Polizeipräsidien in Nord-, Süd- und Mittelhessen. Aus diesen Polizeipräsidien kommen auch die acht künftigen Drohnenpiloten, die in einem zweiwöchigen Kurs in Theorie und Praxis ausgebildet werden.

"Natürlich kann man eine Drohne theoretisch einschalten und losschicken - aber ins Auto setzt sich ja auch keiner ohne Führerschein", begründet Projektleiter und Ausbilder Andreas Bruns die Drohnen-Kurse. Eine gewisse technische Affinität hätten die polizeilichen Drohnenpiloten allerdings schon, versichert der 38 Jahre alte Polizeihauptkommissar. "Drei von ihnen haben schon privat eine Drohne".

Der Beamte der Polizeifliegerstaffel befasst sich bereits seit fünf Jahren mit dem Thema Drohnen und verspricht sich vor allem von der Kombination von Drohnenkamera und der eingebauten Software Vorteile bei Aufnahmen von Tat- oder Unfallorten. "Zur exakten Feststellung von Höhen und Vermessung von Spuren lässt sich gewissermaßen ein virtuelles Lineal anlegen", sagt Bruns. Dort, wo ein Tatort schwer zugänglich ist oder beim Betreten eine Veränderung droht, können die Aufnahmen aus der Luft zur Spurensicherung beitragen.

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"Wir fliegen nur auf Sicht und in maximal 50 Meter Höhe", so Bruns zu dem geplanten Einsatz. Auch Nachteinsätze wird es nicht geben. Ob die surrenden Helfer in den nächsten Jahren auch in größerer Zahl zur Ausstattung der Schutzpolizei gehören und weitere Einsatzmöglichkeiten hinzu kommen, hängt auch von der Auswertung der Pilotphase ab. "Wir sollten uns der Technik auch als Polizei nicht verschließen", so Koch. (dpa)

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