Bürgerbeteiligung geht in die zweite Runde

Umgestaltung der Ortsmitte: Was ist wichtig, was Firlefanz?

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In jedem Fall ein Zugewinn Egelsbacher Ortsmitte, sowohl optisch als auch als Frequenzbringer: Das Bürgerbüro in der Ernst-Ludwig-Straße 40-42 wird im Frühjahr seine Pforten öffnen – angepeilter Termin ist der 7. April.

Egelsbach - Die Vorüberlegungen zur Umgestaltung der Ernst-Ludwig-Straße und des Kirchplatzes gehen in die nächste Runde. Von Holger Borchard 

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Bei der Gestaltung der Ortsmitte mitreden

Nachdem die Gemeinde vor Weihnachten im Internet Pläne zur Umgestaltung der Ernst-Ludwig-Straße vorgestellt und die Egelsbacher um Anregungen und Kritik gebeten hatte, geschieht das Gleiche nun auf der gleichen Online-Plattform mit Fokus auf den Kirchplatz. Diese Phase läuft bis Ende Februar – im Frühjahr wird ein weiterer Infoabend für die Bürger folgen. Wie kann man den Kirchplatz besser nutzen? Sind den Egelsbachern Parkplätze oder Sitz- und Verweilmöglichkeiten wichtiger? Und wie soll der Platz optisch gestaltet werden? Fragen wie diese stellt die Gemeindeverwaltung derzeit auf ihrer Internet-Plattform zu den Umgestaltungsplänen für die Ortsmitte. Interessierte können dort die Planungsvorschläge unter die Lupe nehmen und Meinungen und Ideen kund tun.

Mit der zweiten Etappe der Online-Beteiligung – sie läuft bis 21. Februar – setzt die Verwaltung um Bürgermeister Jürgen Sieling weiterhin auf Transparenz und Bürgerbeteiligung. „Nichts ist in Stein gemeißelt, uns ist es wichtig , die Egelsbacher eben nicht vor vollendete Tatsachen zu stellen.“ Dass die Umgestaltungspläne ihre Brisanz haben und besonders die Händler im Ortskern verunsichern, die sich nichts Schädlicheres für ihr Geschäft vorstellen können als eine auf Dauer stillgelegte Ernst-Ludwig-Straße, ist während und nach dem ersten Infoabend Ende November deutlich geworden. So war die Zahl der Teilnehmer an der Online-Debatte zur Ernst-Ludwig-Straße sicher ausbaufähig, aber die Stoßrichtung der Bedenkenträger dennoch klar erkennbar. Eine Auswahl an O-Tönen der ersten Online-Beteiligung:

- „ Für die Gewerbetreibenden ist es untragbar, wenn Kunden von außerhalb, die per Auto kommen, die Zufahrt zu den Läden nicht mehr möglich ist.“

- „Wenn ich mir vorstelle, dass die Kosten der Umgestaltung von Ernst-Ludwig-Straße und Kirchplatz teilweise auf die anliegenden Hauseigentümer umgelegt werden, wird das ein teurer Spaß.“

- „Die Verkehrsplaner können die Straße weder länger noch breiter machen; auch die Häuser kann man nicht verschieben. Somit sind die möglichen Parkplätze vorgegeben.“

-  „ Eltern mit Kinderwagen, Radfahrer oder gehbehinderte Bürger, die vielleicht mit Rolllator unterwegs sind, werden von Kopfsteipflaster wahrscheinlich wenig begeistert sein. Das Zeitalter des Kopfsteinpflasters gehört doch nun wirklich der Vergangenheit an.“

 -„Das Prinzip Shared Space“, gekoppelt mit einer Naturstein-Pflasterung, wäre nicht nur optisch sondern auch von der Nutzung her ein Gewinn. Denn entgegen landläufiger Meinung geht die Teilung eines Verkehrsraums für alle Nutzer mit einer deutlichen Beruhigung des Verkehrs und rücksichtsvollerem Umgang miteinander einher.“

An Einwendungen zu den von der Gemeindespitze angestrebten Veränderungen mangelt es also nicht. Die Verwaltung und die beauftragten Planer sind nun gefordert, auf Basis der inzwischen erfolgten Auswertung ihre Schlüsse zu ziehen. Fakt ist: Abgesehen von dem vor zwei Jahrzehnten (!) baulich veränderten Kirchplatz ist die Ortsmitte in die Jahre gekommen, die Ernst-Ludwig-Straße einschließlich der Gehwege ist in Teilen in beklagenswertem Zustand. „Da kann doch niemand ernsthaft behaupten, wir hätten keinen Handlungsbedarf“, merkt Jürgen Sieling an. Die stets gestellte Frage nach der Finanzierbarkeit beantwortet er so: „Das ganze Projekt ist auf circa fünf bis zehn Jahre angelegt. Es soll also in kleinen und damit bezahlbaren Schritten umgesetzt werden.“

Bilder: Rathaussturm in Egelsbach

Eine Aufwertung erfährt der Ortskern im Übrigen losgelöst von den diskutierten Konzepten durch die Eröffnung eines behördlichen Frequenzbringers: Das Bürgerbüro, dessen Fassade bereits Passanten in der Ernst-Ludwig-Straße grüßt („Das isses!“), wird im Frühjahr seine Pforten öffnen – voraussichtlicher Termin: 7. April. Der Termin für den nächsten Infoabend zur Umgestaltung des Ortskerns steht noch nicht fest. „Er wird aber so bald wie möglich bekannt gegeben“, verspricht der Bürgermeister.

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