Auf K168 und Nordumgehung

Tempo-Irrsinn im Wohngebiet

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Zwei Schilder sagen mehr als tausend Worte: Galt in Egelsbach im Bereich K 168/Auf der Trift aus gutem Grund Tempo 50, sind jetzt 70 Sachen statthaft – hoffentlich nur vorübergehend ...

Langen/Egelsbach - Die Geschwindigkeits-Limits auf K168 und Nordumgehung wurden aufgehoben: Die Bürgermeister sind stinksauer über diese „Nacht-und Nebel-Aktion“. Von Holger Borchard

Wer hat diesen Stuss verbrochen? Das fragen sich seit Kurzem etliche Langener und Egelsbacher. Inzwischen haben dies auch die Bürgermeister Frieder Gebhardt und Jürgen Sieling getan – und zwar gezielt an die Adresse der Kreisverwaltung. Was ist los? Sowohl auf der Kreisstraße 168 als auch auf der Langener Nordumgehung (B 486) gelten seit Kurzem neue Temporegelungen. Dort darf nun schneller gefahren werden als bisher. Die Veränderungen lassen alle kommunal Zuständigen mit Blick auf den Sicherheitsaspekt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen – ebenso unglaublich wie die neue Regelung ist deren Zustandekommen: In Langen wie im Nachbarort wurden Verkehrszeichen ohne jegliche Rücksprache abgebaut beziehungsweise ausgewechselt. Kein Wunder, dass in beiden Rathäusern über die „Nacht- und Nebel-Aktion“ geflucht und Rechenschaft verlangt wird.

„So eine Nummer über unseren Kopf hinweg ist schon ein starkes Stück.“ Bürgermeister Jürgen Sieling kann es ebenso wenig wie sein Langener Amtskollege Gebhardt fassen: Auf der K 168 von Oberlinden bis Egelsbach, sprich entlang Schloss Wolfsgarten, sind alle Schilder verschwunden, die das Tempo in diesem Bereich auf 70 Stundenkilometer drosselten. Jetzt sind dort die außerhalb geschlossener Ortschaften erlaubten 100 Sachen wieder drin. Erheblich schlimmer stellt sich das Ganze wenige Meter nach dem Ortseingang an der Kreuzung K 168/Auf der Trift/Wolfsgartenstraße dar: „Da sind jetzt wieder 70 Stundenkilometer erlaubt, wo vorher aus verdammt gutem Grund ein 50er-Schild stand“, mag Egelsbachs Rathaus-Chef sich kaum beruhigen. „Da führt nicht nur die Straße mitten durchs Wohngebiet, da ist auch der Kindergarten in direkter Nähe. Es waren die Anrufe entsetzter Bürger, die uns in der Verwaltung überhaupt erst auf diesen Irrsinn gebracht haben“, fügt Sieling hinzu.

Bitte lächeln: Der Blitz-Marathon in Bilder

Bitte lächeln: „Blitz-Marathon“ in Bildern

Nicht minder kopfschüttelnd kommentiert Frieder Gebhardt die Tempo-70-Aufhebung auf der Kreisstraße im Bereich der beiden Zufahrten aus dem Stadtteil Oberlinden. „Wer hat denn da wen geritten? Da war vor Jahren Tempo 100. Das wurde aus gutem Grund aufgehoben, nachdem es dort immer wieder gekracht hatte, leider auch mit Todesfolge.“ Gleiches gelte für die Umfahrung Langens auf der Nordumgehung, wo die Tempo-70-Schilder ebenfalls verschwunden und somit auch wieder die 100 km/h erlaubt seien.

 „Dieses Tempo muss dort wirklich nicht sein, zumal die Fahrbahn recht schmal ist“, sagt Gebhardt. Zudem nennt er noch einen weiteren Aspekt: Mehr Tempo heißt mehr Lärm – und den wollen wir als Stadt Langen angesichts der Wohnbauprojekte entlang der Nordumgehung ganz sicher nicht haben.

Bußgeld-katalog für Temposünder

Der Bußgeld-Katalog für Temposünder

„Aus gutem Grund“ – wie die Formulierungen sich doch gleichen. Was also hat wen geritten, die Temporegelungen zu verschlimmbessern? „Wir bedauern, dass Fakten geschaffen wurden“, erklärt Kordula Egenolf, Pressesprecherin des Kreises, auf Anfrage unserer Zeitung. Vorgenommen worden seien die Änderungen als Resultat der sogenannten Kreisverkehrsschau im Juli. Die finde alle zwei Jahre statt, unter Beteiligung von Regierungspräsidium, Polizeivertretern aus dem gesamten Kreis, ADAC, Verkehrswacht, Hessen Mobil etc. – aber eben ohne Vertreter der Kommunen. Ein maßgebliches Ziel dieser illustren Kreisrundfahrt: das Lichten des Schilderwalds.

Das sei schon ein wenig „dumm gelaufen“, räumt Egenolf ein und stellt im Namen der zuständigen Dezernentin Claudia Jäger (CDU) kurzfristige Gespräche in Aussicht. „Da wird erörtert, welche von den Kommunen gewünschten Nachbesserungen erfolgen können.“ Im Übrigen werde der Kreis in Zukunft auch Vertreter der Kommunen zu den Verkehrsschauen einladen.

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