Im Team Druck gemacht

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Augenblick der Wahrheit: Berufsschüler Mücahit Balci und seine Klassenkameraden stellen den SMC-Experten ihre über Druckluft betriebenen „Freestyler“-Modelle vor. Im Hintergrund die Lehrer Mathias Lewold und Sven Roghmans.

Egelsbach ‐ „Wir haben als Team gearbeitet: Lehrer, Schüler, alle zusammen – und es hat Spaß gemacht“, sagt Mücahit Balci, Berufsfachschüler der Dreieicher Max-Eyth-Schule. Mit solchen Komplimenten wird Unterricht eher selten verwöhnt. Im Gegenteil: Immer wieder kämpfen gerade Berufsfachschulen mit wenig motivierten Schülern. Von Cora Werwitzke

Dass eine ganze Klasse gemeinsam mit ihren Lehrern über Monate hinweg an einem Strang ziehen kann, zeigt das Gemeinschaftsprojekt der Schule mit dem Egelsbacher Technologieunternehmen SMC Pneumatik.

Unter Pneumatik versteht man Kraftübertragung durch Druckluft. Die japanische SMC Pneumatik ist der weltweit größte Pneumatik-Hersteller – in Egelsbach sind das deutsche Hauptquartier, eine der drei großen europäischen Produktionsstätten und seit rund zwei Jahren eines von zwei europäischen Entwicklungszentren angesiedelt. Unter reger Beratung des Unternehmens bauten zwölf Schüler des Fachbereichs Metalltechnik ein halbes Jahr lang in Teamarbeit und mit speziellen Bauteilen Modelle der Rummel-Fahrattraktion „Freestyler“. Am Freitag präsentierten die Elftklässler ihre drei über Druckluft betriebenen Modelle vor den Augen der SMC-Experten. „Ein großes Kompliment. Ich bin tief beeindruckt“, zollte SMC-Verkaufsleiter Werner Baumann den Schülern Respekt.

Bis zur Fertigstellung war es ein weiter Weg: „Es ging mit Skizzen los, die Grundplatte musste auf Füße gestellt und das Gerüst stabilisiert werden“, erzählt Mücahit Balci. „Die ausgesuchten pneumatischen Bauteile haben wir an Fräs-, Dreh- und Schneidemaschinen selbst angefertigt“, ergänzt Salim Lazaar. Immer wieder galt es, technische Herausforderungen zu meistern – und natürlich sei zwischen den drei Gruppen ordentlich Konkurrenz gewesen: „Da wurden ohne Ende Ideen geklaut“, sagt Marco Mazur grinsend.

Sehr realer Bezug durch die Kooperation mit SMC

Am Anfang des Schuljahrs haben die Schüler uns ungläubig angeschaut und bezweifelt, so etwas je hinzubekommen“, erinnert sich Mathias Lewold, der den Unterricht zusammen mit seinem Kollegen Sven Roghmans leitete. „Unser Ziel war es, den Schülern eine anspruchsvolle Aufgabe zu stellen, die sie motiviert und mit der sie sich identifizieren können. Dafür sind wir bewusst neue Wege gegangen.“ Die Kooperation mit SMC gab dem Unterricht sehr realen Bezug und mit Dirk Balzer kam regelmäßig ein SMC-Mitarbeiter in den Unterricht. „So haben wir mit einem praktischen Projekt alle Themen des Lehrplans abgedeckt. Das erforderte zwar sehr enge Absprache im Lehrer-Team, aber es hat sich gelohnt“, bilanziert Roghmans: „Was Größenordnung der Aufgabe und gefordertes Maß an Selbstorganisation der Schüler angeht, setzt das Projekt Maßstäbe.“

Für SMC ist die Kooperation mit der Berufsschule ebenfalls außergewöhnlich“, sagt Marketingleiter Armin Lerch. „Aber auch aus unserer Sicht liegen die Vorteile auf der Hand: Wenn sich einer der Schüler demnächst für eine Ausbildung hier interessiert, ist es natürlich gut, ihn schon mal gesehen zu haben. Und generell sind die Schüler von heute die Anwender und Entscheider von morgen.“

Die drei Freestyler-Modelle werden im Übrigen nicht in der Versenkung verschwinden. „Wir möchten sie in einer Ausstellung unseren Kunden zeigen“, verrät Lerch.

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