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Naturfreunde Egelsbach feiern 100. Geburtstag nach

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Von: Nicole Jost

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Wandern und die Erlebnisse in der Natur standen bei den Naturfreunden immer hoch im Kurs. Auf diesem Foto ist die Ortsgruppe etwa im Jahr 1925 zu sehen.
Wandern und die Erlebnisse in der Natur standen bei den Naturfreunden immer hoch im Kurs. Auf diesem Foto ist die Ortsgruppe etwa im Jahr 1925 zu sehen. © Naturfreunde Archiv

Die Naturfreunde Egelsbach/Erzhausen haben ein bedeutendes Jubiläum: Im Juni 1920 gründet der Bildhauer Max Schober den Verein. Dieser 100. Geburtstag soll nicht komplett der Pandemie zum Opfer fallen. Am kommenden Wochenende wird endlich gefeiert.

Egelsbach – Auch nach 102 Jahren des Vereinsbestehens stehen die Naturfreunde glänzend da: Vorsitzende Brigitte Putz-Weller freut sich über 160 Mitglieder, von denen fast ein Drittel aktiv sind. Das Haus am Waldrand „Im krummen Feld“ – „Krummsche“, wie die Egelsbacher sagen – gegenüber des Flugplatzes ist mit seinen 24 Betten und der Selbstversorger-Küche so stark frequentiert wie selten zuvor. 2022 wird es voraussichtlich 1 000 Übernachtungen geben. „Wir können bei Weitem nicht alle Anfragen von Kindergruppen und Schulen bedienen. Priorität hat immer die Ortsgruppe“, betont Brigitte Putz-Weller.

Der Verein lebt damals wie heute von gemeinsamen Aktivitäten. Ein Schwerpunkt liegt beim Umwelt- und Naturschutz, die Mitglieder organisieren Pflanzenexkursionen, Waldbaden, aber auch umweltpädagogische Projekte und der Waldpädagoge Jean Beetz hat bei den Naturfreunden eine Kinderwerkstatt eingerichtet, in der Grundschulkinder den sensiblen Umgang mit der Natur erleben. „Ein Erfolgsrezept von uns ist es sicher, dass wir uns und unser Haus immer nach außen geöffnet haben und mit vielen Vereinen kooperieren“, erläutert Rainer Elsinger, Pressewart der Naturfreunde. Dazu gehören Naturschutzverbände, ADFC, die Verkehrsinitiative Langen-Egelsbach, Flüchtlingshilfe und Friedensinitiative. „Wir haben ein engagiertes Vorstandsteam und viele Mitglieder, die sich einbringen. Dabei sollen sie Spaß haben und wir freuen uns über jeden, der neue Ideen mitbringt. Es gibt eine große Solidarität und Gemeinschaftssinn in der Gruppe“, erläutert die Vereinschefin.

Setzte den Anfangspunkt: Diese Aufnahme zeigt den Gründer der Naturfreunde Egelsbach/Erzhausen, Max Schober.
Setzte den Anfangspunkt: Diese Aufnahme zeigt den Gründer der Naturfreunde Egelsbach/Erzhausen, Max Schober. © Naturfreunde Archiv

100 Jahre sind einen Blick in die Vergangenheit wert: Nachdem Max Schober eine Gruppe Mitstreiter zusammengetrommelt hat, wird im Juni 1920 in der Westendhalle Karl Schroth zum Vorsitzenden gewählt. Die erste Gruppe, die sich den Naturfreunden anschließt, ist der Mandolinenclub „Wanderlust“ – so gibt es von Beginn an eine Musikabteilung. Gemeinsam wird gewandert, gesungen, Theater gespielt. Die erste Hütte entsteht 1922 im alten Steinbruch, sie wird bis 1925 genutzt. Danach finden die Naturfreunde eine neue Unterkunft an der Bergstraße in Zwingenberg. Nach einigen Jahren wird dieses Quartier wegen der Entfernung – die Egelsbacher sind mit dem Rad unterwegs – aufgegeben. 1932 entsteht ein neues Haus an der Steinkaute.

1929 organisiert der Verein einen „Gau-Jugendtag“ unter dem Motto „Nie wieder Krieg“. Es reisen 800 junge Menschen an. Die Mitglieder aus Egelsbach führen das Anti-Kriegsdrama „Masse Mensch“ von Ernst Toller im Eigenheim auf. Einen Tag später gibt es eine Demonstration. In der für das Jubiläum geschriebenen ausführlichen Chronik steht: „Der Demonstrationszug soll so lang wie die Rheinstraße gewesen sein.“ In den Egelsbacher Nachrichten ist später zu lesen, dass „die Naturfreundejugend nicht gewillt ist, ihre Leiber für Kanonenfutter für kommende Kriege herzugeben.“ Doch es kommt bekanntlich anders: 1933 werden die Naturfreunde von den Nazis verboten. Ein paar heimliche Treffen gibt es, dann wird es zu gefährlich.

Der Mandolinenclub „Wanderlust“ schloss sich gleich nach der Gründung den Naturfreunden an.
Der Mandolinenclub „Wanderlust“ schloss sich gleich nach der Gründung den Naturfreunden an. © Naturfreunde Archiv

Nach dem Krieg, im Dezember 1946, nehmen die Naturfreunde die Arbeit wieder auf, unter Heinrich Burk gibt es eine Neugründung. Der Verein nimmt rasanten Aufschwung. 1952 wird das heutige Naturfreundehaus gebaut und eingeweiht. Die Mitgliederzahlen wachsen auf 140 an. Von 1976 bis 2004, mit einer kurzen Unterbrechung, ist Dieter Schober Vorsitzender. Dann übernimmt Brigitte Putz-Weller das Amt. Immer wieder wird am Naturfreundehaus umgebaut und ausgebaut und das Haus den Anforderungen seiner Zeit angepasst. Seit 2004 gibt es den „Freitag im Waldhaus“, eine kulturelle Veranstaltungsreihe, die weit über Egelsbachs Grenzen bekannt ist. Bis heute sind die Naturfreunde engagiert in den aktuellen gesellschaftspolitischen Themen, demonstrieren mit, wenn es um den Erhalt des Bannwaldes geht, machen sich für den Ausbau der Radwege stark oder – ganz aktuell – gehen gegen den Krieg in der Ukraine auf die Straße.

Das große Jubiläum feiert der Verein intern. Dazu kommt sogar der Enkel von Max Schober, Manfred Scholze, selbst über 80 Jahre alt, aus Schweden angereist. „Das eigentliche Fest am Samstag gehört den Mitgliedern, die über das Jahr so viel arbeiten – es soll ein Dankeschön an sie sein“, sagt Brigitte Putz-Weller. Alle anderen Besucher, die Lust haben mit dem Ortsverein der Naturfreunde zu feiern, können das am Sonntag, 15. Mai, tun. Ab 11 Uhr sind Haus und Garten geöffnet, es gibt Kaffee und Kuchen und auch die Ausstellung der Chronik – mit vielen alten Bildern – ist für Besucher zugänglich.

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