Vandalismus am Gräfin-Stauffenberg-Weg

Egelsbach: Unbekannte zerstören Krötenzaun

Der Krötenzaun am Gräfin-Stauffenberg-Weg in Egelsbach wurde bereits mehrfach zerstört.
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Nicht zum ersten Mal mussten die Naturschützer den Krötenzaun am Gräfin-Stauffenberg-Weg in Egelsbach wieder aufbauen.

Die Kröten sind wieder auf Wanderschaft und überqueren dabei viel befahrene Straßen. Zu ihrem Schutz werden auch in Egelsbach Zäune aufgestellt. Diese wurden nun zum wiederholten Mal zerstört.

Egelsbach – Die Amphibien sind im Wald nördlich des Flugplatzes, im Krummen Feld, unterwegs: Die Hans-Fleissner-Straße führt dorthin und über die steinerne Hegbachbrücke weiter nach Erzhausen. Diese Strecke präferieren Erdkröten, die aus dem Waldgebiet heraus in nordöstlicher Richtung zum Bruchsee wollen – und dazu das gerade Stück der Fleissner-Straße überqueren müssen. Bürger aus Erzhausen nutzen die schmale querende Waldstraße im Berufsverkehr und zu Einkaufsfahrten zu den Märkten im Egelsbacher Gewerbegebiet. Der Querungsversuch endet für Kröten daher oft tödlich – an der weißen Begrenzungslinie auf dem Teerbelag.

Seitdem Naturschützer vor vier Jahren darauf aufmerksam wurden, dass viele Amphibien im Frühjahr dort unter Autoreifen enden, wurde an der Stelle ein Zaun aufgestellt: Organisiert durch den BUND haben Naturfreunde aus Egelsbach, Mitglieder des NABU und der HGON (Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz) im Jahr 2017 einen Fangzaun aufgestellt. Er besteht aus einem grünen, verrottungsfesten Textilband, das zehn Zentimeter tief in die Erde eingegraben ist. Es wird durch Spannstäbe in der Senkrechten gehalten. Die Gemeinde bezahlte die Materialkosten. So gelingt es, viele Kröten zu retten. Dennoch schätzen die Naturschützer, dass immer noch etwa 20 Prozent der wandernden Tiere auf der Straße getötet werden. Ob sie aus dem Vorfeld des Zauns kommen oder auf irgendeine Weise das Textilband überwinden, ist noch nicht klar.

Doch jemand macht die Arbeit der Naturschützer immer wieder zunichte: Denn der Egelsbacher Krötenzaun ist wiederholt das Ziel von Vandalismus geworden. Zuletzt stellten die Naturschützer am 2. Februar entsetzt fest, dass das neue Zaunstück – das parallel zum Gräfin-Stauffenberg-Weg errichtet worden war – schon am nächsten Tag aus der Erde gerissen und auf die alte Strecke geworfen wurde.

Denn die Krötenfreunde hatten bemerkt, dass etliche Tiere den Wald über den Stauffenberg-Weg verlassen und an dessen Einmündung in die Hans-Fleissner-Straße überfahren werden. Um das zu verhindern, wurde der Zaun an seinem östlichen Ende im rechten Winkel nach Süden verlängert und parallel zum Stauffenberg-Weg weitergeführt. Damit auf dem Kontrollpfad niemand mit seinem Hund ins neue Zaunstück läuft, wurde der Zugang von der Straße aus mit Fallholz gesperrt.

Huckepack zum Gewässer: Die Kröten-Weibchen tragen die Männchen dabei auf dem Rücken.

Auch das war zum Ärger der Naturschützer weggeräumt. „Offensichtlich hat irgendein Wutbürger den Kontrollpfad für die Zaunüberwachung mit seinem Privatweg verwechselt und die mühsame Arbeit zerstört“, kommentiert NABU-Mitglied Werner Matzke aus Egelsbach. Die Naturschützer sind es leid, dass ihre Arbeit immer wieder torpediert wird. Mit dem Zaun ist es natürlich nicht getan: Auf dessen ganzer Länge sind zwölf Fangeimer in die Erde eingelassen, in die die wandernden Kröten fallen. Die Freiwilligen kontrollieren diese mindestens zweimal am Tag, sammeln die Erdkröten aus den Eimern, zählen sie und bringen sie zum Teich. „Das ist für etwas mehr als zwei Monate eine verbindliche Arbeit, die täglich zweimal von den Naturschützern geleistet werden muss“, verdeutlicht Matzke. Die Hochzeit der Krötenwanderung ist im Februar und März, durch den Frost ging es nun erst los.

In den vergangenen drei Jahren wurden die Naturschützer immer wieder durch die Zerstörung des Zauns an ihrer Arbeit gehindert. Die Schäden kosten dann Tiere das Leben, bis sie entdeckt und behoben werden. Den ersten Fall erlebten die Betreuer des Krötenzauns im ersten Jahr seines Bestehens. Etwa 30 Meter des Zauns wurden 2017 zusammen mit den Spannstäben gestohlen. Das westliche Ende des Zauns wurde dann ersetzt, aber erneut gestohlen.

Aber noch schlimmer für die Krötenretter: Nach der Zeit der Wanderung muss der Zaun an zwölf Stellen – dort wo die Fangeimer sitzen – umgelegt und mit Fallholz beschwert werden, damit er auch für andere Tiere kein ernstes Hindernis darstellt. Zwischen diesen passierbaren Stellen bleiben die Zaunstücke stehen, damit nicht in jedem Jahr der Zaun komplett neu errichtet werden muss. „Irgendwen stört offenbar dieses Verfahren. Am Ende jedes Jahres werden die 13 noch stehenden Zaunstrecken brutal niedergetreten“, sagt Matzke. Die acht Millimeter dicken Stahlstäbe werden direkt über der Erde krumm getreten, sodass die Zaunbahn aus den Halterungen reißt. Die Helfer müssen die abgeknickten Spannstäbe einsammeln und zu Hause wieder richten, bevor sie zum Ende des nächsten Winters den Zaun wieder aufstellen. Dreimal ist das bereits geschehen. Um das in Zukunft zu verhindern, bitten die Naturschützer um Hinweise auf den oder die Täter. Dafür haben sie eine Belohnung von 500 Euro ausgesetzt. Zudem haben sie Geld in Fotoüberwachung investiert. „Geld, das den Kröten besser getan hätte“, bedauert NABU-Mitglied Matzke. (Von Julia Radgen)

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