KLIMASCHUTZTAG - Von unten die Oberen erreichen

30 Institutionen und Vereine setzen sich für mehr Nachhaltigkeit ein

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Geflügelte Umwelthelden: Der Bienenzuchtverein Langen und Umgebung stellte Besuchern die nützlichen Insekten vor.

Klima- und Umweltschutz sind Themen, die nicht nur die großen Städte und Staaten betreffen. Auch kleine Gemeinden können etwas gegen den voranschreitenden Klimawandel bewirken und auf Missstände aufmerksam machen.

Egelsbach – Aus diesem Grund stellten private und öffentliche Akteure aus Egelsbach am Sonntag den ersten Klima- und Umwelttag auf die Beine.

Ins Leben gerufen wurde der Tag von Pfarrer Martin Diehl und Eliza Hagenah. Die beiden haben sich im Egelsbacher Arbeitskreis für Umwelt- und Klimaschutz kennengelernt. „Die Gruppe hatte von Anfang an eine unglaubliche Energie, sodass wir gar nicht wussten, wohin mit unseren Ideen und Vorstellungen“, erzählt Hagenah. Irgendwann habe´Diehl dann die Idee gehabt, einen Klima- und Umwelttag zu organisieren. „Ich habe mir ganz bewusst diesen Tag ausgesucht, um ihn um den Erntedankgottesdienst herum auf die Beine zu stellen“, erzählt der Pfarrer. „Dank für Gottes Schöpfung und die Sorge darum – was würde besser zur Thematik des Klima- und Umwelttages passen?“, meint Diehl.

Seine Predigt für den Gottesdienst passte der evangelische Pfarrer an das Thema an. „Wir müssen etwas tun, um die uns anvertraute Natur vor der von uns angezettelten Zerstörung zu retten. Und wir können etwas tun. Gott hat uns im zweiten Schöpfungsbericht den Auftrag gegeben, die uns anvertraute Erde zu bebauen und zu bewahren.“

Egelsbach: Klimaschutztag voller Erfolg

Die Organisatoren Martin Diehl und Eliza Hagenah von der AG Umwelt- und Klimaschutz erklären ihre Intention beim Erntedankgottesdienst.

Das wollen Diehl, Hagenah und alle Beteiligten des Klima- und Umwelttages umsetzen. Der wichtigste Programmpunkt ist die Übergabe des neu ausgearbeiteten „Ökologischen Verkehrskonzepts“ des Arbeitskreises. „Wir haben zwei Monate daran gearbeitet und uns war es wichtig, dass offiziell und vor allem auch öffentlichkeitswirksam an die betreffenden Gremien zu übergeben“, erläutert Hagenah. Die Ideen für eine „langfristige und klimaneutrale Verkehrswende“ in Egelsbach wurden zum Auftakt des Aktionstages an Bürgermeister Tobias Wilbrand überreicht. Inhaltlich geht es unter anderem um die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs, fahrradfreundliche Verkehrswege in der Gemeinde und konkrete Maßnahmen, um die Vorschläge auch umzusetzen.

„Wir hatten anfangs Angst, dass die Themen Klima- und Umweltschutz derzeit übersättigt sind und keinen Anklang finden“, sagt Hagenah. Die Resonanz zeigt das Gegenteil: Rund 30 Institutionen, Firmen und Organisationen beteiligen sich an dem Tag. Alle setzen sie sich für ökologische Nachhaltigkeit ein.

Auch für die Besucher ist das Thema allgegenwärtig. „Ich versuche, im Kleinsten etwas zu verändern“, erzählt die Egelsbacherin Hildegard Pfeiffer. „Ich verzichte auf Plastiktüten und kaufe regionales Obst und Gemüse.“ Die 78-Jährige ist sich aber bewusst, dass in gewissen Generationen ein Umdenken schwierig ist. „Es gab eine Zeit, in der die Menschen froh waren, dass es Neuerungen wie hygienisches Verpackungsmaterial gab. Heute muss denjenigen eingetrichtert werden, dass sie darauf verzichten sollen. Da ziehen viele leider nicht mit.“

Aus diesem Grund sei es wichtig, immer wieder und vor allem großflächig auf die Problematiken aufmerksam zu machen, sagt Martin Diehl. In seiner Predigt vermerkt er: „Mit meinem Fahrrad und meiner Holzzahnbürste werde ich die Welt nicht retten. Wir brauchen die Wirtschaft, die nachhaltig produziert und transportiert. Und vor allem brauchen wir mutige und verantwortungsbewusste Politiker, die die notwendigen Maßnahmen einleiten.“ Hagenah ergänzt: „Wir müssen versuchen, von unten die oberen Politiker zu erreichen.“ Beim Klima- und Umwelttag steht genau das im Fokus. Zudem haben Kinder der Wilhelm-Leuschner-Schule 460 Klimawünsche auf Stoffwimpeln verewigt, von denen einige an überregionale Politiker übergeben werden.

Kleine Aktionen zu großen Handlungen werden zu lassen – das haben sich die Organisatoren des Aktionstages zum Ziel gesetzt. In den kommenden Wochen und Monaten werden in Egelsbach deshalb 100 neue Bäume gepflanzt. Der erste fand an der Kerb ein neues Zuhause: Am Berliner Platz pflanzte der Kerbborsch-Jahrgang 1969 eine Traubeneiche.

„Es ist Zeit, umzudenken. Ein Sabbatjahr einzulegen“, predigt Martin Diehl. Ein Jahr, in dem jede Familie sieben Bäume pflanzt, in dem jeder das Auto so oft wie möglich stehen lässt und nur fair gehandelte und biologisch produzierte Produkte kauft, zählt der Pfarrer auf.  „Stellt euch vor, allein die Menschen in Egelsbach würden ein solches Sabbatjahr verabreden und ernsthaft angehen. Wir hätten mehr für die Natur und für unsere Seelen getan als in den letzten zehn Jahren!“

VON JULIA LOTZ

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