Kinderbetreuung wird teurer

Tiefer Griff in die Eltern-Geldbörsen

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Egelsbach - Was die Spatzen schon seit Längerem von den Dächern pfeifen, wird morgen Abend in der Gemeindevertretung amtlich: Ab 1. August müssen Eltern für die Kinderbetreuung tiefer in die Tasche greifen – und das nicht zu knapp. Von Holger Borchard

Die Gebühren für den Besuch der gemeindlichen Kitas und der Schulbetreuung werden pauschal um 20 Prozent erhöht.

In der Politik wurde diesmal nicht gestritten. Weder die Frage, ob die Erhöhung schon zum 1. August kommen soll, noch die Höhe des Aufschlags – immerhin ein Fünftel – führten zu gegenläufigen Positionen. Vielmehr basiert der Beschluss auf einem interfraktionellen Antrag, verfasst von SPD, CDU und Wahlgemeinschaft, und mitgetragen von den Grünen. Diese Einmütigkeit, die sich über alle vorbereitenden Ausschüsse hinweg gehalten hat, lässt keine Zweifel aufkommen, dass die Erhöhung der Gebühren am Donnerstagabend zur Tatsache wird.

U3-Betreuung de facto 25 Prozent

Im Geldbeutel von Eltern macht sich das Ganze wie folgt bemerkbar: Kostet beispielsweise die Kita-Betreuung von 7 bis 16.30 Uhr aktuell monatlich 93 Euro für das erste Kind einer Familie (63 fürs zweite), werden ab August 116,25 (bzw. 78,75) Euro fällig. Bei der U 3-Betreuung beträgt der Aufschlag gemäß der vom Rathaus genannten Beträge sogar de facto 25 Prozent. So schlägt fürs erste Kind aktuell die Betreuung von 7 bis 13 Uhr mit 175 Euro, von 7 bis 16.30 Uhr mit 266 Euro zu Buche (fürs zweite Kind 116 bzw. 137 Euro). Ab August werden daraus 218,75 und 332,50 Euro (zweites Kind: 145 bzw. 171,25 Euro).

Dass die Parlamentarier sich mit der Neuregelung, die obendrein den Geschwister-Rabatt nur bei tatsächlich gleichzeitigem Besuch der Betreuungseinrichtungen gewährt, diesmal nicht sonderlich schwer tun, begründen die Sprecher der Parteien mit aus ihrer Sicht zugkräftigen Argumenten: So liege zum einen die letzte Gebührenerhöhung schon Jahre zurück, zum anderen forderten Kommunalaufsicht wie Schutzschirm-Vertrag eine signifikante Einnahmesteigerung. Vor allem aber werde die Gemeindeverwaltung eine neue Satzung erarbeiten. Diese soll als Gegenwert für die Erhöhung seit Langem geforderte Flexibilität und Transparenz bieten und selbst in Zeiten knapper Kassen hohe pädagogische Standards gewährleisten – so das Versprechen.

„Andere Städte haben Gebühren stetig erhöht“

„Wir sind der Überzeugung, dass die von uns vorgelegten Rahmenbedingungen für die Erstellung einer neuen Kindergarten-Satzung sowohl den berechtigten Interessen der Eltern entgegenkommen als auch der finanziellen Situation der Gemeinde Rechnung tragen“, betont etwa Georg Dinca (Wahlgemeinschaft). „Hier in Egelsbach sind die Betreuungsgebühren über viele Jahre unangetastet geblieben, während andere Städte und Gemeinden sie stetig erhöht haben“, assistiert Thomas Irmler (CDU). „Jetzt ist die Erhöhung der Gebühren auch bei uns ein elementarer Schritt, um die Gemeinde in die Lage zu versetzen, die Qualität in der Kinderbetreuung weiter zu gewährleisten und gleichzeitig weitere Plätze, vor allem im U 3-Bereich, zu schaffen.“

„Die Gemeinde hat in den vergangenen Jahren bereits erhebliche Anstrengungen unternommen und der Ausbau der Kinderbetreuung muss und wird weitergehen“, erklärt Claudia Zscherneck für die SPD. „Aber ein Schnellschuss bringt niemandem etwas.“ Insofern werde die Diskussion um die Ausgestaltung der neuen Betreuungs-Satzung im Herbst intensiv weitergeführt. „Egelsbach soll eine innovative Satzung erhalten, die für alle Beteiligten eine Bereicherung darstellt.“

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